Freizeit : Noah mag Zirkus lieber als Zocken

Mit Feuereifer sind die Kinder beim Zirkusprojekt des Leichtathletik-Clubs Rehlingen in der Geisbachhalle in Fremersdorf bei der Sache.

Ruhig legen sich ihre Hände auf den roten Ball vor ihr, der ihr bis zur Hüfte reicht. Flink springt sie vom Boden ab und kniet sich auf den Ball. Jetzt muss sie vorsichtig sein. Jede noch so kleine Bewegung kann sie in eine andere Richtung rollen lassen. Um sich aufzurichten, braucht Felina ihre ganze Konzentration und ihren Gleichgewichtssinn. Wie einstudiert fließen ihre Bewegungen ineinander, ihr Körper weiß, wie er sich auf dem Gymnastikball ausbalancieren kann, bis Felina aufrecht auf dem Ball steht und alle anderen überragt. Stolz lächelt die Zehnjährige.

Was bei ihr kinderleicht aussieht, lässt die anderen Kinder im Zirkusprojekt des Leichtathletik-Clubs (LC) Rehlingen bisweilen noch schwanken. Seit einem Jahr trainiert sie schon jeden Mittwoch in der Geisbachhalle in Fremersdorf für ihre Übungen. Mit jedem Tag Übung wird Felina immer besser auf ihrem Ball, eine Runde durch die Halle rollen meistert sie mühelos. Selbst leichte Versuche, sie aus dem Gleichgewicht zu bringen, gleicht sie gekonnt aus. Wieso sie so gerne beim Zirkusprojekt mitwirkt? „Weil es Spaß macht, mit meinen Freunden hier zu sein“, erzählt sie. „Und weil die Trainer nett sind.“

Dazu zählen Lisa Schneider und Bastian Dillmann, die immer beim Training dabei sind und den Kids hilfreiche Tipps geben, wie sie ihr Gleichgewicht besser halten können. Ob Einradfahren, mit Keulen jonglieren oder bunte Plastikteller mit einem Stock in der Luft balancieren – „das Zirkusprojekt ist ein Gegenpol zum klassischen Sport und zum Angebot des LC Rehlingen“, weiß Lisa Schneider. Sie selbst fing 2004 dort an. „Früher war das Angebot noch spektakulärer. Wir hatten damals Hochräder, mit denen wir auch im Dunkeln fuhren oder mit leuchtenden Bällen jonglierten“, erinnert sie sich. Heute hat sie die Seite gewechselt und trainiert die Grundschüler im Alter von sieben bis elf Jahren selbst, dafür machte sie auch ihren Trainerschein.

Seit 2002 bietet der LC Rehlingen das Zirkusprojekt an, eine Idee der ehemaligen Vorsitzenden Willi Himbert und Ludwig Klein. Das Ziel: Mit viel Spiel und Spaß die Motorik der Kinder zu schulen. Während Einradfahren sowohl Gleichgewichtssinn als auch Kondition und Haltung verbessert, fördert die Jonglage Motorik, Geschicklichkeit sowie die Konzentrationsfähigkeit. Eigenschaften, die den Schülern im Alltag und in der Schule nutzen. Mitmachen kann jeder ab sechs Jahren.

Was sie in ihrem wochenlangen Training gelernt haben, demonstrieren die Kinder bei Projekten und Auftritten in Schulen, Kindergärten und in sozialen Einrichtungen, wie zuletzt im SOS Kinderdorf in Hilbringen. „Was einstudiert wird, entscheiden sie dabei selbst“, sagt Schneider. Nur im Winter trainieren sie in der Halle, im Sommer üben sie ihre Kunststücke auf dem Fußballplatz in Rehlingen.

Die meisten der 18 Schüler stammen aus der Gemeinde. Unter ihnen ist auch der neunjährige Noah, der Felina – während sie auf dem Ball steht – Bälle zuwirft oder seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht: Bunte Teller auf einem Stock in seinen Händen balancieren. Neben dem Zirkusprojekt geht er jede Woche zur Leichtathletik, schwimmt und springt auf dem Trampolin. Noah würde sich allerdings wünschen, dass mehr Jungen beim Zirkusprojekt mitmachen, denn er ist derzeit der einzige. „Weil die anderen Jungs lieber zocken oder Leichtathletik machen“, sagt Noah. „Ich bin lieber hier.“

Im Zirkusprojekt gefällt es auch den Freundinnen Florence und Alea. Lachend flitzen die Neunjährigen auf Einrädern geschwind durch die Halle und üben gemeinsam ihren Trick: die Mühle. Dabei fassen sich die beiden Mädchen an den Händen und fahren im Kreis weiter. „Es gefällt uns hier und wir können das machen, was wir wollen“, meint Florence strahlend. Ihre Freundin Alea ergänzt: „Mir macht es Spaß, Sport zu machen und Freunde zu treffen.“ Ihre Freundin brachte ihr das Einradfahren bei, diese wiederum hatte es einst von ihrem Papa gelernt. Der überließ ihr auch sein Einrad. „Weil ich es viel besser kann als er“, sagt Florence stolz.