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Ärger über das Fernbleiben der Stadtoberen überschattet Verleihung des Saarlouiser Kulurpreises

Kulturpreis : Hohe Wertschätzung und kräftiger Ärger

Große Anerkennung hat am Samstag Gernot Karge erfahren. Für sein Lebenswerk erhielt der Archivar den Kulturpreis.

Hohe Wertschätzung und kräftiger Ärger bildeten den Kontrast bei der Verleihung des 26. Saarlouiser Kulturpreises. Dabei wurde die langjährige Arbeit von Gernot Karge für Heimat- und Familienforschung geehrt. Für das beharrliche Fernbleiben der Stadtoberen hingegen gab es die unbeliebte Kulturzitrone.

„Was dieser Mann geleistet hat für die Gesellschaft, können wir nicht in zehn Minuten darstellen“, sagte Moderator Stefan Neuhäuser. In einem rund 20-minütigen Film gab er Gernot Karge Gelegenheit zu einem Überblick über Leben und Schaffen. Der saß im Arbeitszimmer, vor gefüllten Regalen und am Computerplatz. Er sammle alles, sei aber kein Messi, meinte Karge gut gelaunt. Aktuell sei das wohl der fünfte Computer, denn schon ganz früh habe er angefangen, alles zu digitalisieren. Etwa 1,5 Terabyte an Daten hätten sich angesammelt. Alles mehrfach gesichert, um nichts davon zu verlieren. Auch der Verbleib seines Nachlasses sei geregelt.

Karge wird im April 81 Jahre alt. Der Vater stammte aus Berlin-Köpenick, die Mutter aus Saarlouis. In Berlin geboren fand Gernot Karge nach dem Krieg in Saarlouis eine neue Heimat. Ursprünglich wollte er mal Pfarrer werden, aber da stand auch Alt-Hebräisch auf dem Stundenplan. „Das war so schrecklich. Dann bin ich zur Bundesbahn gegangen.“ Später folgte der Wechsel zum Zoll und schließlich in die Verwaltung des Landratsamtes Saarlouis. Das Amt für Schulen, Kultur und Sport „war ein Amt, das wie gerufen kam“. Hier übernahm er auch die Funktion des Kreisarchivars.

Recherchen über die eigene Familiengeschichte wuchsen sich aus zur Forschung über Abstammungen in Saarlouis und Umgebung. Richtig los ging es 1968 mit der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Familienforschung in der Vereinigung für Heimatkunde im Landkreis Saarlouis. Von 1981 an kämpfte Karge mit anderen um den Erhalt des Alten Saarlouiser Friedhofes. „Der wurde 1993 nach langen Verhandlungen unter Denkmalschutz gestellt.“

Gernot Karge habe sich „wie kein anderer um die Saarlouiser Heimat- und Ahnenforschung verdient gemacht“, betonte Laudator und Geschichtskenner Volker Felten. Dabei sei Karge immer auch bescheiden geblieben, „ein stiller Schaffer“.

Das Kreisarchiv sei weltweit bekannt, sagte Karge nach der Preisverleihung. Mit Kontakten unter anderen in die USA, nach Kanada, Brasilien und Schweden. Alles über Saarlouiser Geschichte von 1679 an habe man zusammengetragen. Trotzdem sei es „in all diesen Jahren nicht erwähnt worden in städtischen Informationsschriften“. Doch „die Saarlouiser Geschichte besteht nicht nur im Zusammenhang mit Sonnenkönig und Marschall Ney“, beklagte Karge. Die Einwohner kamen aus fast ganz Europa. Es gebe sogar drei hohe Admiräle aus Saarlouis. „Knorr war der höchstrangige Offizier aus der Stadt. Dann kam Marschall Ney.“ Als besonders wichtige Person für seine Arbeit erwähnte Karge seine verstorbene Frau Antonia. „Ich habe ihr sehr, sehr viel zu verdanken.“

Der Saarlouiser Kulturpreis fand im 25. Jahr statt. Ins Leben gerufen wurde er von KOMMkultur, einem Verein, der sich vor 30 Jahren im alten Betriebshof gegründet hatte. Ende der 90er Jahre folgte der Umzug an den Luxemburger Ring als Selbstverwalteter Betriebshof Saarlouis, SBS. Seit zehn Jahren ist Geschäftsführer Stefan Neuhäuser für die Aktivitäten zuständig. Er ist auch Hauptmacher der Veranstaltung, die von Co-Moderatorin Lioba Amann begleitet wird. Daraus wurde ein abendfüllendes Programm mit drei Preisträgern im Kulturbereich und zum Teil großem musikalischem Rahmen. „Ich habe bis in die Nacht daran gearbeitet und Beta-Blocker genommen“, sagte Neuhäuser.

Deshalb wurde die 26. Verleihung wieder auf einen Kulturpreisträger beschränkt. Veranstaltungsort war, wie in früheren Zeiten, das Studio im Theater am Ring. „Nur ein einziges Mal habe ich erlebt“, ärgerte sich Stefan Neuhäuser im zweiten Teil des Abends, „dass der Oberbürgermeister bei der Vergabe der Saarlouiser Kulturpreise anwesend war“. Obwohl die Stadt in Kooperation daran beteiligt ist. Auch am Samstag fehlte ein offizieller Vertreter unter den rund 70 Anwesenden. Dagegen hatte Landrat Patrik Lauer den Weg zur Ehrung des langjährigen Kreisarchivars gefunden. Er stoße im kulturschaffenden Alltag auf Widerstände, sagte Neuhäuser, „von denen ich das Gefühl habe, dass sie politisch motiviert sind“. Doch die Auswahl der Preisträger erfolge ohne „parteipolitischen Dünkel“. Die Personen kämen aus allen Bereichen der Kultur. Zudem trage KOMMkultur zum Image von Saarlouis bei. Dazu gehöre unter anderen ein Blues-Festival, „das im südwestdeutschen Raum seinesgleichen sucht“. Mit der Konzertreihe „Best of Guitar“ komme eine Elite klassischer Gitarristen ins Theater, wie sonst nur in großen Kulturmetropolen. „Leider ist das noch immer nicht bei allen Hauptverantwortlichen der Stadt angekommen.“ Diese „lange Tradition“, dass OB und Bürgermeisterin seit Jahren verdienten Bürgern nicht die angemessene Wertschätzung erwiesen, „verdient nicht nur die Kulturzitrone, sondern auch meine Scham“.