So arbeitete man früher einmal ohne Motor

So arbeitete man früher einmal ohne Motor

Keine Kabel und kein Knopf zum Einschalten: Maschinen liefen in früheren Zeiten mit der Kraft von Wasser und Wind oder der von Menschen und Tieren. Solch eine Maschine ist das nun in Betrieb genommene Göpelwerk im Heimatmuseum Hemmersdorf.

Ein seltsames Gebilde steht im Heimatmuseum Hemmersdorf . Es sieht beinahe aus wie eine auf dem Kopf stehende Wäschespinne. Obenauf befindet sich ein massiver Zahnkranz mit etwa zwei Metern Durchmesser und an die vier Zentner Gewicht. Dies ist ein Göpelwerk: eine Maschine, die früher zum Antrieb von beispielsweise Sägen, Mahlwerken und Pumpen diente, aber auch als Förderanlage in alten Bergwerken.

Antrieb von Menschenhand

Für den Antrieb liefen Menschen oder Tiere im Kreis. Diese Bewegung gab das oben liegende Zahnrad an breite Transmissionsriemen weiter. Die wiederum setzten mechanische Maschinen in Gang.

Am Sonntag wurde diese Konstruktion im Museum offiziell in Betrieb genommen. Dabei stemmte sich auch Landrat Patrik Lauer gegen dicke hölzerne Hebel, die schräg von der zentralen Hauptwelle abstehen. "Wir wissen, dass wir dieses Göpelwerk in gute Hände gegeben haben", sagte Lauer zur Entscheidung des Kreistages von März 2014. Denn bis dahin befand sich das Werk im Eigentum des Landkreises Saarlouis und war in einer Ihner Scheune zwischengelagert. Im vergangenen Herbst wurde es dort komplett zerlegt, schilderte Walter Steinhauer, Geschäftsführer des Heimatmuseum Hemmersdorf . Ein fünfköpfiges Team transportierte die Einzelteile mit dem Traktor nach Hemmersdorf . Umfangreiche Sanierungen von Holz- und Metallteilen folgten, um es wieder funktionsfähig zu machen.

Viele Helferstunden geleistet

Ursprünglich stammt dieses Göpelwerk aus Lothringen. Es könnte bis zu 200 Jahre alt sein. Im Museum soll es Besuchern vermitteln, womit früher Arbeiten bewältigt wurden, für die es heute elektrische Antriebe gibt oder Verbrennungsmotoren.

"Wir hatten lange Zeit versucht, ein Göpelwerk zu bekommen", sagte der Vorsitzende Norbert Bettinger. Aber vieles war nicht wirklich tauglich. Zahlreiche Helfer seien im Einsatz gewesen, um dieses herzurichten. "Vor allem Johannes Monter und Josef Dolibois haben es handwerklich wieder zusammengebaut." Jeder der beiden habe etwa 300 Arbeitsstunden investiert, lobte Bettinger.

Das Göpelwerk und weitere Gegenstände des früheren dörflichen Lebens befinden sich im Heimatmuseum Hemmersdorf , Zum Grafenthal 32. Geöffnet ist im Sommer jeden Sonntag von 15 bis 18 Uhr für einen Euro pro Person. Terminvereinbarungen unter Tel. (0 68 33) 13 43.

museum-hemmersdorf.de

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