1450 Besucher kamen zum 16. Klassik-Open-Air in Lisdorf

Konzert : Magische Mittsommernacht in Lisdorf

1450 Besucher kamen zum 16. Klassik-Open-Air auf dem Lisdorfer Kirchplatz und applaudierten am Ende stehend.

Gäbe es Günter Donie und Manfred Boßmann nicht, gäbe es vermutlich nicht dieses Klassik-Open-Air, das alle Jahre wieder zum Sommeranfang auf dem Lisdorfer Kirchplatz über die Bühne geht und 1450 musikbegeisterte Besucher versammelt. Donie, pensionierter Musikpädagoge am Robert-Schuman-Gymnasium (RSG), Leiter der Kreismusikschule (KMS), des Kreisjugendsinfonieorchesters (KJSO), des Kammerchors und Begründer der Chöre am RSG, zeichnet zum 16. Mal künstlerisch verantwortlich für die Veranstaltung.

Boßmann, Vorsitzender des Fördervereins „Klingende Kirche“ Lisdorf, sorgt für den reibungslosen Ablauf. Insgesamt handelt es sich um eine Kooperation der Gesellschaft für Bildung und Kultur im Landkreis Saarlouis, der Kreismusikschule Saarlouis, des Fördervereins „Klingende Kirche“ und des Stadtverbands der kulturellen Vereine Saarlouis. Die Moderation des Konzerts lag wie immer bei Hans-Werner Strauß.

... und Manfred Boßmann vom Förderverein. Foto: Sascha Schmidt

Auch an diesem Abend – Besucher sprechen von einer magischen Mittsommernacht – gibt Donie jungen Menschen ein Forum. Neben dem KSJO und dem Chor des RSG treten junge Talente als Solisten auf: Johannes Hilt, Fagott, und Tanit Heiser, Sopran. Während Heiser trotz guter Stimme etwas unsicher auftritt, überzeugt Hilt mit dem „Andante e Rondo ungarese“ von C.M. von Weber, ein Stück, das sein Dasein als Bratschensolo mit Orchesterbegleitung für den Bruder des Komponisten begann.

Hilt versteht es, unterstützt vom einfühlsam und technisch perfekt aufspielenden Orchester, das schwermütige Thema in c-Moll, gefolgt von drei Variationen, virtuos vorzutragen. Wie immer ist Lyrismus nicht weit entfernt, aber die Virtuosität trägt den Sieg davon.

Klassik, Opern-, Operettenarien sowie Musicalmelodien wechseln ab mit Jazz- und Popsongs, die vom Chor des RSG und dem 1997 von Ruth und Dietmar Strauß gegründeten Jazzchor United Voices gesungen werden. In Begleitung einer Combo, der Fourtissimo-Gruppe, begeistern die gut geschulten Stimmen mit Songs wie „Everybody loves my baby“ von J. Palmer, „Do you know what it means“ von E. DeLange und anderen.

Der Chor des RSG, der aus dem Unterstufen- (Franke), Mittelstufen- (Rößler) und Kammerchor (Donie) besteht und insgesamt 250 gesangslustige Jugendliche vereint, beeindruckt mit „Viva la vida“ von G. Berryman, „Songs aus Glee“ und dem Hit „Rolling in the deep“ von Adele. Das KJSO gibt seinen „Einstand“ mit „Norma Sinfonia“ von V. Bellini und läutet mit „Cole Porter Salute“ von Porter den zweiten Teil des Konzerts ein. Die Orchestermusiker geben Bellinis heroischer Idylle die Farben des Barock, besonders die Celli und Bläser unterstreichen seine Melancholie. Im Ganzen wirkt die Interpretation jedoch etwas träge. Eine schwungvolle Ouvertüre wie die von „Orpheus aus der Unterwelt“ von Offenbach hätte das Publikum sicher gleich in Stimmung versetzt. „Cole Porter salute“, ein fesselndes Medley, macht den Musikern offensichtlich Spaß.

Natürlich wartet Donie auch mit professionellen Gesangssolisten auf. Dabei macht der Sopran von Anne Kathrin Fetik, die auf Intensität und poetische Dichte setzt, immer wieder staunen. Ohne Mühe singt sie mit kristalliner Stimmgebung auch in hohen Tonlagen sauber und leicht. Judith Brauns dunkel gefärbter Mezzosopran wirkt dagegen herb und forciert, wenn auch sicher in Intonation und Koloratur. Besonders gefällt sie mit dem Adele-Song „James Bond: Skyfall“ und „A piece of sky“ von M. Legrand. Braun gehört zum Ensemble des Saarländischen Staatstheaters. Manuel Horras, Mitglied des Opernchors am Staatstheater, überzeugt mit reifen Ausdruckshöhen seines sonoren Tenors. Gleich zu Beginn des Konzerts weckt er Emotionen mit seinem Vortrag „Das Bildnis ist bezaubernd schön“ aus der Zauberflöte von Mozart, und auch das Duett mit Fetik - „Lippen schweigen“ aus Land des Lächelns von Lehár - ist bezaubernd.

Und wieder gibt es stehenden Applaus und ein Lichtermeer, als sich die Mitwirkenden traditionell mit dem Champagnerlied „Im Feuersturm der Reben“ aus der Fledermaus von J. Strauß verabschieden.

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