Harenz und Zimmer sind jüngste Ortsvorsteher im Kreis Saarlouis

Kostenpflichtiger Inhalt: So jung und schon Ortsvorsteher : „Gute Vernetzung ist das A und O“

Julia Harenz und Sebastian Zimmer sind mit 25 und 24 Jahren die jüngsten Ortsvorsteher im Kreis Saarlouis. Was treibt die beiden Studenten an?

Unter 40 sind Ortsvorsteher im Kreis Saarlouis selten, unter 30 die absolute Ausnahme: Davon gibt es seit der jüngsten Kommunalwahl jedoch gleich zwei. Julia Harenz, 25 Jahre, SPD, und Sebastian Zimmer, 24 Jahre, CDU, sind von ihren Ortsräten in Wallerfangen und Rehlingen zu den jüngsten Ortsvorstehern im Kreis gewählt worden. Beide sind Studenten, beide stehen ihrem Heimatort vor, der jeweils nicht gerade zu den Kleinsten in der Gemeinde gehört: Wallerfangen hat rund 4600 Einwohner, Rehlingen rund 4800.

Julia Harenz, Ortsvorsteherin von Wallerfangen  . Foto: Oliver Altmaier

Was bewegt junge Leute dazu, sich nicht nur kommunalpolitisch zu engagieren, sondern auch ein verantwortungsvolles Ehrenamt zu übernehmen? Bei beiden spielt die innerparteiliche Förderung eine Rolle: Julia Harenz ging zu den Jusos, saß bereits als 20-Jährige im Ortsrat Wallerfangen, erzählt sie, ist aber auch in mehreren Vereinen aktiv. „Ich wurde gefragt, es war nicht meine Idee“, sagt sie und lacht. „Ich hab mir dann erstmal überlegt, wie viel Zeitaufwand das ist und ob ich das machen kann.“ Pflichttermine liegen vor allem am Wochenende, von der Kirmes bis St. Martin, vom Seniorennachmittag bis zum Weltkindertag, berichtet sie. Ihre Motivation letztendlich war: „Ich versuche, in Wallerfangen was zu bewegen, das sind manchmal nur Kleinigkeiten wie Zebrastreifen, die fehlen. Aber ich habe die Hoffnung, dass ich als Ortsvorsteherin da mehr Möglichkeiten habe als als normales Ortsratsmitglied.“

Sebastian Zimmer, Ortsvorsteher von Rehlingen. Foto: Marvin Jung

Für Zimmer ist es das erste politische Amt: „Auch ich bin gefragt worden“, grinst er. Mit 17 ist er in die Junge Union eingetreten, die in seiner Heimatgemeinde einen Aufwind erlebt, wie Zimmer schildert: „Wir sind echt eine gute Truppe, das macht Spaß.“ Als Ortsvorsteher zu kandidieren, sei für ihn logisch gewesen: „Ich war vorher schon auf jeder Veranstaltung, in vielen Vereinen. Die Leute wissen, wo sie mich finden.“ Die gute Vernetzung spielte für ihn eine Rolle, aber auch der Wunsch, was für das Heimatdorf zu bewegen: „Für mich war schon vor dem Abi klar, dass ich in Rehlingen bleibe, und dann will man sich auch irgendwie einbringen.“

Rückmeldung bekommen beide schon viel: „Bisher hatte ich acht schriftliche Anfragen, meistens werde ich im Dorf angesprochen“, sagt Harenz. Bei Zimmer hingegen klingelt nun sehr oft das Telefon: Denn in Rehlingen ist der Ortsvorsteher auch für die Hallenbelegung zuständig.

Zimmer ist auch in den Gemeinderat eingezogen, sitzt dort auch im Hauptausschuss: „Ganz oder gar nicht“, meint der Mathestudent, „im Moment bin ich an meiner Masterarbeit, dazu nachmittags Kommunalpolitik, das lässt sich ganz gut vereinbaren.“ Bei Harenz sieht das anders aus: „Die Sitzungen für den Gemeinderat sind schon um 17.15 Uhr, das schaffe ich zeitlich einfach nicht“, sagt die Lehramtsstudentin. Die Ortsratssitzungen seien auf ihre Initiative hin um eine halbe Stunde verschoben worden. „Ich sehe zwar die Problematik der Verwaltung, aber wenn man möchte, dass sich auch junge Menschen engagieren, muss man zu anderen Zeiten tagen.“ Trotzdem könnte sie sich die Arbeit im Gemeinderat „prinzipiell vorstellen“, sagt Harenz – nach dem Studium.

„Gut, dass das jetzt mal ein Junger macht“, sei eine häufige Reaktion ihrer Mitbürger, schildern beide. „Man wird halt immer gefragt: Woher kommst du, wer ist dein Vater?“, lacht Harenz. „Es ist eben das A und O, das man im Ort gut vernetzt ist“, meint Zimmer.

Zimmers Ziele für die nächsten fünf Jahre: Die digitale Vernetzung der Vereine im Ort, „das haben sich fast alle Vereine gewünscht, für einen gemeinsamen Veranstaltungskalender etwa.“ Die Verkehrssicherheit voranbringen, „mit Zebrastreifen und durchgehend Tempo 30 in der Beckinger Straße.“ Und, ein „Herzensprojekt“: Ein Vereinsheim im Ort, das schon lange versprochen ist, aber auf Eis liegt.

Bei Harenz steht mehr Platz für Vereine auch oben auf der Agenda: „Das Haus der Generationen ist fast immer voll ausgelastet, das würde ich gerne ausweiten.“ Mehr Sicherheit im Verkehr ist auch in Wallerfangen ein Thema: „Tempo 30 und Radwege in der Hauptstraße, Zebrastreifen an Schulen – das ist meiner Meinung nach relativ schnell zu machen.“ Und nicht zuletzt: Das „Sorgenkind Freibad“ unterstützen.

Einig sind sich beide, dass die Kommunikation zwischen Bürgern und Verwaltung verbessert werden muss, am besten auf digitalem Wege: Das ist wohl eher Generationenfrage als eine politische.

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