| 21:12 Uhr

Weihnachtsbräuche
Nachts, mit Plastikbaum oder gar doppelt

Aus aller Welt in die deutsche Weihnachtsbäckerei: Die Gastschüler Miwa Obata (von links), Franco Muños Ceballos, Camila Nunez und Anano Gzirischvili versuchen sich im Dorfgemeinschaftshaus Niedaltdorf an Engelsaugen und weiteren traditionellen Plätzchen.
Aus aller Welt in die deutsche Weihnachtsbäckerei: Die Gastschüler Miwa Obata (von links), Franco Muños Ceballos, Camila Nunez und Anano Gzirischvili versuchen sich im Dorfgemeinschaftshaus Niedaltdorf an Engelsaugen und weiteren traditionellen Plätzchen. FOTO: Thomas Seeber
Niedaltdorf. So feiert man Weihnachten in Mexiko, Japan, Ecuador, Georgien: Vier Gastschüler im Saarland erzählen. Von Nicole Bastong

Glühwein, Lebkuchen, Makronen und Ausstecherle, Adventskranz und drei volle Feiertage — für Franco aus Mexiko, Camila aus Ecuador, Miwa aus Japan und Anano aus Georgien sind diese deutschen Weihnachtstraditionen völlig unbekannt. Die Gastschüler aus vier Ländern, die Weihnachten dieses Jahr im Saarland verbringen, haben sich mit ihren Gasteltern im Dorfgemeinschaftshaus Niedaltdorf getroffen, um zusammen deutsche Weihnachtsbräuche kennenzulernen, Plätzchen zu backen und aus ihren Heimatländern zu erzählen. Während im Raum der Saarlandfrauen schon fleißig Glühwein gekocht und Teig gerollt wird, erzählen sie davon:


Camila Nunez, 18 Jahre, aus Quito:



In Ecuador wird Weihnachten am 24. und 25. Dezember gefeiert. Es ist ein großes Familienfest, jeder bringt Essen mit. Als typisches Weihnachtsessen gibt es Gans. Allerdings muss man mit dem Essen und den Geschenken warten bis Mitternacht. Erst um 12 Uhr wird richtig gefeiert. Bei uns bringt Papa Noel oder bei manchen auch Santa Claus die Geschenke. An den beiden Feiertagen unternimmt man außer Essen und Familienbesuchen nicht viel.

Mit meinen Freunden feiere ich ein paar Tage früher. Wir wichteln und es gibt kleine Geschenke, Tütchen mit Gebäck zum Beispiel. Eine Spezialität ist auch ein Brot mit getrockneten Früchten. Auch einen Weihnachtsbaum haben wir, den schmücke ich sonst immer mit meinem Vater, und wir bauen eine kleine Krippe auf.

Einen Adventskalender haben wir in Ecuador nicht. Aber vor Weihnachten haben wir im Advent die „Novena“: Neun Tage lang wird aus einem kleinen Büchlein jeden Tag gebetet. Dazu trifft man sich mit der Familie, Nachbarn oder Freunden, es wird gesungen, gegessen und gefeiert.

Franco Muños Ceballos, 16 Jahre, aus Mexiko-Stadt:

Die Weihnachtsfeiertage sind der 24. und 25. Dezember. An Heiligabend gibt es bei uns immer Fisch und auch viel Süßes. Das typische Essen ist „mole“, eine Sauce mit Chili und Schokolade. Um Mitternacht wird richtig gefeiert, erst dann werden die Geschenke geöffnet. Wir wichteln meistens.

In Mexiko kommt an Weihnachten Papa Noel oder Santa Claus, aber wichtiger sind eigentlich die Heiligen Drei Könige. Am Königstag gibt es den „Rosca de Reyes“ (Königskranz“, ein süßes Brot, mit einer Figur im Teig. Wer sie findet, muss am 2. Februar, bei einem weiteren Fest, „Tamales“ (Fleischtaschen) für alle zubereiten.

Ab dem 15. Dezember beginnen die neuntägigen „Posadas“, die die Herbergssuche symbolisieren: Man lädt in sein Haus ein, es wird eine „piñata“ zerschlagen, es gibt Punsch und „Buñuelos“ (Gebäck). Einen Adventskalender oder -kranz haben wir in Mexiko nicht. Aber einen kleinen Weihnachtsmarkt gibt es in der Stadt auch.

An Weihnachten gehen viele noch in die Kirche, aber nicht alle. Einige Familien haben einen Weihnachtsbaum, unsere auch. Weihnachten ist das Familienfest, Silvester feiern wir dann mit Freunden.

Miwa Obata, 18 Jahre, Nagoya:

Sogar in Japan wird Weihnachten gefeiert, allerdings ist es kein offizieller Feiertag und auch kein religiöses Fest. Alle Familien, die ich kenne, feiern Weihnachten. Wir haben sogar einen Tannenbaum, allerdings ist der aus Plastik. Am 25. Dezember ist hier das Fest, man trifft sich mit der Familie zum Abendessen. Typisch für Weihnachten ist der „Christmas Cake“, ein Kuchen mit Sahne und Erdbeeren. Die Kinder bekommen Geschenke und man singt englische Weihnachtslieder. Auch einen Adventskalender habe ich in Japan. Und süße Plätzchen backen wir.

Das eigentliche Familienfest ist aber Neujahr, das am 1. Januar gefeiert wird. Aber ohne Feuerwerk, das gibt es erst im Sommer. An Neujahr isst man typischerweise „Mochi“, klebrige Reiskugeln.

Anano Gzirischvili, 15 Jahre, aus Tiflis:

In Georgien ist der 7. Januar der Weihnachts-Feiertag, nach dem Kalender der Georgisch-Orthodoxen Kirche. Auch der Neujahrstag ist erst am 15. Januar. Silvester feiern wir aber, wie der Rest der Welt, trotzdem am 31. Dezember. Das ist komisch, weil erst das neue Jahr beginnt und dann Weihnachten ist.

Am 24. Dezember ist eigentlich nichts, aber wir feiern Weihnachten in unserer Familie einfach zwei Mal. Am 6. Januar trifft sich die ganze Familie und isst gemeinsam um Mitternacht. Es gibt Putenbraten, Wein und Sekt, einen Tannenbaum und typische Weihnachtsspezialitäten wie „Gozinaki“, eine Speise aus Nüssen und Honig, oder „Churchxela“, eine Art aufgefädelte Wurst aus Walnüssen mit Honig. Die Geschenke bringt der „Schnee-Opa“.

Am 7. Januar, dem Feiertag, gehen wir mit der Familie auf den Weihnachtsmarkt in Tiflis, zum Eislaufen oder in einen Freizeitpark. Es gibt viel georgisches Essen und abends trifft man sich mit Freunden.