Zurück zur Natur

Seit 40 Jahren kauft die Naturlandstiftung Saar (NLS) ökologisch wertvolle Flächen, um die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. In einer Serie stellen wir die Arbeit der NLS vor. Dazu haben wir uns Schutzgebiete im Landkreis Saarlouis angesehen. Heute das Renaturierungs-Projekt an der Wackenmühle in der Niedaue bei Hemmersdorf.

Zubetonierte Stellplätze, Straßen, Toilettenanlagen und ein Fluss mit abgesichertem Ufer, den die Touristen gerne zum Baden nutzen - ein typischer Campingplatz eben. Bis 2006 gab es eine solche Anlage auch an der Wackenmühle bei Hemmersdorf . "Für unsere Kulturlandschaft war das eine Katastrophe", sagt Axel Didion von der Naturlandstiftung Saar (NLS). Denn von natürlicher Nutzung sei damals keine Spur gewesen. Der Biologe zeigt auf ein zehn Jahre altes Luftbild des Gebiets. "Das größte Problem war der ganze Beton." Nach starken Regenfällen sei es immer wieder zu Überschwemmungen gekommen. Der versiegelte Boden konnte keine Feuchtigkeit aufnehmen, Ausweichmöglichkeiten für die Wassermassen gab es nicht. "Bei einer Überschwemmung in den 1980er Jahren wurden mehrere Wohnwagen weggespült", erinnert sich Didion.

2005 kaufte die Naturlandstiftung die zehn Hektar große Fläche rund um die Nied. Gut ein Jahr später begannen die Mitarbeiter mit der Renaturierung der verbauten Flussaue. Sie transportierten Dutzende Tonnen Beton ab und entsiegelten den Boden, damit sich die Aue wieder frei entwickeln konnte. "Auf dem Gelände standen auch einige alte Bäume. Die haben wir erhalten", erzählt Didion. Ansonsten hat die NLS den Campingplatz in Grünland umgewandelt. Entstanden ist eine riesige Nasswiese, auf der sich nach starken Regenfällen mehrere Tümpel bilden. Ein natürlicher Hochwasserschutz sozusagen. "Das Wasser kann sich nun auf einer großen Fläche ausbreiten."

Im Landkreis Saarlouis gab es in den vergangenen Jahren gleich mehrere solcher Renaturierungs-Projekte. Die Ökoflächen-Management (ÖFM), eine Tochtergesellschaft der NLS, hat in der Saaraue bei Wadgassen und Hostenbach auf rund 100 000 Quadratmetern künstliche Aufschüttungen abgetragen. So wurden auendynamische Prozesse wie Überflutung, Trockenfallen und Vernässung wieder ermöglicht.

In Hemmersdorf hat die NLS neben dem Rückbau des Campingplatzes noch weitere Maßnahmen auf der Fläche durchgeführt. Insgesamt 18 Stück. Dazu zählen auch der Bau einer Fußgängerbrücke über die Nied und die Installation einer Fischtreppe. Diese Konstruktion aus dicken Steinen ermöglicht es den Fischen, einen kleinen Wasserfall zu überwinden. "Die Treppe hat sich bereits gut bewährt", sagt Didion. Doch nicht nur der Fluss, sondern die gesamte Fläche des ehemaligen Campingplatzes habe sich mittlerweile in ein Paradies für die verschiedensten Tier- und Pflanzenarten verwandelt. "Die Kleine Zangenlibelle fühlt sich hier zum Beispiel besonders wohl." Sie kommt hauptsächlich an warmen Bächen mit kiesigem oder sandigem Ufer vor. Die Larven der Libelle leben eingegraben im Grund. Ihre Entwicklung dauert zwischen drei und fünf Jahren. Während Didion erzählt, hüpft ein kleines Insekt auf der Wiese auf und ab. Der Biologe schaut sich das Tier genauer an. "Das ist eine Sumpfschrecke", stellt er fest. Sie kann bis zu vier Zentimeter groß werden und lebt bevorzugt in Nasswiesen

 So sah die Fläche in Hemmersdorf etwa drei Jahre nach Abriss des Campingplatzes aus.
So sah die Fläche in Hemmersdorf etwa drei Jahre nach Abriss des Campingplatzes aus.
 Eine Sumpfschrecke sitzt auf der Feuchtwiese der Niedaue.
Eine Sumpfschrecke sitzt auf der Feuchtwiese der Niedaue.
 Die Kleine Zangenlibelle fühlt sich an warmen Bächen wohl.
Die Kleine Zangenlibelle fühlt sich an warmen Bächen wohl.

"Die Renaturierung hat sich in diesem Bereich definitiv gelohnt", sagt Didion. Und dem Tourismus nicht wirklich geschadet. Denn Besucher kommen auch heute noch nach Hemmersdorf . Statt Campingplatz-Fans reisen jedoch Naturliebhaber an. Und statt Wohnwagen und Badehose bringen sie ihre Wanderschuhe und Trekkingkleidung mit.