| 20:07 Uhr

Schule
Von Tierschutz bis Alltagsrassismus

 In die von ihnen selbst moderierte Diskussionsrunde hatten die Schüler der Lothar-Kahn-Schule auch Umweltminister Reinhold Jost eingeladen.
In die von ihnen selbst moderierte Diskussionsrunde hatten die Schüler der Lothar-Kahn-Schule auch Umweltminister Reinhold Jost eingeladen. FOTO: Thomas Seeber
Rehlingen. Die Lothar-Kahn-Schule Rehlingen präsentierte die Ergebnisse ihrer Projektwoche und diskutierte mit Politikern. Von Nicole Bastong

Mitschreiben musste Angelo Volpe nicht beim Besuch im KZ Struthof: „Die Atmosphäre dort war so bedrückend, das merkt man sich.“ Und so konnte der Neuntklässler bei der Präsentation am Stand auch ohne Notizen den Aufbau des Lagers, Zahl der Insassen und schreckliche Details der Führung dort eindrücklich wiedergeben.


Themen wie Erinnerungskultur, Alltagsrassismus und Integration, aber auch Umwelt- und Tierschutz, Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung standen in der der Lothar-Kahn-Schule Rehlingen in der vergangenen Woche auf dem Lehrplan. Mit viel Mühe hatten die Neunt- und Zehntklässler an Ständen dokumentiert, was sie in der Projektwoche geleistet hatten. In der Kultur- und Sporthalle Rehlingen zeigten sie ihre Ideen: etwa im Bistro der Gemeinschaftsschule mehr gesunde sowie regionale und saisonale Produkte anzubieten oder eine Blühwiese anzulegen.

Die Idee zu der etwas anderen Projektwoche reifte schon eine Weile: „Wir hatten immer wieder festgestellt, dass sich die Schüler nicht trauen, zum Beispiel mit Politiker zu diskutieren“, erklärte Schulleiter Friedrich Müller. „Daher wollten wir sie zu Experten in ihren Themen heranbilden und ihnen so ermöglichen, auf Augenhöhe zu diskutieren.“



In der Projektwoche selbst und bei der Organisation der Diskussionsrunde hielten sich die Lehrkräfte dann aber zurück: Die Schüler aus insgesamt fünf Klassen wählten selbst ihre Themen, gestalteten die Stände und moderierten schließlich auch selbst in einem vierköpfigen Team.

Gecoacht wurden sie dabei von Georg Vogel vom Landesjugendring. „Die Projektarbeit war völlig offen, es war ausdrücklich ein Experiment“, sagte Vogel. Dass in der etwas holprigen Diskussionsrunde dann doch eher die geübten Politiker wie Reinhold Jost (SPD) und Barbara Meyer-Gluche (Grüne) das Wort führten statt der Schüler, war erwartbar.

Gemeinsam mit dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) hatte der Landesjugendring das „Modellprojekt“ in Rehlingen initiiert, Vogel zeigte sich davon begeistert und kündigte an, dass auch in anderen Landkreisen ähnliche Veranstaltungen in Schulen auf die Beine gestellt werden sollen. „Die Schüler waren in der Projektwoche unheimlich begeistert und haben mitgemacht, ohne auf die Uhr zu schauen“, lobte auch Schulleiter Friedrich.