„Wir holen uns zu Weihnachten die Welt nach Hause“

Adventsserie : „Holen uns zu Weihnachten die Welt nach Hause“

Wie erleben Sie die Weihnachtszeit? Im SZ-Adventskalender blicken wir jeden Tag hinter eine Tür: heute bei Familie Ellersdorfer in Niedaltdorf.

Zu Weihnachten versenden Manuela und Ralf Ellersdorfer aus Niedaltdorf Grüße in die ganze Welt hinaus, denn mittlerweile haben sie Freundschaften über den gesamten Globus hinweg geschlossen: „Wir haben vor ein paar Jahren angefangen, uns im Rahmen der Organisation ,Youth for Understanding’ zu engagieren, mittlerweile haben wir das siebte Austauschkind für ein knappes Jahr bei uns aufgenommen“, berichtet Manuela Ellersdorfer, die fließend Spanisch spricht.

Los ging alles damals bei der Tochter in der Schule, als sie ein japanisches Mädchen kennengelernt hatte und daraufhin ein Jahr nach Japan gehen wollte. Zwar ist daraus nichts geworden, die Familie hat sich aber kurzerhand entschlossen, die Welt dafür ins kleine Saarland zu holen, genauer gesagt zu sich nach Hause: „Mittlerweile hatten wir bereits sieben Austauschschüler ein Jahr als Gäste bei uns, sie kamen aus allen Teilen der Welt,“ erzählt Vater Ellersdorfer. Gäste aus Ecuador, den USA, Polen und Thailand beherbergte die Familie so im Laufe der Jahre: „Aktuell haben wir die 18-jährige Mexikanerin Paola Lizette aus Mexiko zu Besuch, sie wird dieses Jahr Weihnachten mit uns feiern“, sagt Manuela Ellersdorfer.

Wenn so viele und verschiedene Kulturen und Religionen in einem Haushalt zusammenkommen, „gibt es einiges zu erzählen, gerade zu Weihnachten“, sagen beide und lachen. Zwar ist die Familie keineswegs missionarisch unterwegs, versucht aber, ihren Schützlingen die deutschen Traditionen und auch das Weihnachtsfest näherzubringen – und so schön wie möglich zu gestalten: „Bonus aus Thailand hat Weihnachten aus ihrer Heimat gar nicht gekannt. Da sie Buddhistin ist, kamen ihr unsere Bräuche zunächst sehr fremd vor“, erinnert sich Manuela Ellersdorfer.

Als sie ihre vielen kleinen Geschenke am Heiligen Abend unter dem hell erleuchteten Weihnachtsbaum entdeckte, strahlte sie dafür über beide Ohren. Und selbst hatte sie beim Einpacken ihre helle Freude, lag Stunden dazu auf dem Bode und tütete Geschenke ein, erinnert sich die Familie. Als die Polin Sandra zu Besuch war, haben die Familien über die zwei Länder hinweg den gesamten Heiligen Abend über lustige Weihnachtsfotos versendet. Der Besucher aus Ecuador wiederum hat den Heiligen Abend gar nicht gekannt, in seinem Land wird erst am ersten Weihnachtstag gefeiert: „Das Fest in Ecuador ist auch sehr stark amerikanisiert, viel Glitzer und überladene Bäume“, erzählt Manuela Ellersdorfer.

Auch der 18-jährigen Mexikanerin Paola will die Familie eine schöne Advents- und Weihnachtszeit bieten, so wollen die Ellersdorfer sie zum Beispiel mit auf die Weihnachtsmärkte in Saarlouis und Saarbrücken nehmen, wo sie das erste Mal in ihrem Leben Schlittschuhlaufen wird: „Darauf freue ich mich ganz besonders, ich hoffe auch, dass es einmal schneit, während ich hier bin“, sagt Paola mit einem strahlenden Lächeln. Denn Schnee hat sie in ihrem Leben erst einmal gesehen – und das ist bereits über zehn Jahre her, erinnert sie sich.

Besonders freut sie sich auch über ihren Adventskalender, den die Tochter der Ellersdorfers für sie aus 24 Häuschen gebastelt hat – und der mit Modeschmuck, Make-up und allerlei Süßem gefüllt ist: „Unsere Tochter ist unsere kleine Weihnachtselfe, sie liebt es zu schenken und hat immer die besten Ideen“, sagt ihr Vater. Die Familie ist dankbar dafür, dass sie sich dazu entschieden hat, im Laufe der Jahre so viele fremde Kulturen und liebe Menschen kennenzulernen, es hat ihr Leben sehr bereichert: „Für uns ist das jedes Jahr wieder ein Weihnachtsgeschenk, wir haben so viel dadurch gewonnen“, betonen beide.

Zudem haben sie jetzt Freunde überall auf der Welt, die sie auch schon besucht haben – wer könne das schon von sich behaupten: „Zu Weihnachten ist es allerdings etwas schwer, durch die Zeitverschiebung sind wir fast rund um die Uhr damit beschäftigt, Weihnachtsgrüße zu verschicken“, lacht Ralf Ellersdorfer. Der Heilige Abend gehört aber trotzdem ausschließlich dem engsten Familienkreis: „Da wollen wir nichts sehen und nichts hören, da wollen wir die Familienzeit einfach nur genießen“, sagt die Frau des Hauses.

Spanisch ist bei Familie Ellersdorfer nicht nur das Schild mit der Hausnummer. Spanisch wird derzeit auch viel gesprochen. Foto: Daniel Bonenberger

In diesem Jahr wird es wohl ein Weihnachtsfest mit Racelette geben, denn da die Tochter Vegetarierin ist und der Vater ausschließlich Fisch isst, kann nur so jeder Essenswunsch erfüllt werden. Mehr Wert legt die Familie aber auf die Adventszeit, die sei weniger hektisch, viel besinnlicher und nicht so schnell vorbei. Man darf gespannt sein, welchen Teil der Welt sich die Familie zum Weihnachtsfest im nächsten Jahr ins Haus holt!

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