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Kultur: 30 Jahre SBS: Die Kultur ist geblieben

Kultur : 30 Jahre SBS: Die Kultur ist geblieben

Die alternative Kulturszene ist verschwunden, der Selbstverwaltete Betriebshof Saarlouis macht weiter.

Der „Selbstverwaltete Betriebshof“, der SBS, ein Kulturzentrum in Saarlouis, existiert noch, auch jetzt, 30 Jahre nach seiner Gründung. Das ist bemerkenswert, denn das SBS wurde als Plattform für alternative Kultur gegründet, und die gibt es längst nicht mehr. Jedenfalls nicht in Saarlouis, wie der 2016 gewählte Vorsitzende des SBS-Vereins, der Saarlouiser Arzt Herbert Hanisch, unterstreicht. Saarlouis sei zu klein für eine solche Szene heute, und die Zeiten hätten sich ohnehin geändert.

Auch SBS-Geschäftsführer Stefan Neuhäuser schaut der Alternativ-Szene in Saarlouis hinterher, hält aber eher das fehlende passende Gebäude für den Grund des Verdunstens. Denn auch das hat sich geändert: Vor 30 Jahren trotzte der Verein der Stadt ab, den früheren Betriebshof als Zentrum nutzen zu können. Ende der 90er stellte der Stadtrat bauliche Mängel fest. Der Stadtrat wollte neu bauen lassen – damals regierte eine rot-grüne Mehrheit in Saarlouis. Die alternative Kulturszene des KOMM und die alternative Politikszene mit den Grünen überschnitten sich. Das „KOMM“, so hieß das Zentrum, zu dem das „Café Wichtig“ gehörte, zog vorübergehend in den Luxemburger Ring 8. Da ist es immer noch, der alte Standort an der Lisdorfer Straße ist heute ein Parkplatz. Aber den SBS im Luxemburger Ring 8 gibt es immer noch, die Stadt stellt das Gebäude zur Verfügung und zahlt, sagt Neuhäuser, rund 16 000 Euro im Jahr für das Programm.

In dem Gebäude sind verschiedene Vereine untergekommen: eine Ballettgruppe probt dort, eine Linux-Gruppe arbeitet dort an Computerprogrammen, die Frauengruppe 11 F malt dort, die Caritas berät Menschen mit wenig Geld, wie sie Energie sparen können.

In einem Raum für etwa 40 Leute treten sechs bis acht Mal Künstler auf, kleinere Konzerte. Großereignisse sind das jährliche Rock-Wall, ein vom Publikum als attraktiv beschriebenes Rock-Konzert im Saarlouiser Wallgraben, 1000 Leute in diesem Jahr, sagt Neuhäuser.

Und es gibt natürlich einmal im Jahr den Saarlouiser Kulturpreis: verliehen Menschen, die sich um die Kultur in der Stadt verdient gemacht haben; vermehrt um das „Saarlouiser Kulturerbe“ für liebevoll gesehene Kleinigkeiten in der Stadt wie das „Männchen“ im Schaufenster eines Schuhmachers. Und da ist natürlich die Kulturzitrone für aus Sicht des SBS auffällige kulturelle Fehlleistungen. Meistens holen die Preisträger die Zitrone gar nicht selbst ab.

Verteilt wurden diese Auszeichnungen vor rund 300 Besuchern in traditionell sehr langen Abendveranstaltungen im Theater am Ring. Nach der jüngsten sahen sich Neuhäuser und Hanisch mit unerwartet gepfefferten Rechnungen konfrontiert. „2400 Euro Miete für den Abend. Jedes Mikro kostete extra. 240 Euro nur für den Beamer.“

Also geht es ab nächstem Jahr ins Vereinshaus in Fraulautern.

Was den SBS wieder zurück bringt zur Immobilienfrage. Für seine Rolle als Kristallisationsort für alternative Kultur brauche es andere Räume als die jetzigen. Sowas wie das alte Rodener Kino, das hätte gepasst, sagen sie. Und sie suchen derzeit einen neuen Saal. Platz für 150, 200 Leute wäre ideal, sagt Neuhäuser. Wer dazu eine Idee hat, kann sich bei ihm melden.

Verdruss machen die Veränderungen Neuhäuser und Hanisch nicht. Für Hanisch ist dieses Amt eine Gelegenheit, nach anstrengenden Tagen „den Kopf frei zu kriegen“. Veranstaltungen wie die neue Reihe „Best of Guitar“ mit dem renommierten Gitarrenbauer Kazuo Sarto in Roden begeistern ihn. Hanisch und Neuhäuser schwärmen gleich auch noch vom nächsten „Best of Guitar“. Am Freitag, 6. Oktober, kommt Christina Lux. Das wird im Studio des Theaters am Ring sein. Das SBS selbst wäre zu klein.

www.kommkultur.com