Straße frei für liebestolle Kröten

Foto: Rolf KleinWallerfangen. Kommen nach den Bodenfrösten die ersten lauen Frühlingsnächte, graben sie sich aus ihrem Winterquartier und hüpfen los zum Laichgebiet. In den Rehlinger Angelweiher oder den Saaraltarm. Aber auf Paarung programmiert, schauen Erdkröten, Grasfrösche und Bergmolche weder links noch rechts nach Autos, wenn sie über die L 170 hüpfen

Foto: Rolf KleinWallerfangen. Kommen nach den Bodenfrösten die ersten lauen Frühlingsnächte, graben sie sich aus ihrem Winterquartier und hüpfen los zum Laichgebiet. In den Rehlinger Angelweiher oder den Saaraltarm. Aber auf Paarung programmiert, schauen Erdkröten, Grasfrösche und Bergmolche weder links noch rechts nach Autos, wenn sie über die L 170 hüpfen. Vor allem wegen der großen Population der Erdkröten ist die Straße im Bereich zwischen der Konrad-Adenauer-Brücke und der Querspange Rehlingen gesperrt. Zumal es ohne großen Umweg eine Ausweichmöglichkeit über die A 8 gibt.

"Die Erdkröten überqueren diese Straße fast flächendeckend. Man schafft es ehrenamtlich nicht, die Tiere einzusammeln", sagt Rolf Klein vom Naturschutzbund. Er schätzt die Zahl der Tiere, die hier wandern, auf mehrere Tausend. Erdkröte, Grasfrosch und Bergmolch, die die L 170 am meisten überqueren, sind in Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung als besonders geschützte Arten gelistet. Klein sorgt sich seit 13 Jahren um die Sicherheit der hiesigen Lurche und weiß, dass manche Erdkröten zum Überqueren einer Straße bis zu 30 Minuten brauchen. Das liegt aber nicht nur daran, dass sich die dämmerungsaktiven Tiere langsam fortbewegen. Es sind vor allem die Erdkrötenmännchen, die in den Asphaltspuren einen Vorzug gefunden haben: "Die Männchen bleiben gerne auf der Straße sitzen, um sich einen Überblick über geeignete Weibchen zu verschaffen, denn da sind keine störenden Grashalme im Weg". Da die Kröten, nach Feuchtigkeit, warme Nächte am meisten mögen, rechnet Klein damit, dass die Wanderung in dieser und der nächsten Woche richtig anfangen wird. Je nach Witterung könnte die Krötenwanderung bis Ende April dauern und die Straße bis dahin gesperrt bleiben.

Die alljährliche Straßensperrung macht aber nicht nur das Leben der Kröten sicherer, sondern auch das der Menschen. Stefan Bauer, Leiter der Straßenverkehrsbehörde Saarlouis, erklärt: "Das ist eine kurvenreiche Strecke, dort die Tierschützer die Kröten sammeln zu lassen, ist gefährlich". Außerdem sei es - bevor angefangen wurde, die Straße während der Krötenwanderung regelmäßig zu sperren - in dieser Zeit schon zu leichten Unfällen gekommen: "Wenn viele Kröten überfahren werden, besteht wegen der glitschigen Kadaver auf der Straße Schleudergefahr", sagt Bauer. Die L 170 sei die einzige Straße im Landkreis, die wegen der Krötenwanderung gesperrt wird.

Meinung

Langsamer auf den Landstraßen

Von SZ-RedakteurinSophia Schülke

Wenn eine Krötenwanderung sehr groß ist und flächendeckend eine Straße beansprucht, ist es sinnvoll diese Straße zu sperren. Erst recht, wenn es eine Ausweichmöglichkeit für den Verkehr über eine nahegelegene Autobahn gibt. Sicherer für Lurche und Menschen.

Aber viele andere Straßen sind nicht gesperrt oder haben noch keinen Krötenschutzzaun bekommen. Daher sind freiwillig Tempo 30 auf Straßen in Gewässernähe eine gute Wahl. So wird auch kein Lurch durch Strömungsdruck getötet. Und der Bremsweg ist kürzer. Etwa, wenn vor dem Scheinwerfer ein Tierliebhaber auftaucht. Freudestrahlend, mit einer Kröte in der Hand. Aber blitzschnell aus der Hocke hochschießend.

Hintergrund

Tot durch Druck: Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes müssen Amphibien gar nicht überfahren werden, allein der Strömungsdruck der Autos kann sie töten: Die Druckverteilung zwischen dem Überdruck, der ein paar Zentimeter vor der Stoßstange am größten ist, und dem Unterdruck unter dem Auto, fügt den Tieren innere Verletzungen zu. Je größer die Geschwindigkeit der Autos, desto stärker der Druck. Der Tierschutzbund empfiehlt Autofahrern, in den entsprechenden Bereichen Tempo 30 zu fahren. sop