85 Rodener wollen keinen Lärmschutz

Roden · In Roden, vor allem entlang der Lorisstraße, der B 51, lehnen Anrainer der viel befahrenen Bahnlinie den Bau einer Lärmschutz-Wand ab. Und zwar fast alle, wie die SPD-Fraktion bei einer Haus-zu-Haus-Befragung erfuhr.

 Lassen sich auch von Torpedo-Wagen nicht aus der Ruhe bringen (von links): Jürgen und Rosi Kiefer, Charlotte Lay und Malina und Alfons Neisius schauen auf den Bahndamm. Foto: Hartmann Jenal

Lassen sich auch von Torpedo-Wagen nicht aus der Ruhe bringen (von links): Jürgen und Rosi Kiefer, Charlotte Lay und Malina und Alfons Neisius schauen auf den Bahndamm. Foto: Hartmann Jenal

Foto: Hartmann Jenal

Warum lehnen Anwohner, deren kleine Gärten vom Bahndamm der viel befahrenen Strecke zwischen Saarbrücken und Trier begrenzt werden, eine Lärmschutzwand ab? Wir wissen ja, sagte gestern Jürgen Kiefer aus der Lorisstraße, dass uns die Bahn eigentlich etwas Gutes tun will. Früher wäre das wichtig gewesen. Aber heute? Wir leiden nicht unter Bahnlärm. Und schauen sie selbst." Vom Balkon geht der Blick über den üppig begrünten Garten hin aus bis nach Berus, zur Teufelsburg, viel, viel Grün dazwischen. Kiefer: "Die Züge gehen, die Wand bleibt." Und dann sehe man nichts mehr - nur die Wand. Das wollen die Anwohner nicht. Die kleinen Personenzüge seien ohnehin heute sehr leise, sagen sie. Bloß die Güterzüge und die Torpedowagen von der Hütte, die seien laut, vor allem nachts. Aber auch leiser als früher, und die Bahn wolle ja Flüsterbremsen einführen. An die Bahngeräusche, sagt Kiefer, habe man sich so oder so längst gewöhnt. Aber eine drei Meter hohe Wand vor der Nase, das wäre scheußlich.

Wie er denken fast alle Bahnanrainer in der Lorisstraße, im Stück zwischen Bahnhof und Autobahn. Von über 80 Bahn-Anrainern allein in dieser Straße lehnen 75 den Schallschutz ab. Die SPD-Fraktion im Stadtrat wollte das genau wissen. Ratsmitglied Charlotte Lay, die selbst dort wohnt, ging von Haus zu Haus und fragte, auch in weiteren angrenzenden Straßen. 85 Eigentümer erhoben daraufhin Widerspruch, der im Rahmen des laufenden Planfeststellungsverfahrens möglich ist. SPD-Fraktionschef Peter Demmer überreichte den Stapel mit Einwendungen gestern an Reiner Körner vom Amt für ökologische Stadtentwicklung. Jetzt müssen die Rodener warten, wie die zuständige Behörde, das Eisenbahnbundesamt, mit den Widersprüchen umgeht.

Sollte die Bahn dieses etwa 600 Meter lange Teilstück der geplanten Schallschutzmauer durch Roden und Fraulautern nicht bauen, werde sie den Eigentümern anbieten, die Fenster auszutauschen. Die Bahn werde von sich aus auf die Besitzer zukommen, die 25 Prozent der Kosten selbst tragen müssten, sagte Körner.

Und dann plötzlich gibt's doch was auf die Ohren in der Lorisstraße: Autos. Kein Vergleich zum Bahn-Schall.

Thema auch heute, Mittwoch, 29. Juni, im Stadtplanungsausschuss, 17 Uhr, im Rathaus Saarlouis.