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Siersburg hat sein Backhaus

In Siersburg haben sie ein komplettes Backhäuschen in Fachwerk-Technik gebaut. In Lebach haben sie Junge und Alte mit einem Begegnungsfest begeistert: zwei weitere Beispiele der "72-Stunden-Aktion" der katholischen Jugend. 25 Gruppen allein im Kreis Saarlouis waren dabei. Von Georg Schneider und Sarah Fischer (SZ)

Rehlingen-Siersburg/Lebach. "Wir sind der Hammer!" So steht es auf den T-Shirts der Christlichen Arbeiter-Jugend (CAJ) zu lesen. Dass das durchaus ernst gemeint ist, zeigen hier in Siersburg Am Kohlwald bei der Kirche seit Donnerstag 17.07 Uhr rund 30 junge Leute der CAJ Siersburg bei ihrem Projekt der 72-Stunden-Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, (BDKJ). Seitdem wissen die Jugendlichen, dass sie in drei Tagen ein Backhaus bauen sollen, in Fachwerkbauweise, wie im Mittelalter. Material dazu gibt es keins. Geld auch nicht. Für den CAJ-Vorsitzenden Markus Reiter kein Problem. "Als wir die Aufgabe erhalten haben, haben wir an der Kirche gewartet. Mit Lkw und Traktoren. Dann ging's ratz-fatz los", sagt er.



Es werden Weiden für das Fachwerk geschnitten und entlaubt. Andere ziehen in den Wald, um die passenden Bäume zu fällen. Eine große Gruppe sorgt für das Entrinden der Stämme. Da für das Haus ein Schindeldach vorgeschrieben ist, schlagen Gruppenmitglieder Schindeln aus dicken Stämmen. "Eine Mordsarbeit war das, denn wir haben 400 Stück gebraucht."

Samstagabend gibt es die große Krise am Bau. Die Dachlattung, sie hat Stunden gedauert, ist falsch. Alles muss noch mal ab. Da beginnt auch Zimmermann Seidel zu zweifeln, ob man das noch aufholen kann. Als Abhilfe wird ein zweites Gerüst aufgebaut, die Arbeit umorganisiert. Zur Krönung beginnt es auch noch zu regnen. Sonntagmorgen: Das Haus steht. Die Türen werden angepasst. Fertig. Bürgermeister Martin Silvanus: begeistert. Seit 20 Jahren wolle man in Siersburg schon so ein Backhaus bauen, zur Pflege der Tradition und der Gemeinschaft.

Bei den Jung-Maltesern



Zu selben Zeit am Sonntag im Pfarrheim in Lebach: reges Treiben. 20 Jugendliche flitzen hin und her, füllen Kaffeekannen auf, junge Männer und Frauen in Malteser-Uniformen führen die älteren Gäste zum Tisch, bringen Kaffee und Kuchen, unterhalten sich mit ihnen. Ziel: die Generationen in den Dialog zu bringen. So wurde der Nachmittag mit einer Maiandacht gestartet, bei der sowohl die klassischen Marienlieder als auch Songs der Beatles gesungen wurden - die Botschaft lautete: "Wir sind alle hier mit dem gleichen Anliegen versammelt, auch wenn wir es anders ausdrücken", sagt Gemeindereferentin Marlene Schenk. Am Nachmittag wird ein Film gezeigt, den die Jugendlichen in den vergangenen Tagen gedreht haben. Sie haben einen virtuellen Stadtplan erstellt, auf dem sie zeigen, wo sich heute Jugendliche aufhalten und wo vor fünfzig Jahren. Ältere und junge Menschen in der Gemeinde werden zu ihrer Meinung über die andere und die eigene Generation befragt - mit überraschenden Ergebnissen. So halten die Jugendlichen die ältere Generation keineswegs für starrköpfig und stur, sondern sind der Meinung, dass man "durchaus voneinander lernen kann", während fast alle befragten Älteren auch von den jungen Menschen viel halten.

"Vielleicht hinterlassen wir mit dieser Aktion nichts Sichtbares wie einen aufgeräumten Wald oder einen Spielplatz", sagt Schenk. "Aber wenn wir die Menschen selbst erreichen und es schaffen, Verständnis füreinander aufzubringen und Berührungsängste abzubauen, haben wir langfristig ebensoviel gewonnen."