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Stöberjagd auf Schwarzwild, Rehe und Füchse im Revier Gut Hessmühle

Stöberjagd : Im Fokus stehen Schwarzwild und Rehe

Im rund 400 Hektar großen Waldrevier „Gut Hessmühle“ bei Siersburg treten auf Einladung von Michael Klein 60 Jägerinnen und Jäger sowie 44 Jagdhunde mit ihren Führern zur Stöberjagd auf Schwarzwild, Rehe und Füchse an.

Ich lasse erstmals die Büchse im Gewehrschrank und hefte mich an die Seite von Umweltminister Reinhold Jost, um mit ihm als Treiber das Wild „auf die Läufe zu bringen“. Treffpunkt ist die „Hotellerie Waldesruh“ in Oberlimberg, wo der Jagdherr nach Jagdscheinkontrolle und Gruppeneinteilung zunächst freigibt, was nach seinen Plänen in die Zielfernrohre seiner Jagdgäste geraten soll. Im Fokus sollen Schwarzwild und Rehe stehen – Schwarzwild vor allem aus berechtigter Sorge vor der im nahen Belgien bereits ausgebrochenen hoch ansteckenden Afrikanischen Schweinepest. Dass diesmal auch dem Fuchs nachgestellt werden soll, begründet Klein mit der Zugehörigkeit seines Reviers zum von Jägern initiierten Projekt „Artenreiche Kulturlandschaft Saarlouis“.

Bevor es dann per Auto mitten ins Revier geht, bekommen alle Jagdteilnehmer noch Karten in die Hand gedrückt, denen Jäger und Hundeführer sieben genau definierte Rettungspunkte entnehmen können, von wo aus von wehrhaften Wildschweinen verletzte Hunde auf schnellstem Weg tierärztlich versorgt werden können. Eine Vorsorge, die sich später als überaus sinnvoll herausstellen sollte: Immerhin werden bei dieser Stöberjagd zwei Hunde von Sauen so verletzt, dass ihre Fleischwunden von Veterinären genäht werden mussten. Vor Jagdbeginn sieht der Jagdherr auch seinen bewaffneten Gästen noch einmal bei verschiedenen Sicherheitsaspekten tief in die Augen: „Und denken Sie daran, die heute vorhandenen Nebelbänke bieten keinen sicheren Kugelfang.“

Mit Autos werden die Hundeführer, ihre Vierbeiner sowie der Minister und ich dann mitten ins Revier gefahren. Angesichts der noch mit Motorkraft zu bewältigenden steilen Hänge wachsen bei mir insgeheim erste Bedenken, ob meine Teilnahme so eine gute Idee war. Während die Waidmänner und -frauen sich bequem und erwartungsfroh an ihren Ständen einrichten, legen die Hundeführer ihren Jagdhelfern Schutzwesten und kleine Sender an, mit deren Hilfe sie jederzeit auf einer Art Handy lokalisiert werden können. Dann geht’s endlich los.

Oben in der Höhe stapfen wir noch durch graue Nebelschwaden, die bei anhaltendem Frost die Zweige der Bäume überzuckern. Schon bevor die Terrier von der Leine gelassen werden, krachen erste Schüsse. Aufatmend registriere ich den freundlichen Hinweis, dass der Minister und ich den Hunden nicht durch die dichtesten Walddickungen folgen müssen. Aber steile Abhänge sollen’s schon sein. Und dann das: Mit einem lauten „hopp-hopp“ auf den Lippen rutsche ich prompt aus und rolle zwei, drei Meter in die Tiefe. Nichts passiert zum Glück. Aber der künstlerische Wert meines Abgangs wird wenig später von einer jungen Hundeführerin um Längen übertroffen: Die wird von einer wild gewordenen Sau angegriffen, sucht elfengleich mit raumgreifenden Schritten das Weite – und entkommt erfolgreich. Der Applaus der Umstehenden ist ihr natürlich sicher.

Langweilig wird es bei dieser Stöberjagd nun wahrlich nicht. Überall geben hektische Hunde Laut, hallen Schüsse durch den nebeligen, regentriefenden Wald und gelegentlich flitzen vor uns Wildscheine und Rehe vorbei. Angesichts meiner eher durchwachsenen eigenen Fitness staune ich nicht schlecht über die Gewandtheit von Reinhold Jost, der mir sogar nach meinem plumpen Sturz seinen Stock reicht: Der ist richtig gut zu Fuß. Ohne eigenen Jagdschein versichert er: „Ich bin wirklich von der Sinnhaftigkeit solcher nachhaltigen Jagden als aktiver Naturschutz überzeugt und freue mich, als Treiber insbesondere in einem so traumhaften Mischwald wie hier gelegentlich daran teilnehmen zu können.“

Der Terminkalender des Ministers zwingt ihn später allerdings, die Jagdgesellschaft noch vor dem Streckelegen zu verlassen. Ich kann mir dagegen in Ruhe anschauen, wie nach der Stöberjagd vor Gut Hessmühle nach und nach das erlegte Wild herangeschafft und vorbildlich versorgt wird. Und als Jagdherr Klein schließlich von Hornbläsern die stolze Strecke (19 Sauen und 13 Rehe) brauchtumsgerecht verblasen lässt und die glücklichen Erleger auszeichnet, steht dem anschließenden geselligen Schüsseltreiben nichts mehr im Wege.

 Umweltminister Reinhold Jost zeigt es symbolisch an, was er gesehen hat: „So ein großes Wildschwein ist hier gerade vorbeigerannt.“
Umweltminister Reinhold Jost zeigt es symbolisch an, was er gesehen hat: „So ein großes Wildschwein ist hier gerade vorbeigerannt.“ Foto: a-n
 Mit diesem kleinen Gerät kann die Hundeführerin jederzeit erkennen, wo ihr vierbeiniger Helfer gerade dem Wild nachstellt.
Mit diesem kleinen Gerät kann die Hundeführerin jederzeit erkennen, wo ihr vierbeiniger Helfer gerade dem Wild nachstellt. Foto: a-n

Auf der Heimfahrt nach Weiskirchen lasse ich in Gedanken gerne noch mal einen spannenden Jagdtag Revue passieren – und freue mich schon auf den Muskelkater am kommenden Morgen.