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Wenn Kröten auf Wanderschaft gehen

Als Krötenlotsen in Rehlingen-Siersburg im Einsatz: Iris Mechenbier-Münz, Waldemar Kiefer und Simon Kastler (v. l.). Foto: Lara Kühn
Als Krötenlotsen in Rehlingen-Siersburg im Einsatz: Iris Mechenbier-Münz, Waldemar Kiefer und Simon Kastler (v. l.). Foto: Lara Kühn FOTO: Lara Kühn
Rehlingen-Siersburg. Frühlingszeit ist für Kröten, Frösche und Molche Wanderzeit. Sie machen sich auf die Reise zu ihren Laichgewässern – auch Straßen müssen überquert werden. Iris Mechenbier-Münz ist in der Gemeinde Rehlingen-Siersburg für eine sichere Wanderung der Amphibien zuständig und erklärt SZ-Mitarbeiterin Lara Kühn, warum sie in den vergangenen Wochen einen Hilfeaufruf gestartet hat.

Frau Mechenbier-Münz, wann und warum genau beginnen die Amphibien ihre Wanderung?

Mechenbier-Münz: Regnerisches Wetter, die einsetzende Dämmerung und Temperaturen von mehr als fünf Grad lösen bei den Tieren instinktiv die Wanderung zu ihren Laichquartieren aus. Das hat für sie oft tödliche Folgen. Einige Straßen durchschneiden die natürlichen Lebensräume der Tiere. Insbesondere die Erdkröten sind dabei gefährdet, denn sie wandern sehr langsam. Für die Überquerung einer sieben Meter breiten Straße brauchen sie zum Teil 15 bis 20 Minuten.

Was kann getan werden, um die Tiere zu schützen?

Mechenbier-Münz: Am wirkungsvollsten ist die Sperrung die komplette Sperrung eines Straßenabschnitts während der Laichwanderung. Außerdem werden die Tiere durch aufgestellte Fangzäune vor einer Straßenüberquerung zurückgehalten. Die Kröten bewegen sich dann entlang des Zaunes, bis sie in Eimer fallen, die in bestimmten Abständen hinter dem Zaun in der Erde eingegraben sind. Dieses Jahr befinden sich in Rehlingen-Siersburg Zäune an der bekannten Krötenstraße, der L 120, entlang des Mitfahrerparkplatzes und an der Zufahrt zur Heßmühle. Außerdem sind welche in der Höhe des Weihers in Oberesch und in Fremersdorf im Bereich der Niedmündung installiert worden.

Und wobei genau wird Hilfe benötigt?

Mechenbier-Münz: Morgens und abends müssen die Tiere aus den Eimern entnommen, auf der anderen Straßenseite wieder ausgesetzt und statistisch erfasst werden. Die ganze Aktion geht über mehrere Wochen, das heißt, die Zäune müssen jeden Tag, auch am Wochenende und feiertags, kontrolliert und betreut werden. Im Schnitt werden jedes Jahr um die 6000 bis 8000 Kröten gesammelt und wieder ausgesetzt. Hierfür ist es immer gut, wenn man viele Leute hat, auf die man zurückgreifen kann, um sozusagen die Last auf mehreren Schultern zu verteilen. Auf unseren Hilfeaufruf im Gemeindeblatt haben sich viele engagierte Tierfreunde gemeldet, sodass wir für dieses Jahr jetzt gut aufgestellt sind.