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Streuobst
Gut schneiden, das hilft dem Apfelbaum

Den richtigen Baumschnitt erklärt Kreisoberbaumwart Adolf Hoen (Mitte). Links von ihm steht die Landesvorsitzende der Gartenbauvereine, Monika Lambert-Debong, rechts Wolfhard Reimringer, OGV Hemmersdorf.
Den richtigen Baumschnitt erklärt Kreisoberbaumwart Adolf Hoen (Mitte). Links von ihm steht die Landesvorsitzende der Gartenbauvereine, Monika Lambert-Debong, rechts Wolfhard Reimringer, OGV Hemmersdorf. FOTO: Ruppenthal
Hemmersdorf.. Mit einem Aktionstag wollen die Obst- und Gartenbauvereine auf die Probleme der Streuobstwiese aufmerksam machen. Von Nicole Bastong

Die Schere ansetzen und den knospenden, grünen Ast abzuschneiden kostet Überwindung. Immer wieder – bis ein großer Haufen Äste neben dem Apfelbaum liegt. Aber das hilft dem Baum, versichert Oberbaumwart Adolf Hoen, er wächst dann besser, trägt bessere Früchte. Gut ein Drittel könne man jedes Jahr aus einem Baum herausschneiden – das richtige Drittel natürlich.


Welche Äste raus müssen und welche nicht, erklärt der erfahrene Fachmann in seinen Baumwartkursen und kurz vor Ort. Knapp ein Dutzend Helfer und Neugierige, junge und ältere, sind gekommen, um beim ersten Pflegetag für Streuobstwiesen des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Hemmersdorf mitanzupacken und dabei noch etwas zu lernen. Zu diesen Aktionstagen hat der Landesverband der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz zusammen mit den Kreisverbänden aufgerufen, um auf die Problematik der verwildernden Streuobstwiesen aufmerksam zu machen, erklärt dessen Vorsitzende Monika Lambert-Debong. An diesen Pflegetagen wird mit tatkräftiger Unterstützung der Vereine, aber auch von Mitbürgern eine Streuobstwiese anschaulich gepflegt. Die Parole: Ärmel hochkrempeln und gemeinsam anpacken – auch für die kommenden Generationen.

In Hemmersdorf ist der Plan aufgegangen: Tatort ist eine Streuobstwiese nahe Fürweiler, auf einem Grundstück der Gemeinde, das der OGV Hemmersdorf gepachtet hat. Viele der rund 180 Obstbäume, überwiegend Apfelsorten, aber auch Mirabellen, Kirschen und Birnen, haben die Pflege dringend nötig: Überall breiten sich die Misteln aus. Diese Baum-Schmarotzer sind die großen Feinde der Baumwarte; sie schlagen ihre Wurzeln in die Äste und entziehen dem Baum Wasser und Nährstoffe, über kurz oder lang stirbt er ab.



Auf dem ganzen Saargau beobachten die Gartenbauer mit Sorge eine massive Zunahme des Mistelbefalls. Da hilft nur: Die Bäume gut beobachten und Misteln sofort herausschneiden, rät Oberbaumwart Hoen. Zwei Bäume sind bereits so vergreist, dass nur noch die Motorsäge helfen kann: „Die kann man nur noch großzügig absägen – wenn sie wieder austreiben, sind sie zu retten, wenn nicht, kann man der Natur überlassen“, urteilt Hoen. Aber auch sterbende Bäume seien wichtiger Bestandteil der Streuobstwiese.

Obstwiesen prägen unsere Landschaft; sie sehen aber nicht nur schön aus, sie bieten auch wichtige Lebensräume für unsere Tier- und Pflanzenwelt. Leider werden jahrzehntelang gut gepflegte Streuobstwiesen zunehmend nicht mehr bewirtschaftet, die Wiesen verbuschen und die Obstbäume vergreisen, beobachtet Lambert-Debong überall. Der Erhalt von Streuobstwiesen ist dem Landesverband ein wichtiges Anliegen, seit einiger Zeit auch dem Umweltministerien, das dies finanziell fördert. Der Verband betreibt auch eine Streubobstwiesenbörse, „aber leider ist die Nachfrage viel größer als das Angebot“, bedauert Lambert-Debong. Viele Wiesen seien in privater Hand und würden nicht angeboten, obwohl sich niemand mehr kümmere.

Anders als bei Horst Schwarz aus Hemmersdorf. Er hat eine Streuobstwiese geerbt, mit 70 Apfelbäumen: „Die wollen wir natürlich erhalten.“ Wie das geht, will er sich beim Pflegetag heute mal ansehen.

Wolfhard Reimringer, seit kurzem Vorsitzender des OGV Hemmersdorf, ist mit dem Pflegetag zufrieden: „Uns ist schon klar, dass man an einem Nachmittag nicht alle Streubobst-Probleme lösen kann, aber man muss mal einen Anfang machen.“ Sein Verein ist derzeit mit insgesamt 253 Mitgliedern gut aufgestellt, „das sind zehn Prozent der Einwohner“, hebt der 35-Jährige hervor. Dennoch stellt auch er fest, dass in der umliegenden Umgebung mehr und mehr Bäume verwildern und Streuobstwiesen verloren gehen.

Dabei ist der Aufwand überschaubar, betont Oberbaumwart Hoen: „Pro Baum kommt man mit einem Schneideaufwand von 1,5 Stunden gut aus – im Jahr!“