Kein Plan von Fair Trade

Saarlouis. Seit Dezember 2009 arbeitet Saarlouis auf den Titel "Fair Trade Town" hin. Doch den meisten Leuten sagt der Begriff erstmal nichts. "Fair Trade Town? Was ist das?", fragt Ria Lamour-Hand (Fotos: kj). Nach dem ersten erklärenden Satz weiß sie jedoch Bescheid. Fair Trade bedeutet fairer Handel, gerechte Preise, keine Kinderarbeit

Saarlouis. Seit Dezember 2009 arbeitet Saarlouis auf den Titel "Fair Trade Town" hin. Doch den meisten Leuten sagt der Begriff erstmal nichts. "Fair Trade Town? Was ist das?", fragt Ria Lamour-Hand (Fotos: kj). Nach dem ersten erklärenden Satz weiß sie jedoch Bescheid. Fair Trade bedeutet fairer Handel, gerechte Preise, keine Kinderarbeit. "Ja klar sagt mir das was", erklärt die Nonnweilerin. "Ich unterstütze das auch. Ich trinke vor allem den fairen Kaffee, fairer Anbau und keine Kinderarbeit sind total wichtig.""Ich kenne hier den Laden in Saarlouis, da trinke ich öfter mal Kaffee. Und in Dillingen gibt es das ja auch", meint Georg Altmayer aus Fraulautern. Dass die Stadt sich um den Titel bewirbt, interessiert ihn aber überhaupt nicht.

"Ich bin absolut für Fair Trade Towns", bekennt Gina Jenkins aus Dillingen. "Die Produkte haben auch einfach eine bessere Qualität, der Kaffee schmeckt ganz anders. Ich habe auch keine Lust auf Pestizide, die Bauern kriegen außerdem höhere Löhne für den Anbau, das ist Hilfe zur Selbsthilfe. Und ich finde, wenn man sich hier schon solche Luxusgüter wie Kaffee gönnt, dann sollten die auch fair gehandelt sein."

Jürgen Gerhard aus Saarbrücken kann den Titel, den die Stadt Saarlouis anstrebt, zumindest annährend richtig übersetzen. "Faire Einkaufs-Stadt, oder was?", fragt er zurück. "Grundsätzlich gucke ich schon darauf, was ich einkaufe, aber ich suche nicht nach fairen Produkten", erklärt er. "Das Problem bei dem Fair Trade-Siegel ist, dass man garnicht nachvollziehen kann, ob das das auch wirklich so ist." Seine Begleitung Sandra Zimmer findet es gut, dass die Stadt sich um den Titel bemüht. "Aber mich animiert das jetzt nicht, mehr Fairprodukte zu kaufen."

"Das sagt mir gar nichts", erklärt Kevin Ballon aus Saarlouis. "Das hört sich nach einer schlauen Idee an - mal sehen, was daraus wird."

"Mir sagt das gar nichts", erklärt auch Pina Milioto aus Beckingen. "Faire Produkte sind aber auch nicht attraktiv, weil sie so teuer sind." Das sieht auch Franca Botta aus Dillingen ähnlich: "Außerdem weiß man ja nicht, wo das wirklich herkommt, das ist so undurchsichtig." Sie würde es aber begrüßen, wenn Kinder in der Schule faire Produkte kennen lernen würden. "Es müsste mehr Infos geben!"

"Nein, das kennen wir nicht, spricht uns auch nicht an", meinen Hans-Jürgen und Tanja Gilbert übereinstimmend. Die junge Familie aus Völklingen achtet eher auf Preis, Geschmack und Marke eines Produktes als auf ein Fair Trade-Siegel. Und dass etwa der Bürgermeister fairen Kaffee trinkt, ist für Hans-Jürgen Gilbert auch kein Anreiz, Fairtrade-Produkte zu kaufen: "Dann tue ich es eher nicht."

"Wenn es fair gehandeltes Bier gibt, dann würde ich das mal probieren", ulkt Kai Salzgeber aus Siersburg. Die Fair Trade-Kampagne kennt er noch nicht: "Kein Plan!"

fairtrade-towns.de

Hintergrund

Um "Fairtrade-Stadt" zu werden, müssen fünf Kriterien erfüllt sein:

1. Es liegt ein Beschluss der Kommune vor, dass bei allen

Sitzungen sowie im Bürgermeisterbüro Fair Trade-Kaffee sowie ein weiteres Produkt aus Fairem Handel verwendet wird, und dass der Titel angestrebt wird.

2. Es wird eine lokale Steuerungsgruppe gebildet, die die Aktivitäten koordiniert.

3. In den lokalen Einzelhandelsgeschäften werden gesiegelte Produkte aus Fairem Handel angeboten und in Cafés und Restaurants werden Fair Trade-Produkte ausgeschenkt (jeweils mindestens zwei).

4. Öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen verwenden Fair Trade-Produkte und führen Bildungsaktivitäten zum Thema "Fairer Handel" durch.

5. Die örtlichen Medien berichten über alle Aktivitäten auf dem Weg zur "Fairtrade-Stadt".

Nach Erfüllung aller Kriterien wird der Titel für zwei Jahre vergeben. Saarlouis erfüllt vier der Kriterien. nic