Oberesch: Landessieger bei "Unser Dorf hat Zukunft"

Oberesch ist Landessieger : Dutzende jubeln nachts auf dem Trecker

Goldmedaille für Oberesch bei Landeswettbewerb von „Unser Dorf hat Zukunft“ - Jury beeindruckt von Wir-Gefühl.

Einige Zeit herrschte Ratlosigkeit am späteren Freitagabend vor dem Jugendzentrum in Oberesch. Um die 50 Einwohner hatten sich dort versammelt, während im Umweltministerium in Saarbrücken eine Jury über das Ergebnis von „Unser Dorf hat Zukunft“ beriet. Die früheste Meldung über einen ersten Platz für Oberesch kam per Smartphone. Allerdings in der Art: Der hat‘s aus den Nachrichten. Das genügte den Meisten nicht, die seit etwa 19 Uhr in Wartestellung waren. Sie wollten eine verlässliche Aussage, doch die ließ noch geraume Zeit auf sich warten. Per Textnachricht hieß es schließlich in zunehmender Nacht: „Golddorf Oberesch.“

Danach gab es nur noch strahlende Gesichter bei Jung und Alt. „Mir senn all bennebraht“, sagte Marlene Lauer. Bennebraht bedeute soviel wie außer sich sein. Und nächstes Jahr geht das Golddorf sogar nach Berlin, zum Empfang mit dem Bundespräsidenten und auf die „Grüne Woche“. Dabei hatten die Oberescher eine frühere Teilnahme an „Unser Dorf hat Zukunft“ erst einmal abgelehnt. Sie fühlten sich einfach noch nicht reif dafür. Dann meldeten sie sich für den 26. Bundeswettbewerb, bei dem sie 2017 Sieger auf Kreisebene wurden, bei drei teilnehmenden Dörfern. Nun stand der kleine Ort im Wettbewerb mit fünf weiteren Kreissiegern im Saarland. Und wieder gab es den ersten Platz für Oberesch.

„Jetzt geht das nochmal weiter“, stöhnte ein Oberescher begeistert. „Wir fahren nach Berlin!“ „Die haben gut eine Stunde beraten und diskutiert“, erklärte später Ortsvorsteher Michael Engel. Er war zusammen mit Stellvertreter Michael Senf und dem stellvertretenden Bürgermeister, Joshua Pawlak, in Saarbrücken. Empfangen wurden sie zu Hause mit einem kleinen Feuerwerk und Wunderkerzen. Zwischendurch schaltete jemand die Glocken der Pfarrkirche zum Siegesgeläut an, die Feuerwehr ließ Blaulichter rotieren. „Das wäre sehr, sehr eng gewesen, weil richtig gute Dörfer dabei waren“, schilderte Michael Engel. Laut Jury habe die Dorfgemeinschaft unter anderem mit einem starken Wir-Gefühl überzeugt. „Das Dorf war bei unserem Besuch gefühlt zu 100 Prozent auf den Beinen – von der 90-jährigen Oma bis zu ihrer aus Kalifornien angereisten Enkelin.“

Jury-Sprecher Thomas Groß fasste die Bewertung zusammen mit: „Ein kleines Dorf am Rande des Saarlandes mit sehr viel Potenzial.“ Denn Oberesch hat nur rund 320 Einwohner, erweckt aber den Eindruck einer einzigen großen Clique. Und die zeigt vorbildhaft, wie ein Dorf aus eigener Kraft Lebensqualität und Zukunft sichern kann.

„Wir lassen das über die Herbstferien erst einmal sacken“, sagte Michael Engel. „Wir haben ja noch Projekte im Laufen.“ Was 2019 kommen soll, dafür setze man sich dann wieder zusammen. Aber „90 Prozent machen wir für Oberesch, zehn Prozent für den Wettbewerb.“ Dutzende rollten dann mit dem Trecker, der eine Woche zuvor die Landesjury durch den Ort chauffiert hatte, durchs nächtliche Dorf. Die Letzten kamen erst etwa gegen vier Uhr in der Früh nach Hause, war am Samstag zu erfahren.

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