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Abriss der Fraulauterner Brücke?
„Abriss der Brücke wäre die Chance“

Wie eine kleine Berliner Mauer durchtrennt die Eisenbahnbrücke Fraulautern. Oben liegt die Kreuzung, dahinter die Pfarrkirche. An sie angrenzend könnte eine neue Ortsmitte entstehen. Im früheren Pfarrgarten beginnt gerade der Abriss der ehemaligen Notkirche und des alten Kolpingheims. Der Schwesternverband wird dort bauen.
Wie eine kleine Berliner Mauer durchtrennt die Eisenbahnbrücke Fraulautern. Oben liegt die Kreuzung, dahinter die Pfarrkirche. An sie angrenzend könnte eine neue Ortsmitte entstehen. Im früheren Pfarrgarten beginnt gerade der Abriss der ehemaligen Notkirche und des alten Kolpingheims. Der Schwesternverband wird dort bauen. FOTO: Joshua Schwinn
Saarlouis. Fraulauterner Interessenvertreter wollen unbedingt einen neuen Messpunkt für Feinstaub. Er könnte ein Hebel sein zum Ende der ungeliebten Eisenbahnbrücke. Von Johannes Werres

„Wir sind“, sagen Josef Feiler und Norbert Zech von der Interessengemeinschaft Fraulauterner Bürger und Vereine (IFBV), „mit allem einverstanden, was im ISEK-Konzept „Soziale Stadt“ für Fraulautern vorgeschlagen wird – bis auf einen einzigen Punkt. Der Standort der Messstation für Feinstaub.“ Im Vergleich mit den vielen Ideen für große Maßnahmen im aktuellen Langzeit-Förderprogramm „Soziale Stadt“ ist das ein Klacks. Aber da lassen IFBV und die Fraulauterner Ortsinteressengemeinschaft (FOG) nicht locker. Im Maßnahmenkatalog, des „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts“ (ISEK) hat dieser Vorschlag „Priorität zwei“. „Wir wollen“, sagt Feiler, „Priorität eins.“ Das Ding soll möglichst schnell umgestellt werden. Denn erst, wenn es an der zentralen Kreuzung in Fraulautern aufgestellt würde, kenne man die wirkliche Feinstaubbelastung des Ortes. Der jetzige Standort nahe der Saar verfälsche den Eindruck massiv.


Die tatsächlichen Feinstaub-Werte, vermuten Feiler und Zech, seien so hoch, dass sie als Hebel zur wichtigsten Veränderung in Fraulautern „für die nächsten zwei, drei Generationen“ dienen könnten. Viele Fraulauterner nämlich wünschen sich, dass die Verkehrsbrücke, 1956 gebaut, abgerissen und nicht wieder ersetzt wird. Die Brücke zerteilt Fraulautern wie einst die Mauer Berlin. Auf ihr treffen sich die B 405 aus Saarwellingen und die B 51 alt von Dillingen nach Saarbrücken. Allein diese Straßen führten schon 2010 (neuere Zahlen kommen erst) mehr als 20 000 Autos am Tag über die Kreuzung, wie die IFBV unterstreicht. Deswegen solle dort gemessen werden. „An Fenster öffnen ist nicht zu denken“, sagt Apothekerin und FOG-Vorstandsmitglied Helene Blaschke, die hier wohnt.

Bei den zu erwartenden sehr hohen Feinstaubwerten, sagen Zech und Feiler, könnte man Geld aus dem Milliarden-Fonds der Bundesregierung für solche Situationen beantragen. Die Mittel könnten die Differenz zwischen einem Neubau der Brücke und einem teureren Ersatz an anderer Stelle ausgleichen. Das nämlich schlagen IFBV und FOG vor: Brücke abreißen und die Kreuzung verlegen. Zum Beispiel etwa dort, wo der Ostring auf die B 51 mündet, das bräuchte aber eine neue Bahnunterführung. Der IFBV hat dazu beim Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) um einen Gesprächstermin gebeten. Denn der LfS will die marode Brücke ohnehin bald abreißen. Er will es aber, so liest man im ISEK-Papier, bislang durch ein neues Bauwerk ersetzen.

Der Abriss der Brücke wäre für Fraulautern „die Chance“, sagt Blaschke. „Aus Fraulautern könnte ein Stadtteil mit Herz werden statt ein reiner Durchfahrtsort.“ Ohne Brücke erweitere sich die Fläche nahe der Kirche, die für ein Ortszentrum vorgeschlagen ist, beträchtlich. Und das Feinstaub-Problem würde sich entspannen. Würde noch der Schulweg zur Klosterschule neu organisiert, hätte Fraulautern viel gewonnen, sagt Feiler. Von den anderen ISEK-Ideen war da noch gar nicht die Rede.

Bis zu 20 000 Autos am Tag fahren über die Brücke. Hier wollen die Fraulauterner eine Messstelle für Feinstaub platzieren.
Bis zu 20 000 Autos am Tag fahren über die Brücke. Hier wollen die Fraulauterner eine Messstelle für Feinstaub platzieren. FOTO: Joshua Schwinn