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Reges Tierleben im Garten auf dem Gau

Biringen. Rateaufgabe: Wie viele Vogelarten mag es wohl in einem großen Garten auf dem Gau geben? Der Ornithologe und Ortsvorsteher von Biringen, Rolf Klein, zählt sie seit eineinhalb Jahren. Johannes Werres

"Bisher sind es 66", sagt Rolf Klein, Ornithologe und Ortsvorsteher von Biringen , auf der Terrasse seines Gartens. 66, verteilt auf rund 6000 einzelne Vögel. 114 Vogelarten seien das insgesamt, wenn er die mitrechne, die den Garten nur überflogen und identifiziert werden konnten, ohne dass sie ihm ins Netz gingen. Einer, der nicht ins Netz geht, ist der schlanke Turmfalke, der gerade über Kleins Haus in Biringen fliegt.

Wenn er seine kaum sichtbaren schwarzen Netze im Garten aufspannt, schaut er jede Stunde einmal nach. Die Vögel, die er dort fangen kann, beringt er wissenschaftlich.

In der vergangenen Stunde an diesem Vormittag sind es nur vier: ein Wintergoldhähnchen, der kleinste heimische Vogel, zwei Mönchsgrasmücken und eine Klappergrasmücke. Vom Netz kommen sie in einen Beutel. Auf der Terrasse steckt Klein sie kopfüber in den Papptrichter auf einer Waage, notiert das Gewicht und ab geht's wieder in die Luft.

Was Rolf Klein in seine dicke Kladde schreibt, geht in eine ehrenamtliche wissenschaftliche Studie für die wichtigste deutsche Vogelwarte in Radolfzell am Bodensee ein. Da geht es zum Beispiel um Veränderungen bei Artenvielfalt, Flugrouten und Standorttreue. Die meisten der 66 beringten Vogelarten sind auf dem Durchflug, derzeit in die Winterquartiere. Diese kleinen Vögel fliegen vor allem nachts. Tagsüber entdeckt man sie kaum - außer im Netz. Klein kann die Erfahrung einbringen, die er beim Aufbau und Betrieb der ebenfalls ehrenamtlichen Beringungsstation in Lisdorf gewonnen hat.

Einer der Durchflieger in seinem Biringer Garten war ein Gelbbrauen-Laubsänger. Klein: "Ich habe mir schon vor zehn Jahren gewünscht, den erstmals im Saarland nachzuweisen, am liebsten im eigenen Garten . Dann hatte ich den Garten - und schon ein Jahr später den Erstnachweis". Diese Vogelart ändert seit zwei Jahrzehnten seine Routen. Das Exemplar in Biringen hatte 3500 Kilometer Flug von seinem Brutgebiet im Ural hinter und vermutlich noch 1500 Kilometer ins Winterquartier in Spanien vor sich, sagt Klein.

Der Gelbbrauen-Laubsänger peilte aus demselben Grund den Kleinschen Garten auf dem Gau an wie der Eisvogel, den der Ornithologe kürzlich hier entdeckte. Klein führt unter prächtigen Apfelbäumen hindurch in den unteren Teil des 5000-Quadratmeter-Gartens zu einem großen und mehreren kleinen Teichen. Angelegt mit Hilfe von Freunden der örtlichen Jungen Union, soll der große Teich die seltene Geburtshelferkröte zum Laichen animieren. "15 Rufer, also Kröten, die balzen, habe ich vorher in der Umgebung gehört", erinnert sich Klein.

Die im Saarland sehr seltene Krötenart, erkennbar an kurzen, Glockentönen nicht unähnlichen, wohlklingenden Rufen, braucht flache, sich rasch aufwärmende und vor allem fischfreie Gewässer . Das Männchen trägt den Laich (deswegen Geburtshelfer-Kröte), bis es ihn in so einem Gewässer ablegen kann. Sein Teich wurde im April angelegt, im August traute sich die erste Geburtshelferkröte, darin zu laichen.

In diesem Gewässer , erklärt Klein, fand auch der Eisvogel, was er suchte: Libellenlarven, zum Beispiel.

Klein lädt im Rahmen der Reihe "Lebendiger Nordgau/Lebendiges Biringen " für Sonntag, 4. Oktober, ein zum Zuschauen beim Beringen: um 9 Uhr und um 10.30 Uhr; Treffpunkt ist vor dem Anwesen Zum Tunnel 11 in Biringen .