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Schienenersatzverkehr der Niedtalbahn fährt ohne Wissen der Nutzer

Der Bus, von dem niemand weiß : Ersatzbus für Niedtalbahn verwundert Fahrgäste

Der Schienenersatzverkehr verkehrt wegen der Corona-Krise ohne einsehbaren Fahrplan und mit einem 400 Meter langen Fußgängerumweg.

Die Niedtalbahn kennen viele Saarländer, weil sie normalerweise einmal im Jahr zum Karfreitagsmarkt ins lothringische Bouzonville (Busendorf) fährt. Doch dieses Jahr ist wegen der Corona-Krise alles anders: Der Karfreitagsmarkt fiel aus, und auf der Niedtalstrecke Dillingen-Siersburg-Niedaltdorf verkehren seit 23. März auch keine Triebwagen-Züge mehr – für die Regionalbahnlinie RB 77 wurde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Das Kuriose dabei, so kritisiert jetzt die Bürger-Initiative Plattform Mobilität SaarLorLux: Es gibt keinen richtig beschilderten oder auf der App des SaarVV und im DB Navigator einsehbaren Fahrplan. Und am Haltepunkt Siersburg müssen die Fahrgäste laut Aushang erst mal einen 400 Meter langen Umweg zu Fuß zur Haltestelle Ortsmitte gehen.

„Dort angekommen findet sich kein Hinweis auf den Schienenersatzverkehr und auch kein Fahrplan“, beanstandet Plattform-Mobilität-Sprecher Erhard Pitzius: „In der App oder im DB Navigator wird auf den Rufbus im Saargau verwiesen, der ab Siersburg oder Gisingen die Fahrgäste nach Niedaltdorf bringen soll. Der Rufbus muss aber mindestens eine Stunde vor Abfahrt bestellt werden“. Fazit von Pitzius: „Schienenersatzverkehr besteht zwar, anscheinend auch im Stundentakt, nur niemand weiß was davon“.

Der Chef des dem saarländischen Verkehrsministerium unterstellten Zweckverbandes Personennahverkehr Saarland (ZPS), Achim Jesel, sagte dazu auf SZ-Anfrage, der ZPS werde die Vorwürfe in Abstimmung mit dem Ministerium und der Deutschen Bahn (DB) prüfen und nötigenfalls für Abhilfe sorgen. Zudem verwies er darauf, dass es auch schon vor zwei Jahren bei der großen Grippewelle auf der Niedtalbahnstrecke einen Schienenersatzverkehr gegeben habe. Hoffnungen, dass es auf der Niedtalbahnstrecke wieder Bahnzüge geben werde, wenn der Schülerverkehr wieder verstärkt einsetzt, versetzte Jesel einen Dämpfer. Ganz so schnell werde es wegen der Krankheits- und Personallage bei der Bahn vermutlich nicht gehen.

Der Grünen-Landeschef Markus Tressel sagte: „Man wird den Eindruck nicht los, dass die Niedtalbahn mal wieder aufs Abstellgleis geschoben wird.“ Saar-Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) teilte mit, sie werde sich weiter für die Strecke einsetzen. Um den Erhalt und Ausbau der Niedtalstrecke bis nach Frankreich und Luxemburg will auch die Bürger-Plattform Mobilität SaarLorLux laut Pitzius weiter kämpfen.