Unser Dorf hat Zukunft : Oberesch macht sich fein für Dorfwettbewerb

Ortsvorsteher Engel und Landrat Lauer waren mit der Jury auf dem Trecker unterwegs, um Oberesch von seiner besten Seite zu präsentieren.

Noch ein paar Tage dauert die Ungewissheit auch für Oberesch. Denn erst am Freitag, 7. September, steht fest, wer auf Landesebene Sieger bei „Unser Dorf hat Zukunft“ wurde. Und wer dann das Saarland auf Bundesebene vertritt. Am vergangenen Freitag war erster Bereisungstag durch die 21-köpfige Jury. Drei Orte von insgesamt sechs standen auf dem Fahrplan, der letzte davon war Oberesch. Um 16 Uhr sollte es losgehen, doch die Jury kam etwa eine halbe Stunde später an. Da stand am Ortseingang aus Richtung Gerlfangen alles bereit für die 120-minütige Tour.

Auf einem rund sieben Meter langen Traktoranhänger standen vier hölzerne Saargau-Bänke für die Jury. Dazu gesellten sich Landrat Patrik Lauer und der stellvertretende Bürgermeister, Joshua Pawlak. Am Traktor und rund sieben Meter langem Anhänger stand guter Dinge der Fahrer, Michael Senf. Auf der 3,7 Kilometer langen Strecke „gibt es keine Probleme, das haben wir zweimal getestet. Da ist alles zurecht geschnitten und passend gemacht“. Überwiegend im Schritttempo rollte der Wagen voran. Durch den historischen Kern von Oberesch, durchs Neubaugebiet im Altenwingert sowie über Feldwege zum Weiher im Nordwesten des Ortes. Und überall waren Menschen, als sei am Freitagnachmittag schon Wochenende. Bereits weit vor Eintreffen der Jury saßen sie bei Kaffee und Kuchen in bäuerlichen Vorgärten.

Am 1865 errichteten Dorfbrunnen warteten die Brunnenpaten, in der Nähe bevölkerten Kinder den großzügigen Spielplatz. Die am Weitesten angereiste Einwohnerin „kommt von San Francisco“, sagte Ortsvorsteher und Moderator Michael Engel, „9087 Kilometer weit“. Am Eschbachweiher hielten Mitglieder des Angelsportvereins Forellenschnittchen bereit. „Selbst gefangen, selbst filetiert und geräuchert“, sagten sie. In der Antoniusstraße passten Hufschmied Christopher Weber und Ehefrau Annika einem Pferd ein glühendes Hufeisen an. Der Fanfarenzug empfing die Jury musikalisch am Straßenrand in der Kirchstraße. Der Singkreis stimmte in der Antonius-Kapelle von 1831 Lieder an, und am Freundschaftsplatz warteten Vertreter aus dem französischen Patendorf Schwerdorff.

Idyllisch präsentierten sich die Oberescher. Die Atmosphäre erinnerte ein wenig an die „Gute alte Zeit“, aber die Zukunft ist inzwischen auch auf dem Nordgau angekommen. Am Freitag stand Telekom-Regionalmanager Bruno Stolz an der Ecke zu „Am Hanfgarten“ neben einem Verteiler. Er schaltete den Testbetrieb frei. „Ab Montag in acht Tagen haben sie hier bis 100 MB, perspektivisch bis 250 MB.“

Ein lebendiges und hoch motiviertes Dorf erlebten die 21 Jury-Mitglieder. Und wie sich Oberesch zwei Stunden lang präsentierte, machte Eindruck. „Es war eine solche Vielfalt an Eindrücken“, sagte Thomas Groß, einer der beiden Jury-Vorsitzenden, „dass man einen Bewertungspunkt gar nicht zu Ende denken konnte, dann kam schon der nächste Höhepunkt.“ Und das habe ein Dorf mit nur 320 Einwohnern auf die Beine gestellt.

Vorbei an Boulespielern und einem gut besuchten Dorfmarkt führte Michael Engel die Jury ins Dorfgemeinschaftshaus. Das wurde in Eigeninitiative eingerichtet, betonte er im voll besetzten Innern. Zwei Filme vermittelten dort nochmal prägnante Eindrücke, darunter auch Luftaufnahmen von Oberesch.

Die Aktivitäten seien nicht nur für den Wettbewerb, machte Engel deutlich. „Wir machen das als Oberescher für Oberesch.“ Aber der Blick endet  nicht am Ortsschild. Es gebe beispielsweise Gespräche mit umliegenden Dörfern, um die Interessen gemeinsam in Siersburg zu vertreten.

Internationale Kontakte knüpfte das Dorf im Sommer. Dabei hatte ein Workcamp junge Leute, unter anderen aus Griechenland, Russland und Mexiko, in den Ort gebracht. Hinter allem steckt eine lebendige Dorfgemeinschaft.

Zwischenstopp am Platz der Freundschaft in Oberesch mit Freunden aus Schwerdorff.  Foto: Johannes A. Bodwing

Unter anderen mit 15 aktiven Vereinen, 14 aktiven Dorfpaten und einer emsigen Bürgerwerkstatt. Am Freitag wird Ortsvorsteher Engel in Saarbrücken dabei sein, wenn die Jury die Sieger verkündet.