Verein Lucas Bewegung in Rehlingen gegründet

Kostenpflichtiger Inhalt: „Lucas Bewegung“ : Neuer Verein hilft verletzten Sportlern

92 Mitglieder machten am Montag aus einer beein­druckenden Aktion einen Verein mit dem Namen „Lucas Bewegung“. Vor­sitzender ist Luca Biwer.

Das Leben kann auch mal grausam sein. Dann braucht es hilfsbereite Menschen, um wieder in den Alltag zurück zu kommen. Diese Erfahrung machte Luca Biwer Mitte 2017, als ihn ein Sturz beim Training in den Rollstuhl brachte. Was er danach an Hilfsbereitschaft erfahren hatte, soll nun mit einem neuen Verein auch anderen zugute kommen (die SZ berichtete).

Die Gründung war am Montag im Haus der Leichtathletik in Rehlingen. Schon kurz nach Lucas Unfall war in Rehlingen die Aktion „Bewegung für Luca“ angelaufen. Maßgebliche Akteure waren der Verein „Bike-Aid“, der LC Rehlingen und die Radsportler der „Nippelspanner“, in denen Luca engagiert war. In kurzer Zeit halfen wildfremde Menschen im Saarland mit Aktionen und Spenden. Denn damit Luca wieder am Leben teilnehmen konnte, war viel Geld notwendig. Beispielsweise für den Umbau im Elternhaus und für die Pflege rund um die Uhr. Nach mehr als einem Jahr Krankenhaus meistert er wieder seinen Alltag. Trotz des harten Schicksalsschlages hat er eine Lehre zum Industriemechaniker abgeschlossen. Dazu kommt aktuell ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens im dualen Studium in Verbindung mit einer Anstellung bei der Dillinger Hütte.

Spenden anzunehmen war nie so sein Ding, sagte Biwer. Aber die Entwicklung der vergangenen zwei Jahre „wäre ohne die großartige Unterstützung nicht möglich gewesen“. Deshalb kam schon früh die Idee auf, aus der Hilfsbewegung, die nur für ihn angelaufen war, eine Hilfe auch für andere verletzte Sportler zu machen.

Derzeit gibt es mit Biwer etwa eine Handvoll Sportler im Saarland, sagte Thomas Klein, die schwere Verletzungen erlitten haben. Einer von ihnen war am Montag in Rehlingen, der in Saarbrücken lebende Fußballer Stefan Schmidt. 2017 spielte er in der Kreisliga A, wurde gefoult und brach sich Schien- und Wadenbein. Doch statt zu verheilen, wurde der Bruch zu einem Problem, das zur Amputation des Unterschenkels führte. „Wie geht es weiter?“, sei immer die Frage, sagte Schmidt. Und man stehe vor vielen Unklarheiten, was Reha angehe, die rechtlichen Dinge und Versicherung. „Da kann so ein Verein wirklich helfen.“ Dazu müssten Netzwerke aufgebaut werden, damit diese Hilfe auch selbstverständlich wird. „Gehen wir heute den ersten Schritt.“

„Toi, toi, toi“, wünschte Kira Grünberg aus Österreich per Video. Die ehemalige Stabhochspringerin ist seit einem Trainingsunfall querschnittgelähmt.

Mit diesen Schicksalen im Blick machten am Montag 92 Mitglieder aus der Aktion „Bewegung für Luca“ den Verein „Lucas Bewegung“. Geschlossen wählten sie Biwer zum ersten Vorsitzenden und Thomas Klein sowie Annerose Kiesel zu Stellvertretern. Schatzmeisterin ist Jaqueline Klein, Schriftführerin Iris Schütz, Orgaleiter Werner Klein. Für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Lara Kiesel verantwortlich. Beisitzer wurden Claudia Gorny und Hans-Jürgen Biwer, Kassenprüfer Conny Bauer und Matthias Schuhmacher.

Der Mitgliedsbeitrag wurde mit 18 Euro pro Jahr beschlossen. Das werde nicht reichen für die Arbeit des Vereins, sagte Thomas Klein. „Deshalb sind wir weiterhin auf Spenden und Aktionen angewiesen.“

„Ich habe lange verhandelt, dass der Name aus dem Verein rauskommt“, sagte Biwer schmunzelnd, „aber keine Chance“. Jeder könne nun mitmachen, auch mit Ideen und Vorschlägen. „Je mehr Ideen reinkommen, um so mehr kommt auch raus.“ Auf die Frage, wie er das alles stemmen wolle, antwortete er lächelnd: „Wir lassen uns nicht unterkriegen.“ Womöglich im August 2020 soll es wieder eine große Benefizveranstaltung im Rehlinger Stadion geben, teilte Thomas Klein mit. Es seien auch öffentlichkeitswirksame Themen in Vorbereitung. Dann müsse sich in der Praxis zeigen, was alles der Verein letztlich stemmen könne.

Weitere Infos soll in Kürze auch eine neue Internetseite geben.

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