Gute Erfahrungen mit Tempo 30-Zonen

Rehlingen-Siersburg. Der Spagat zwischen fließendem Verkehr und örtlicher Lebensqualität inspiriert immer wieder die Politik. Seit Juni steht ein Vorschlag aus rot-grünen Reihen im Raum. Im Falle eines Wahlsieges 2013 solle Tempo 30 als neue zulässige Höchstgeschwindigkeit in Städten umgesetzt werden. Das reduziere Lärm und Co2 und erhöhe die Sicherheit

Rehlingen-Siersburg. Der Spagat zwischen fließendem Verkehr und örtlicher Lebensqualität inspiriert immer wieder die Politik. Seit Juni steht ein Vorschlag aus rot-grünen Reihen im Raum. Im Falle eines Wahlsieges 2013 solle Tempo 30 als neue zulässige Höchstgeschwindigkeit in Städten umgesetzt werden. Das reduziere Lärm und Co2 und erhöhe die Sicherheit. Dieser als "moderne Verkehrspolitik" bezeichnete Vorschlag ist in Rehlingen-Siersburg seit rund 15 Jahren Alltag. Darauf verwies Bürgermeister Martin Silvanus.

Ausnahme sind Landesstraßen

Anfang der 90er Jahre habe der damalige Leiter des Ordnungsamtes, Wolfgang Folz, ihm das "ans Herz gelegt". Dann wurde Tempo 30 in Rehlingen-Siersburg flächendeckend auf den gemeindlichen Straßen eingeführt. Eine Ausnahme bilden Landesstraßen, so Silvanus, denn die liegen in der Zuständigkeit des Landesbetriebes für Straßenbau. Aber wo es die Situation erfordere, gebe es auch an solchen Strecken Abschnitte mit Tempo 30. So in Rehlingen in der Beckinger Straße, L 156. Denn dort lägen Kindergarten und Schulen.

"Wir haben sogar Schritttempo", sagte Silvanus. Etwa im Umfeld des Rathauses, wo nur etwa sieben Stundenkilometer gefahren werden dürfen. "Das schafft kaum jemand, das ist klar. Aber es sollte deutlich unter 30 Kilometer sein." Ein blaues Schild mit zwei Personen weise auf die Zone hin. "Die 30er-Bereiche haben wir alle ausgeschöpft", erklärte Silvanus. Es gebe immer wieder von Bürgern aus verschiedenen Wohngebieten Anfrage nach Schritttempo. Dann werde erklärt, welche Konsequenzen das mit sich bringe und gefragt, ob gewollt sei. "Parken beispielsweise geht dann nur noch dort, wo richtige Parkplätze sind." Einfach im öffentlichen Raum parken entfalle. Außerdem sei eine Zone mit Schritttempo nur zulässig, wo Fahrbahn und Gehweg höhengleich lägen, also ohne Bordstein.

Geschwindigkeit gesenkt

Mit Tempo 30-Zonen habe die Gemeinde gute Erfahrungen gemacht, stellte Martin Silvanus dar. "Das hat insgesamt das Niveau der Geschwindigkeit gesenkt." Es habe sich gezeigt, dass 90 Prozent der Fahrzeuge bis zu 40 Kilometer fahren, etwa fünf Prozent sind schneller als 40, weitere fünf Prozent liegen über 50 Stundenkilometern. "Hätten wir Tempo 50, würde insgesamt schneller gefahren", ist sich Silvanus sicher. Doch eine pauschale Geschwindigkeitsreduzierung hält er nicht für sinnvoll. "Das sollte flexibel und situationsgerecht gehandhabt werden."

Meinung

Sinnvoller als Straßenschwellen

Von SZ-RedakteurinSophia Schülke

Ausgewiesene Tempo-30-Zonen bewirken langfristig mehr als etwa die Straßenschwellen aus Stein. Fährt man auch langsam darüber, wird man dennoch unangenehm durchgerüttelt. Mancher sorgt sich um Stoßdämpfer oder Umwelt: Im Landkreis Kassel etwa wurde eine angeschraubte Plastikschwelle schon gestohlen. Und eine Studie des britischen Transport Research Laboratory berichtete längst, dass sich durch den Stop-and-go-Verkehr an den Straßenschwellen die Luftverschmutzung in Städten um bis zu 60 Prozent erhöht.

Also, lieber 30er Zone mit Infoschild für Kigas und Schulen. Damit wir wissen, warum es lohnt, langsam zu fahren.