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Crosslauf
Drei DM-Titel und ein historischer Tag für Rehlingen

  Richard Ringer (r.) lieferte sich auf der Langstrecke einen packenden Schluss-Spurt mit Amanal Petros.
Richard Ringer (r.) lieferte sich auf der Langstrecke einen packenden Schluss-Spurt mit Amanal Petros. FOTO: Lutwin Jungmann
Rehlingen. „Wir haben drei Titel!“ Thomas Klein, der Vorsitzende des LC Rehlingen, staunte nicht schlecht, als ihm Richard Ringer bei den deutschen Cross-Meisterschaften nach dem Zehn-Kilometer-Lauf diesen Satz zurief. red

So viel Vereinsbewusstsein hatte man dem Neuling beim LCR gar nicht zugetraut. Aber Ringer sorgte an diesem denkwürdigen Tag noch öfter für Erstaunen.


Es begann Punkt 12 Uhr im Hindenburg-Park von Ingolstadt mit dem Mittelstreckenlauf über 4,1 Kilometer. Auf der Strecke mit einer Rundenlänge von einem Kilometer hatte sich Ringer mit einer ganzen Armada von Läufern der LG Regensburg auseinanderzusetzen. Allen voran der aktuelle deutsche Hallenmeister über 3000 Meter und EM-Teilnehmer Florian Orth. Es dauerte bis zur letzten Runde, dann löste sich Ringer von dem hartnäckigen Regensburger und lief noch einen Vorsprung von neun Sekunden heraus.

Knapp vier Stunden später stand der Lauf über 10,1 Kilometer auf dem Plan. Bis dahin wollte sich Ringer im Hotel etwas ausruhen. Aber das Vorhaben wurde von der NADA (Nationale Anti-Doping-Agentur) durchkreuzt. Sie bestand darauf, die Probe sofort vorzunehmen. Die geplante Erholungspause war somit dahin.



Auf der Strecke mussten die Läufer den anspruchsvollen Kurs mit vielen Steigungen und engen Kurven zehnmal bewältigen. Die schärfsten Konkurrenten kamen mit dem deutschen 10 000-Meter-Meister Amanal Petros aus Wattenscheid und mit dem Vizemeister Samuel Fitwi Sibhatou von der LG Vulkaneifel. Diese beiden machten Ringer durch hohes Tempo das Leben schwer.

 „Verdammt, es wird der dritte Platz, habe ich zwischenzeitlich gedacht“, erzählt Ringer. Aber dann musste Amanal Tempo herausnehmen. Das Finale auf der 200 Meter langen Schlussgeraden war ganz nach dem Geschmack der Zuschauer. Ein erbittertes Sprint-Duell zwischen Ringer und Petros, das erst 20 Meter vor dem Zielstrich zugunsten Ringers entschieden wurde. Nach dem Ziel fielen sich beide in die Arme. Einen Tag später flogen sie ins gemeinsame Höhen-Trainingslager nach Flagstaff (USA).

Mit seinem Doppelerfolg hat Ringer Leichtathletik-Geschichte geschrieben. Noch nie in der langen Crosslauf-Tradition seit 1961 war bei deutschen Meisterschaften einem Läufer das Double gelungen. „Ich konnte auf der Langstrecke verstehen, warum das so schwer ist“, erklärte der stolze Doppelsieger, seine Erschöpfung ignorierend. Das Rehlinger Team mit Richard Ringer (1.), Alexander Bock (20.) und Dennis Zimmer (41.) kam in der Mannschaftswertung auf den fünften Platz.

Auch für den LC Rehlingen war es ein historischer Tag. Erstmals in der Vereinsgeschichte gab es an einem Tag drei DM-Titel. Den dritten Sieg ermöglichten die jungen Damen der Klasse U 20. Miriam Marx (10.), Katrin Marx (13.) und Katharina Welker (25.) sicherten sich den Titel unerwartet vor Löningen und Mönchengladbach. Nur um wenige Sekunden schrammte Senior Jörg Dietrich an einer Medaille vorbei. In der Klasse M65 lief er über 5,1 Kilometer einen feinen vierten Platz heraus.