Linda will Brücken bauen

Den Einser-Abschluss hat sie in der Tasche. Jetzt will Linda Stark die gelernte Theorie auch anwenden und ist auf Jobsuche. Eine Brücke gebaut hat die 24-Jährige aus Hemmersdorf bereits, und zwar aus Pappe – nun hofft sie auf große Projekte.

Nicht aus Beton und auch nicht aus Holz, Linda Starks Brücke ist aus Pappe und hält satten 1500 Kilo stand. Foto: Linda Stark. Foto: Linda Stark

Irgendwann will Linda Stark einmal Brücken bauen, über die Millionen von Autos fahren. Brücken, die tonnenschwere Lkws aushalten. Und die 24-Jährige aus Hemmersdorf ist auf einem guten Weg dorthin. Gerade hat die Bauingenieurin ihr Masterstudium an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW) abgeschlossen, hat sich im Brückenbau spezialisiert - und das mit der Note sehr gut. Linda will dort Fuß fassen, wo lange Zeit nur Männer ihre Fußstapfen hinterließen.

"Brücken finde ich einfach viel interessanter als Häuser. Sie sind konstruktiv und statisch aufwendiger. Und da liegt die Herausforderung, so was Stabiles zu konstruieren", meint die 24-Jährige. Dass Frauen in dem Gebiet den Männern in nichts nachstehen, hat sie bei ihrer Masterarbeit bewiesen. "Ich habe als erste Studentin an der HTW für meinen Abschluss etwas gebaut und nicht nur gerechnet", sagt sie stolz. Entstanden ist eine Fachwerkbrücke aus Pappe - 3,30 Meter lang, ein Meter breit und 90 Zentimeter hoch.

Aus Pappe? "Ja, aus Pappe. Ich wolle sie aus einem neuen Material bauen, nicht aus Holz oder so. Und da fand ich Pappe irgendwie spannend", erzählt Linda mit einem Schmunzeln. Die Idee sei ihr über Nacht gekommen. "Doch eine Firma zu finden, die diese Pappröhren, so wie ich sie gebraucht habe, herstellt, war gar nicht so einfach", erzählt die junge Bauingenieurin. Fündig wurde sie schließlich in Bayern. Gesponsort wurde ihr Projekt auch von der Firma Villeroy und Boch, die kostenlos Wabenpappe zur Verfügung stellte. Diese verbaute Linda als Bodenbelag. 1000 Euro hat der Bau der Papp-Brücke insgesamt verschlungen, bezahlt hat das die HTW.

Vier Monate hat die zielstrebige, junge Frau experimentiert, gemessen, gerechnet und Daten ausgewertet, bis die Brücke tragfähig war. 1500 Kilo kann sie bei gleichmäßiger Verteilung aushalten. Ausgestellt wurde Lindas Werk unter anderem bei der Informationsmesse "Abi - was dann?" in Saarbrücken. Dort sollte sie Schüler für den Studiengang Bauingenieurwesen begeistern. "Gebaut, saniert und abgerissen wird immer. Der Bauingenieur wird also immer gebraucht, der Beruf wird nie aussterben", weiß Linda um die sichere Zukunft ihres Berufsstandes.

Bauen und sanieren - Linda hat neben ihrem Studium noch eine Ausbildung zur Gebäudeenergieberaterin gemacht - kann die junge Frau bereits. "Jetzt fehlt mir nur noch der Sprengmeister, dann kann ich auch abreißen", sagt Linda und lacht.

Nun gilt es aber erst einmal einen Job zu finden, Bewerbungen hat sie bereits geschrieben: "Ich will auf jeden Fall hier bleiben, ich mag das Saarland", sagt Linda und schiebt hinterher: "Allerdings haben es gerade junge Ingenieure nicht so einfach, Fuß zu fassen. Zwar werden Ingenieure immer gesucht, aber die müssen dann am Besten so jung sein wie ich und zugleich zehn Jahre Berufserfahrung haben." Doch ein Einser-Abschluss und ein eiserner Wille dürften Linda helfen, auch diese Brücke zu schlagen.