Verantwortung für Menschenleben

Im Oktober war der 36-Jährige in Köln, um seine Stammzellen zu spenden. Diese gehen an einen Mann aus Österreich. Ob die Spende funktioniert hat, erfährt Mathis erst 2015 – aber eines weiß er jetzt schon: Er würde jederzeit wieder helfen.

"Wenn man jemandem helfen kann, tut man es einfach", sagt Oliver Mathis. Und der 36-jährige Hemmersdorfer wollte jemandem helfen. Deshalb hat er sich im Januar bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren lassen. Zur Aufnahme in die Datei musste er zunächst einen Wangenabstrich einsenden, später forderte die DKMS Blutproben an - erst eine, dann drei. "Im Juli war dann klar, dass ich für jemanden infrage komme", erzählt er.

Untersuchung in Köln

Es folgten weitere Tests, Mathis war bald für den gefundenen Empfänger reserviert. Anfang Oktober einige Telefonate, und "dann ging es richtig schnell. Ich habe Bahntickets und die Reservierung für ein Hotel bekommen, und am 7. Oktober ging es los" - nach Köln . Dort wurden in einer ersten Etappe Voruntersuchungen durchgeführt, "EKG, Ultraschall und noch mal Blutentnahmen, diesmal zirka 15 Röhrchen", erinnert er sich. Nach Fragebogen und ärztlichem Gespräch ging es erst mal wieder nach Hause - mit Spritzen und einem Spritzplan im Gepäck.

Die eigentliche Spende war für den 22. Oktober festgesetzt, fünf Tage zuvor musste Mathis beginnen, sich selbst ein Mittel zu injizieren, das die Stammzellen aktiviert. "Davon bekam ich Gliederschmerzen", erinnert er sich, "aber die waren auszuhalten". Einen Tag vor dem Entnahmetermin fuhr er wieder nach Köln .

"Als der Tag kam, war ich aufgeregt", erzählt er, "es waren sechs Personen da, und um 7.45 Uhr ging es los". Mathis und die anderen wurden an einen Zellseparator angeschlossen. "Erst bekommt man eine Nadel in die linke Vene, dann eine Spritze und einen kleinen Schlauch auf der rechten Seite", erklärt Oliver Mathis. Dann beginnt die Prozedur - etwa vier Stunden hat sie in seinem Falle gedauert. "In der Zeit bewegt man sich überhaupt nicht, man will ja nichts falsch machen."

Nachwirkungen spürte Mathis zunächst keine. "Als alles fertig war, habe ich mich im Warteraum mit jemandem aus Hamburg und jemandem aus Minden unterhalten. Wir sind dann ein Kölsch trinken gegangen, haben aber nicht lange gemacht: Denn dann kam die Müdigkeit." Den Rest des Tages hat er im Hotel verschlafen, "es war ziemlich stramm - man trägt eine große Verantwortung für ein Menschenleben, das muss man erst mal verarbeiten".

Dass er diese Verantwortung übernimmt, war für Mathis nie eine Frage. "Mein Bruder ist 2009 an einem Gehirntumor gestorben", erzählt er, "da konnte man nicht helfen". In der Stammzellenspende sah Mathis für sich die Möglichkeit eines persönlichen Einsatzes für einen anderen Menschen. Dieser Einsatz kommt nun einem Mann in Österreich zugute. Anfang des kommenden Jahres bekommt Mathis eine Rückmeldung, ob alles funktioniert hat. Falls es notwendig wäre, würde er auch ein weiteres Mal für seinen "genetischen Zwilling" spenden: "Ich hoffe, dass derjenige eine zweite Chance bekommt."

Zum Thema:

Auf einen BlickEine Registrierung als Stammzellenspender ist über eine Aktion vor Ort oder auch jederzeit von Zuhause aus möglich. Mit einem entsprechenden Set wird ein Wangenabstrich vorgenommen und an die DKMS gesendet. Diese trägt alle Kosten, Geldspenden sind möglich. bschdkms.de