Höchst seltene Gnadenhochzeit

Aus Anlass der bereits 70 Jahre währenden, unverbrüchlichen Ehe von Olga und Alois Schönwetter wird in diesen Tagen gefeiert.

Im Saarlouiser Nordgau gibt es jetzt erstmals - soweit bekannt - eine Gnadenhochzeit. Das sind 70 Jahre unverbrüchliche Ehetreue. Dieses außergewöhnliche Ehejubiläum können am Mittwoch, 19. April, Im Breitfeld 28 in Gerlfangen die Eheleute Alois Schönwetter und Olga, geborene Offholz, bei guter Rüstigkeit feiern. Dabei war ihr Weg von der Kindheit bis heute nicht immer einfach. Alois Schönwetter wurde am 6. Januar 1921 in Eimersdorf geboren. Dem früheren Eimersdorfer Lehrer Johann Engel verdankt er eine besondere Hinführung zur Natur, vor allem zu den heimischen Orchideenarten und zum Obstbau. Auf seinen Streuobstwiesen pflanzte er hunderte von Obstbäumen, die er zum großen Teil selbst veredelte. Olga Schönwetter kam am 23. August 1925 in Gerlfangen zur Welt.

Für Alois Schönwetter war die Ausbildung zum Maurer Beruf und Berufung zugleich. Der Kriegsausbruch 1939 verhinderte allerdings zu seinem Bedauern die Aufnahme des Studiums zum Bauingenieur in Trier. Es folgten die kriegsbedingte Evakuierung 1939/40 und die Einberufung zu den Sturmpionieren der Wehrmacht. Die mehr als ein Dutzend Kriegsauszeichnungen des Feldwebels wogen bei weitem nicht die zahlreichen Verwundungen auf, an denen er zum Teil immer noch leidet. Auf deutscher Seite kämpfenden Kosaken verdankt er es, aus der Hand von Partisanen befreit zu werden.

Nach dem Kriegsende war er viele Jahre lang als federführender Maurerpolier bei der Donner-Brauerei in Saarlouis tätig. Dann machte er sich mit einem Getränkevertrieb selbstständig. Alois Schönwetter gehörte bereits in der "illegalen" Zeit vor 1955 zu den Gründern der CDU in Gerlfangen. Er war jahrelang Mitglied des Gemeinderates. Er ist nicht nur ältestes Mitglied des Musikvereins und des SV Gerlfangen/Fürweiler; in dem von Schwager Albert Jung geleiteten Seniorenchor sang er vor noch nicht langer Zeit im I. Bass.

Besonders stolz ist er als Initiator und Planer des Kriegerehrenmals Gerlfangen, an dem er fachgerecht Kalksteine vermauerte.

Ehefrau Olga ist ein Gerlfanger Kind aus "Sutors Ecken", in dem bei ihrem Elternhaus ein Kreuz von 1725 steht. Die elterliche Landwirtschaft bedeutete für sie als ältestes Kind harte Arbeit. "Es war Liebe auf den ersten Blick", sagte uns Frau Olga, als sie 1944 bei einem Heimaturlaub ihren Alois kennen und lieben lernte. Die Hochzeit blieb für sie bis heute "Erfüllung". Wenn Olga Schönwetter von den Evakuierungen 1939/40 und 1944/45 berichtet, wird deutlich, was die Menschen des Grenzlandes an der Saar mitmachen mussten. Zum Fest der Gnadenhochzeit kommen auch die Kinder von Alois Schönwetters verstorbenem Kriegskamerad von der Mosel, mit dem ihn eine feste Freundschaft verband.