Orangen werden flimmernde Punkte

Griffith ist das kleine, australische Pendant zu dem spanischen Valencia - eine Stadt, die von Orangen förmlich überrollt wird. So weit das Auge reicht ziehen sich die Felder voller Obstbäume hin und in den unzähligen Hallen wird momentan eifrig für den Export der Früchte nach Übersee gearbeitet.Zum Glück verdienen auch Larissa und ich einige Dollar an diesem Prozess

Griffith ist das kleine, australische Pendant zu dem spanischen Valencia - eine Stadt, die von Orangen förmlich überrollt wird. So weit das Auge reicht ziehen sich die Felder voller Obstbäume hin und in den unzähligen Hallen wird momentan eifrig für den Export der Früchte nach Übersee gearbeitet.Zum Glück verdienen auch Larissa und ich einige Dollar an diesem Prozess. Das Geld hat allerdings auch seinen Preis. Nach elf Stunden sehen wir anstelle von Orangen in dem Kunstlicht der Fabriken nur noch flimmernde Punkte, die wir sortieren oder in Kisten verpacken müssen. Bis fünf zu zählen erscheint am Ende der Schicht wie eine große Herausforderung und das endlose Fließband kennt keine Gnade.

Traurig ist, welche Unmengen von Früchten wir dabei wegwerfen müssen. Tonnen von Orangen landen nur wegen einer Fehlzeichnung auf der Schale oder einer kleinen weichen Stelle im Müll. Wir Arbeiter essen sie kiloweise, aber das ändert auch nichts an der maßlosen Verschwendung von Lebensmitteln in unserer Wegwerfgesellschaft. Ich wünschte oft, ich könnte all das angeblich schlechte Essen an mein ehemaliges Kinderprojekt in Bolivien weitergeben.

Carmen Altmeyer aus Siersburg (Foto: Jenal) ist erst 18 Jahre alt und schon eine Weltenbummlerin. Gerade aus Bolivien zurück, packte sie Ende Februar ihre Sachen für Australien. Am 1. März flog sie ans andere Ende der Welt, wo sie ein halbes Jahr lebt und arbeitet. Wie es ihr dort ergeht, schreibt Sie der Saarbrücker Zeitung in vielen E-Mails. Heute erzählt sie von ihrer Arbeit in Griffith.