Unrat und tote Fische Ungewöhnliches Hilfsmittel zur Säuberung des Saaraltarms (mit Video)

Saarlouis · Teile des Saaraltarms in Saarlouis werden schon länger großflächig von Wasserlinsen und Unrat bedeckt. Zudem sorgten mehrere tote Fische zuletzt für Aufsehen. Nachdem bisherige Reinigungsversuche nur wenig Erfolg gebracht hatten, setzt die Stadt jetzt auf ein kurioses Hilfsmittel – welches eigentlich für Notfälle konzipiert ist.

Seit längerem werden große Teile des Saaraltarms in Saarlouis schon von Wasserlinsen bedeckt.

Seit längerem werden große Teile des Saaraltarms in Saarlouis schon von Wasserlinsen bedeckt.

Foto: Tom Peterson

Er ist für viele Menschen in Saarlouis ein beliebtes Freizeitziel und ein Ort der Naherholung – doch nicht wenige blicken seit längerem auch mit Sorgen auf den Saaraltarm direkt vor den Toren der Stadt. Der Grund hierfür ist kaum zu übersehen. Große Teile des in den 1970er Jahren abgetrennten Seitenarms der Saar sind von einer dicken Schicht Wasserpflanzen, sogenannten Wasserlinsen, bedeckt. Insbesondere im Bereich des Max-Planck-Gymnasiums bilden diese schon seit längerem einen fast lückenlosen Teppich, sodass die eigentliche Wasseroberfläche nicht mehr zu sehen ist.

Viruserkrankung sorgt für tote Fische im Saaraltarm

Zuletzt waren zudem mehrere tote Fische im Saaraltarm gefunden worden. Der Grund hierfür liege laut der Stadtverwaltung jedoch nicht an einer schlechten Wasserqualität, sondern an der sogenannten Frühjahrsvirämie, einer Viruserkrankung bei Fischen, die meistens im Frühjahr auftritt und vor allem Karpfenfische betrifft. Dies habe auch ein Gutachter bestätigt, wie der zuständige Beigeordnete Gerald Purucker im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigt.

Saarlouis setzt bei Säuberung von Saaraltarm auf ungewöhnliches Hilfsmittel

Im Saarlouiser Rathaus ist die Situation am Saaraltarm aber nicht nur wegen der regelmäßigen Bürgeranfragen hierzu ein wiederkehrendes Thema. Bereits im März hatte der Neue Betriebshof Saarlouis (NBS) zusammen mit einer Spezialfirma mühsam versucht, Teile des Saaraltarms von den vielen auch als „Entengrütze“ bekannten Wasserpflanzen zu reinigen. Allerdings nur mit mäßigem Erfolg, denn nur wenige Tage später bedeckte wieder eine große Schicht Wasserlinsen das Gewässer.

Um das optische Erscheinungsbild des Saaraltarms nachhaltig zu verbessern, greift die Kreisstadt daher jetzt zu eher ungewöhnlichen Hilfsmitteln – und setzt seit wenigen Tage eine bis zu 45 Meter lange Ölsperre ein. Normalerweise werden solche Sperren von Feuerwehren oder dem THW errichtet, um eine unkontrollierte Ausbreitung von Öl in Gewässern zu unterbinden. In Saarlouis soll die Vorrichtung nun im Kampf gegen die Wasserlinsen helfen.

 Die Stadt Saarlouis hat nun erstmals eine sogenannte Ölsperre eingesetzt, um die Reinigungsarbeiten im Saaraltarm zu unterstützen.

Die Stadt Saarlouis hat nun erstmals eine sogenannte Ölsperre eingesetzt, um die Reinigungsarbeiten im Saaraltarm zu unterstützen.

Foto: Tom Peterson

Purucker: Arbeit ohne Ölsperre glich „Sisyphos-Arbeit“

Eine Taktik, die scheinbar aufzugehen scheint. „Das funktioniert erstaunlich gut. Mehr als 30 Kubikmeter Wasserlinsen haben wir heute entnommen“, zeigt sich Gerald Purucker kurz nach dem ersten Einsatz der Ölsperre vor Ort zufrieden. Ohne diese hätten Wind und Wasserbewegung die auf der Oberfläche treibenden Wasserlinsen bei früheren Versuchen immer wieder direkt weggetrieben, was die Entnahme zu einer regelrechten Sisyphos-Arbeit werden ließ.

Mit der neuen Ölsperre könnten größere Mengen Wasserlinsen nun hingegen gezielt in Richtung Ufer geschoben und dort mit einer an einem Bagger angebrachten Spezialschaufel „komprimiert“ entnommen werden. Erstes Ziel sei jetzt, die wegen der Wasserlinsen abgeschaltete Wasserfontäne am Max-Planck-Gymnasium wieder in Gang zu bekommen.

Weitere Reinigungsaktionen notwendig

Auch Andreas Ney, der Umweltschutzbeauftragte der Stadt Saarlouis, zeigt sich nach dem ersten Versuch im Gespräch mit unserer Zeitung sichtbar zufrieden. Ziel der jetzigen Aktion sei es jedoch nicht, sämtliche Wasserlinsen im Saaraltarm zu entnehmen. Denn auch wenn das massenweise Auftreten der Wasserpflanze für einen erhöhten Nährstoffgehalt im Gewässer spreche, würden diese gleichzeitig eine wichtige ökologische Funktion übernehmen und beispielsweise Fischen als Versteckmöglichkeit dienen.

„Der Saaraltarm ist augenscheinlich sicherlich für viele recht unansehnlich. Aktuell besteht aber keine Gefahr für das wertvolle Ökosystem“, betont Purucker. Fest steht aber auch: Die bisherigen Reinigungsaktionen am Saaraltarm werden wohl noch öfter wiederholt werden müssen. Auch, weil dort von manchen immer noch eine nicht unerhebliche Menge Müll einfach entsorgt wird. „Wir müssen behutsam mit dem Ökosystem Saaraltarm umgehen“, mahnt Purucker daher.