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Bürgermeisterwahl
Die Wähler hatten viele knifflige Fragen

Volles Haus in der Niedtalhalle bei der gemeinsamen Podiumsdiskussion von SZ und SR vor der Bürgermeisterwahl in Rehlingen-Siersburg. Rund 600 Zuhörer wollten sich informieren.
Volles Haus in der Niedtalhalle bei der gemeinsamen Podiumsdiskussion von SZ und SR vor der Bürgermeisterwahl in Rehlingen-Siersburg. Rund 600 Zuhörer wollten sich informieren. FOTO: Thomas Seeber
Siersburg. Kurz vor der Bürgermeisterwahl in Rehlingen-Siersburg standen die beiden Kandidaten Rede und Antwort. Von Nicole Bastong

Wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl in Rehlingen-Siersburg sind die beiden Kandidaten Ralf Collmann (parteilos) und Johsua Pawlak (SPD) auf dem Höhepunkt ihres Wahlkampfes angelangt. Doch die zahlreichen Bürger aus den Ortsteilen der Gemeinde, die in der Niedtalhalle Siersburg am Dienstagabend die Chance nutzten, den beiden Kandidaten selbst einmal auf den Zahn zu fühlen, hatten noch einige knifflige Themen und Fragen auf Lager. Über 20 Fragen kamen über die Mikrofone aus dem Publikum, das sich rege beteiligte.


Die Situation auf den Friedhöfen, Frauenförderung und Inklusion in Grundschulen waren nur einige der Themen. So wollte etwa Jürgen Quinten aus Siersburg von Collmann wissen: „Was befähigt Sie zum Amt des Bürgermeisters?“ Neben seiner Verwaltungs- und Lebenserfahrung setze er auf seine Fähigkeiten „als Teamplayer und als Leader“, erklärte Collmann: „Mir ist es wichtig, dass alle Mitarbeiter in der Verwaltung gemeinsam arbeiten.“

Ralf Collmann
Ralf Collmann FOTO: Thomas Seeber


Er sehe den Bürgermeister nicht als Politiker, hatte Collmann zuvor erklärt. „Kann man Bürgermeister sein, ohne Politiker zu sein?“, hakte deshalb SZ-Moderator Oliver Spettel nach: „Man muss als Bürgermeister mit den politischen Gremien zusammenarbeiten“, räumte Collmann ein. Ob das ohne politische Erfahrung gehe? „Das wird man sehen.“ Aber, führte Collmann weiter aus: „Der Gemeinderat sollte für die Bürger da sein, nicht für die SPD, die CDU oder sonstwen.“ Und erntete dafür viel Applaus. Bürgernähe sei ihm wichtig: „Das heißt für mich: da sein und zuhören, im Gespräch bleiben. Ich kann nicht versprechen, dass ich Probleme lösen kann, aber ich kann es versuchen.“

Marita Hilt aus Gerlfangen wollte von Pawlak wissen, wie er das Problem des schlechten Mobilfunknetzes auf dem Nordgau lösen wolle. „Der Netzausbau muss durch Mobilfunkunternehmen stattfinden“, erklärte dieser. Doch die Unternehmen kämen ihrer Verpflichtung zum Ausbau nicht nach, „das ist ein Problem im ganzen Grenzbereich der Bundesrepublik“. Pawlak sieht „Berlin in der Pflicht“; denn: „Wir als Gemeinde haben agiert, haben sogar gemeindeeigene Flächen zur Verfügung gestellt, die Erlaubnis erteilt – es ist an den Mobilfunkunternehmen gescheitert.“ Die arbeiteten marktorientiert, für die drei großen Unternehmen, mit denen er Gespräche geführt habe, sei der Ausbau schlichtweg nicht rentabel genug. „Wir können Wirtschaftsunternehmen nichts vorschreiben.“

Joshua Pawlak
Joshua Pawlak FOTO: Thomas Seeber

Gilbert Strunk aus Rehlingen wollte von Pawlak wissen, was er davon halte, dass in vielen Kommunen die Bürgermeister 40 Jahre oder älter sind, und was er mit seiner Aussage „Ich weiß zu 100 Prozent, was mich erwartet“ meine.

Pawlak erläuterte: „Es gibt Beispiele von anderen jungen Bürgermeistern hier im Land, die eine gute Arbeit machen, ihre Kommunen streben auf, sie bringen frische Ideen und gleichzeitig wird Altes bewahrt. Ich bin der Meinung, dass nicht das Alter entscheidet, sondern die Erfahrung, die man in dem Bereich mitbringt. Deshalb gibt es bei mir nicht irgendein Wischiwaschi, sondern ich kann meine Themen festmachen und darstellen. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass ich weiß, was auf mich zukommt, genau deshalb.“

Gilbert Strunk aus Rehlingen
Gilbert Strunk aus Rehlingen FOTO: Thomas Seeber

Die Kritik an seinen jungen Jahren kennt er bereits: „Ich habe gelernt, mich durchzusetzen.“ Im Rathaus befürchte er nicht, nicht ernst genommen zu werden, sagte er auf Nachfrage von SR-Moderator Thomas Gerber: „Ich leite jeden Montag die Führungskräfterunde, ich habe bisher nicht gespürt, dass mir das dort jemand nicht zutraut, auch weil ich mich oft auch nach 23 Uhr noch in die Themen einarbeite.“ Was die Zuhörer mit kräftigem Applaus quittierten.

Einige Fragen aus dem Publikum drehten sich um eine ganzseitige Veröffentlichung von Alt-Bürgermeister Martin Silvanus im Nachrichtenblatt der Gemeinde, in der er die Wahl Pawlaks empfahl und Collmann als langjährigem Mitarbeiter „ein Zeugnis nach dem Motto: Er hat sich stets bemüht“ ausstellte, wie Gerber zusammenfasste. „Waren Sie sauer?“, wollte er von Collmann wissen. „Ich bin traurig darüber, aber nicht der Mensch, der nachtritt. Die Gedanken dazu kann sich jeder selbst machen.“

Marita Hilt aus Gerlfangen
Marita Hilt aus Gerlfangen FOTO: Thomas Seeber

Bernhard Haas aus Siersburg, Verein für Kultur und Karneval, stellte fest, dass es den kulturtreibenden Vereinen an Unterstützung fehle: „Höhere Hallenmieten, neue Verordnungen, unsägliche Gema-Gebühren – das macht bisweilen keinen Spaß mehr. Was können und wollen Sie für die Kulturvereine tun?“, wollte er von beiden wissen.

Collmann entgegnete: „Ich kann nicht pauschal sagen: Wie kann man helfen? Aber man kann sich zusammensetzen und diskutieren, welche Hilfe Sie erwarten und was wir bringen können.“ Pawlak schlug vor: „Ich sehe eine Möglichkeit darin, dass wir über den Dachverband der kulturtreibenden Vereine das Thema nochmal aufgreifen.“ Eventuell könnten Zuschüsse neu verteilt werden. Die Gemeinde biete bereits den Vereinen als Unterstützung Infoveranstaltungen an, etwa zu neuen Auflagen und Verordnungen, die von Landes- oder EU-Seite kommen. Collmann bot noch scherzhaft an, bei der nächsten Kappensitzung mit Pawlak zusammen „in die Bütt“ zu gehen. „Sie sehen ja, wir kriegen die Halle voll!“ Ein Angebot, das Pawlak als „Halb-Kölner“ sofort zusagte.

Kai Winter aus Siersburg
Kai Winter aus Siersburg FOTO: Thomas Seeber

Um Unterstützung für das Gewerbe drehten sich mehrere Fragen. Pawlak erläuterte dazu, dass im neuen Flächennutzungsplan weitere Gewerbeflächen ausgewiesen sind, die erschlossen werden sollen. „Bei den alten Gewerbegebieten müssen wir eine gute Infrastruktur schaffen“, räumte er ein, bei Internetanbindung oder Zustand der Straßen gebe es Bedarf. Für ein aktiveres Marketing von Flächen würde er einen eigenen Mitarbeiter als Ansprechpartner abstellen.

Collmann stimmte dem zu. „Ich sehe, dass die Gewerbegebiete in desolatem Zustand sind. Die Möglichkeiten der Gemeinde sind dabei gering, aber es ist dringend notwendig, dass sie modernisiert werden.“ Zudem müsse man sich darum kümmern, „dass neue dazukommen. Man soll sich um jeden Gewerbetreibenden bemühen.“

Kai Winter aus Siersburg wollte wissen, welche Pläne die Kandidaten haben, um Einheimischen bei steigenden Preisen noch eigene Immobilien zu ermöglichen. Es gebe eine große Nachfrage, die auch die Verwaltung spüre, bestätigte Pawlak, neue Bauplätze ermögliche der neue Flächennutzungsplan in allen Ortsteilen. „Jetzt schon laufen die Vorbereitungen, um im nächsten Jahr 100 Prozent dieser Flächen als Gemeinde zu kaufen, um dann selbst die Grundstücke weiterzuverkaufen zu Preisen, die finanzierbar sind.“ Collmann hingegen meinte: „Viel weiterhelfen können wir da nicht. Wenn die Gemeinde die Flächen kauft, muss sie auch viel Geld dafür bezahlen und muss das im Preis weitergeben, das wird ein Preisgerangel.“ Doch Pawlak verbesserte ihn: „In der Regel ist das Ackerland, da liegt der Einkaufspreis deutlich unter dem Preis nach der Erschließung.“

Heiner Roth aus Hemmersdorf wollte von Pawlak wissen, wie er Senioren stärken wolle. Der neue Seniorenbeirat sei ein wichtiges Instrument, um Themen an die Verwaltung heranzutragen, zählte Pawlak auf. Zudem seien Verbesserungen im ÖPNV geplant: „Im Gespräch mit der KVS haben wir vereinbart, dass ab 1. Januar 85 000 Kilometer mehr Busverkehr stattfindet, mit stärkerer Taktung, auch auf dem Nordgau, auch am Wochenende, das stärkt die Randgebiete.“ Darüber hinaus setze er sich für ein „mobiles Rathaus“ ein, das Älteren wie in anderen Kommunen ermögliche, Dienstleistungen der Verwaltung „nach Termin im Wohnzimmer“ zu erledigen.

Und nicht zuletzt hoffe er auf ein Pilotprojekt im Kreis Saarlouis, „einen Ehrenamtsbus“: Dabei würden ehrenamtliche Helfer, von der KVS geschult, einen Fahrdienst nach Bestellung organisieren. „Wir hatten sehr viele Rückmeldungen, als wir ehrenamtliche Fahrer für den Cap-Markt-Lieferservice gesucht haben, deswegen bin ich überzeugt, dass wir auch hierfür welche finden.“

Peter Schmitt aus Oberesch fragte beide: „Gibt es Überlegungen, die Löschbezirke der Feuerwehr zusammenzulegen?“ Collmann betonte: „Ich stehe für zehn Feuerwehren in zehn Ortsteilen. Auch die Ausstattung soll bestmöglich sein, das sind unsere Helden im Alltag.“ Ebenso deutlich sagte Pawlak: „Ich bin selbst seit 17 Jahren aktiv in der Feuerwehr. Ich habe mich 2014 schon klar positioniert, dass es mit mir keine Zusammenlegungen gibt, ich habe mich auch zur Ausstattung klar positioniert.“

Dann ging es an die Zahlen: Wie will man dem Haushaltsminus begegnen? Collmann musste hier passen: „Mir ist bekannt, dass es Defizite von ein bis zwei Millionen Euro pro Jahr im Haushalt gibt. Aber über den aktuellen Haushalt kann ich nichts sagen.“ Er hoffe auf einen Kommunalfond des Landes zur Entlastung. Pawlak erläuterte, man habe kein Ausgaben-, sondern ein Einnahmenproblem, und ergänzte: „Ich denke, ich spreche für alle 33 Ratsmitglieder, wenn ich sage, dass wir immer mit viel Verstand uns viele Gedanken gemacht haben und in nichts investiert haben, was unnötig ist.“

Unterschiede auch bei der Friedhofsgebühr: „Hier haben wir das Defizit gesenkt, vorher hatten wir einen Deckungsgrad von 35 Prozent, die Kommunalaufsicht hat uns die Pistole auf die Brust gesetzt, jetzt haben wir einen Deckungsgrad von 55 Prozent, gefordert sind aber 65 Prozent“, erklärte Pawlak. Man müsse eventuell umstrukturieren, Gebühren wolle er jedoch nicht weiter erhöhen. Collmann hatte sich im Wahlkampf für eine Senkung der Gebühr ausgesprochen. „Die Leute sind sehr wütend darüber, dass sie 20 Euro Gebühr zahlen, aber nicht sehen, wo das Geld hingeht.“

Was die jeweils erste Amtshandlung wäre, wollten die Moderatoren zum Schluss noch wissen. „Die Idee der Schadensmeldeapp umsetzen“, erklärte Pawlak. Und Collmann: „Die kleinen Probleme der Bürger lösen.“