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Saarlouis muss sich als Stadt dem Klimawandel anpassen

Branche im Umbruch : Auch Saarlouis muss sich dem Klimawandel anpassen

Steigende Temperaturen und Extremwetter machen eine neue Art der Stadtplanung nötig – und stellen Architekten vor große Herausforderungen.

Wie sieht der klimaschonende Baustoff der Zukunft aus, der Zement ersetzen kann? Das ist aktuell Gegenstand weltweiter Forschungen. Ein Teil der Lösung könnte in der Rückbesinnung auf Althergebrachtes liegen. „Früher wurden Architekten belächelt, die mit Stroh und Lehm gebaut haben“, erklärt Alexander Schwehm, Präsident der Architektenkammer des Saarlandes. Inzwischen habe hier ein Umdenken eingesetzt. Auch Holz erlebt eine neue Renaissance – in Saarlouis wurde bereits die Kita Steinrausch aus diesem nachhaltigen Rohstoff errichtet.

Während in der Baubranche so Emissionen eingespart werden können, müssen Architekten und Stadtplaner allerdings bereits einen Schritt weiter gehen – und sich mit der Frage beschäftigen, wie sich der Mensch in Zukunft an den Klimawandel anpassen kann. Gesichert sei, dass in Zukunft Extremwetterereignisse zunehmen werden, stellt Jens Stahnke klar. Der Vizepräsident der Architektenkammer ist federführend an der Planung eines Fachkongresses beteiligt, der sich in der kommenden Woche im Weltkulturerbe Völklinger Hütte mit genau diesem Problem auseinandersetzen wird.

Die Planungen dafür laufen bereits ein halbes Jahr, das Thema hat allerdings zwischendurch durch die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz besondere Dringlichkeit erhalten. So verständlich der Wunsch nach einer schnellen Rückkehr zur Normalität im Ahrtal auch sei: „Wir müssen uns die Frage stellen, ob das überhaupt überall möglich ist“, erklärt Stahnke. Das Risiko, dass ein an der selben Stelle wiedererrichtetes Haus erneut Opfer einer Sturzflut wird, sei in manchen Gebieten inzwischen einfach zu groß.

Auch Städte werden in Zukunft mit heftigeren Niederschlägen zu kämpfen haben. Weil hier viele Flächen versiegelt sind, kann das Wasser nicht versickern. Nötig seien genügend Freiflächen und innovative Materialen, die Niederschläge speichern können – Schwehm spricht von einer „Stadt wie ein Schwamm“. Noch gefährlicher ist allerdings ein anderes Wetterextrem: Hitze. Bereits jetzt treten Hitzetage (über 30 Grad) und sogenannte Tropennächte (in denen die Temperatur nicht unter 25 Grad fällt) wesentlich häufiger auf als noch vor wenigen Jahren. In Städten, wo Asphalt für zusätzliche Aufheizung sorgt, können die kommenden Sommer für die Bewohner – besonders ältere Menschen – so zur lebensbedrohlichen Tortur werden.

Ein Negativbeispiel fällt dem Saarlouiser Schwehm aus seiner Heimatstadt sofort ein: der Große Markt, ein riesiger Parkplatz. „In Städten ist viel Platz für den ruhenden Verkehr reserviert“, erklärt Stahnke. Eine moderne Stadtplanung muss daher immer auch in Verbindung mit einer nötigen Verkehrswende gedacht werden. Nur so wird Platz verfügbar für schattenspendende Bäume und kühlende Grün- oder Wasserflächen – kleine Oasen, die nicht nur das Mikroklima der Stadt positiv beeinflussen, sondern auch als Fluchtort dienen für hitzegeplagte Bürger.

All das stellt die Architekten vor ganz neue Herausforderungen – und zwar global. „Es geht nicht mehr darum, sich ein Denkmal zu setzen“, erklärt Schwehm eindringlich. Eine Abkehr vom „Turbokapitalismus“ sei nötig, Lösungsvorschläge müssten auch umgesetzt werden. Genau daran hakt es allerdings. „Wir haben bereits vor 15 Jahren Häuser gebaut, die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen“, berichtet der Präsident. Was fehlt, ist der politische Wille, sie auch zu bauen.

Der Internationale Kongress für nachhaltiges Bauen findet vom 6. bis 8. Oktober in der Gebläsehalle Völklingen statt, eine Online-Teilnahme ist möglich. Programm unter

www.congresbatimentdurable.com