"100 Euro für einen Tisch mit vier Stühlen, zum Beispiel"

"100 Euro für einen Tisch mit vier Stühlen, zum Beispiel"

Herr Lauer, was genau können Bedürftige mit der nun bar ausgegebenen einmaligen Beihilfe kaufen?Lauer: Das, was sie bisher mit Bedarfsscheinen bekamen: eine Erstausstattung mit Möbeln. 100 Euro für einen Tisch mit vier Stühlen, zum Beispiel

Herr Lauer, was genau können Bedürftige mit der nun bar ausgegebenen einmaligen Beihilfe kaufen?

Lauer: Das, was sie bisher mit Bedarfsscheinen bekamen: eine Erstausstattung mit Möbeln. 100 Euro für einen Tisch mit vier Stühlen, zum Beispiel.

Was war Anlass für den Landkreis, von Bedarfsscheinen auf Bargeld umzustellen?

Lauer: Der Landkreis hatte früher ein eigenes Möbellager. Bedürftige konnten dort Möbel und Hausrat bekommen, dafür gab es die Bedarfsscheine. Andere Landkreise hatten solche Lager nicht und deswegen auch die Scheine nicht. Die Praxis haben wir beibehalten, nachdem das Diakonische Werk das Sozialkaufhaus in Saarlouis mit Möbellager übernommen hat. Seitdem ist es für uns mit erheblichen Verwaltungsproblemen verbunden, diese Scheine abzurechnen. Sie mussten einzeln zugeordnet werden, weil die Beihilfe von unterschiedlichen Kostenträgern erstattet wird

Sie vertrauen den Antragstellern?

Lauer: Der geringere Verwaltungsaufwand war das eine Motiv, Eigenverantwortung zu stärken das andere. Wir kontrollieren die Verwendung der Beihilfe nicht. Geht jemand dafür teuer essen, ist das Geld eben weg, aber es gibt keine neue Bewilligung. Eine Wohnungseinrichtung ist aber unabdingbar. Wir können sie dann durchaus anschaffen und auf dem Wege eines Darlehens finanzieren. Es würde damit abbezahlt werden, dass man einen Teil des Regelsatzes des Betroffenen einbehält. Aber wir gehen von Missbrauch gar nicht aus.

Der für Hausrat bewilligte Betrag muss nicht im Sozialkaufhaus Saarlouis ausgegeben werden?

Lauer: Nein. Wir laden aber dazu ein. Theoretisch kann sich der Betroffene die Möbel noch billiger bei einer Wohnungsauflösung oder im Findling besorgen.

Gefährdet die freie Wahl der Bezugsquelle für Hausrat nicht die Existenz des Sozialkaufhauses?

Lauer: Nein. Von Wohnungsauflösungen abgesehen, dürfte es keine günstigere Möglichkeit geben, Hausrat zu kaufen. Der Landkreis unterstützt das Sozialkaufhaus mit einer dreiviertel Million Euro im Jahr: 550 000 Euro gehen in Bürgerarbeit und 200 000 Euro in andere Maßnahmen wie in der Aufbereitung von Möbeln und Fahrrädern und dergleichen. Das Geld geben wir aus, weil wir von der Institution Sozialkaufhaus überzeugt sind. Diese Summe in Zeiten knapper Kassen zeigt ja, als wie wichtig wir das Sozialkaufhaus einstufen.

Signalisiert die Umstellung ein weitergehendes Umdenken mit Leistungen für bedürftige Menschen?

Lauer: Das ist ein Stück Eigenverantwortung, und wir schauen uns an, wie die Menschen damit umgehen. Im Moment sind weitere Schritte nicht geplant.Foto: Brigitta Schneider