Klemm und Eggers legen Buch über bäuerliche Kultur aus dem Gau vor

Heimathistorie : Bäuerliche Geschichte im Saar-Niedgau

Die Heimatkundler Werner Klemm und Hans Dieter Eggers haben ihr Buch über dörfliche Kultur vorgestellt.

1958 ließ der Heimat- und Verkehrsverein Siersburg im Saarlouiser Hausen-Verlag das Geschichts- und Heimatbuch „Die Siersburg im Wandel der Zeiten“ drucken. Seitdem gab es durch den Verein viele weitere Buchausgaben und heimatbezogene Kalender mit historischem Hintergrund.

Das jüngste Werk, „Monumenta Rustica“ ist ein Streifzug durch die Geschichte bäuerlicher Kultur im Saar-Niedgau. Es wurde im Rathaus Siersburg vorgestellt. Bürgermeister Ralf Collmann hieß neben den vielen Besuchern aus der Gemeinde seinen Amtskollegen Denis Paysant aus der Partnerstadt Bouzonville willkommen.

Reinhold Jost, Siersburger Ortsvorsteher und Minister für Umwelt und Verbraucherschutz, bezeichnete das von Werner Klemm und Hans Dieter Eggers in mehrjähriger Arbeit geschaffene Werk als „einzigartigen Überblick über die dörfliche Entwicklung von der Steinzeit aus bis in die Gegenwart“.

Rupert Schreiber vom Landesdenkmalamt des Saarlands führte in sehr allgemeinverständlicher Form wissenschaftlich in das Thema ein. Das reich bebilderte Werk mit über 400 Fotos, Zeichnungen unter anderem von Albert Schönwetter, Bildern unter anderem von Mia Münster, Ursel Kessler, Edvard Frank und Robert Eisenbarth, beginnt mit der Steinzeit mit einem in Wallerfangen gefundenen Faustkeil.

Interessant sind die Funde der Bandkeramik, unter anderem in Hemmersdorf und Fürweiler, im Lothringischen in Rémeldorff und in Flastroff. Neben einem Langhaus-Modell werden aus dieser Zeit Werkzeuge, Textilien, Waffen und die Technik des Getreidemahlens dargestellt.

Mit dem rekonstruierten Keltendorf in Niedaltdorf geht es in das Metallzeitalter. In der gallo-römischen Zeit wurde das Niedtal römisch. Zahlreiche Fundstellen werden ausführlich beschrieben, so auch das Quellheiligtum am Sudelfels und die „villa rustica“ in Niedaltdorf. Ein weiteres Kapitel befasst sich mit der Zeit der Franken, dem Mittelalter und dem Dreißigjährigen Krieg, nach dessen Ende allmählich die Geschichte des Lothringerhauses beginnt. Diese Bauform wie auch die des typischen Arbeiterbauernhauses werden an zahlreichen Beispielen in der Gemeinde Rehlingen-Siersburg und in Nachbargemeinden ausführlich beschrieben und mit Fotos dokumentiert.

Interessant ist die Darstellung des bäuerlichen Lebens auf alten Fotos. Dazu gehört auch in weitestem Sinne die Vorstellung der Heimatmuseen in Gerlfangen, Hemmersdorf, Gisingen, Oberdorff und Gomelange. Genannt wird auch das Schloss Magnus-von-Hausen in Rehlingen.

Ein düsteres Kapitel sind die bei Kriegsbeginn 1939/40 vom NSDAP-Gauleiter Bürckel durchgeführten „Neuordnungsmaßnahmen“ im ländlichen Raum. Zahlreiche Gebäude, vor allem in Biringen, Hemmersdorf, Niedaltdorf, Oberesch und auf dem Saarlouiser Südgau wurden gegen den Willen ihrer Eigentümer abgerissen, nur wenige jedoch neu gebaut. In der Nachkriegszeit entstanden nach Flurbereinigungen einige Aussiedlerhöfe. Zur Zukunft der landwirtschaftlichen Kultur haben die beiden Buchautoren Interviews mit einer Bäuerin aus Gerlfangen und einem Landwirt aus Niedaltdorf geführt. So spannt sich der Bogen der vorliegenden Schrift Schritt für Schritt von der Vergangenheit in die Zukunft.

Das Buch kostet 27,50 Euro. Es ist überall im Buchhandel, Studio Photo Phant, Lisas Posteck, Leickshof, im Siersburger Rathaus und bei den beiden Autoren erhältlich.

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