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Kita-Umzug
Die Kleinen spielen nun in der Schule

Die Räume der ausgelagerten Kindergartengruppe in der Grundschule Siersburg
Die Räume der ausgelagerten Kindergartengruppe in der Grundschule Siersburg FOTO: Thomas Seeber /
Siersburg. Siersburger Kita St. Martin muss aus Raumnot eine Gruppe auslagern. Eine neue Bleibe fand sich in der Grundschule. Von Nicole Bastong

Das Thema hatte vor den Sommerferien die Gemüter der Siersburger Eltern erhitzt: Weil die Gemeinde insbesondere im Ortsteil Siersburg ungewöhnlich viele Zuzüge von Kindern verzeichnete, wurde es schon wieder sehr eng in den beiden Kindergärten St. Willibrord und St. Martin. Zusätzliche Räume für Kinder aus St. Martin wurden dringend benötigt, bis deren Gebäude erweitert ist, die gab es in der Grundschule Siersburg; doch damit waren einige Eltern nicht zufrieden (die SZ berichtete).


Zwar konnten bei einer Versammlung viele Bedenken ausgeräumt werden. Doch Zweifel blieben: Würden die Kleinen die Grundschüler beim Lernen stören? Haben die Kita-Kinder überhaupt schöne und passende Räume dort? Was ist mit einem Außengelände?

Zumindest die Zweifel daran, ob die Kita-Räume überhaupt rechtzeitig zum Ferienende fertiggestellt würden, konnten inzwischen ausgeräumt werden. „Wir haben mit Hochdruck gearbeitet bis zur letzten Minute“, gesteht Margit Heinrich, Leiterin des Fachbereichs Bildung der Gemeinde, ein. Nun sind 20 Kinder zwischen drei und sechs Jahren mit ihren zwei Erzieherinnen und einer Vorpraktikantin im hinteren Trakt der Schule untergebracht. Betreut werden sie werktags von 7.30 bis 13.30 Uhr.



Zwei Schulräume im ersten Obergeschoss, die wegen der gesunkenen Schülerzahl derzeit nicht gebraucht wurden, hat die Gemeinde für die Kita-Bedürfnisse umgebaut. Einige Auflagen der Unfallkasse gab es dabei: Zum Beispiel mussten niedrigere Handläufe an der Treppe angebracht und kleinere Toiletten installiert werden. „Aber das sind Investitionen, die nicht verloren sind“, betont Heinrich. Etwa 25 000 Euro habe der Umbau gekostet, weitere 10 000 Euro rechnet die Gemeinde für Möbel und Außengelände mit Zaun, „das kann alles weiterverwendet werden“, erklärt Heinrich.

„Die Eltern haben sich durchweg positiv geäußert, bei uns sind keine Beschwerden mehr angekommen“, versichert Sabine Bünnagel, Kindheitspädagogin in der Kita St. Martin. „Und die Kinder sagen stolz: ,Ich geh jetzt schon zur Schule!’“, schmunzelt sie. Der Umbau sei sehr gut gelungen: „Unser Tagesablauf ist genau wie in der Kita.“ Ein Außengelände haben die Kleinen auch, dafür wurde ein Teil des Schulhofes eingezäunt; die Spielgeräte dürfen die Grundschüler aber weiterhin mitnutzen.

Geturnt wird in der Schulturnhalle; die Absprache mit der Schulleitung funktioniere wunderbar, betonen Bünnagel und Marie-Christine Jost, Leiterin der Grundschule; durch das Kooperationsjahr arbeiten die beiden Einrichtungen ohnehin zusammen, zudem waren auch in den vergangenen Jahren immer mal wieder Kita-Gruppen kurzzeitig in die Schule ausgelagert. „Dass ein Bereich mit Klettergeräten und unseren Hochbeeten eingezäunt ist, fällt den Kindern noch schwer“, berichtet Jost. Aber ansonsten funktioniere die Auslagerung für die Schule gut: „Der Unterricht wird nicht gestört, wir haben auch derzeit keine Klassen im Untergeschoss, die abgelenkt würden.“

Rund sechs Monate sollen die Kita-Kinder jetzt in den Schulräumen bleiben. Dann ziehen sie etwa 50 Meter weiter in das neue Quartier: direkt neben die Kita St. Martin, und zwar in Container – auf Wunsch der Eltern. Wie Heinrich erklärt, befürchteten die Schul-Eltern bei längerfristiger Auslagerung Nachteile für ihre Kinder. Zudem müsse langfristig noch eine zweite Zusatz-Gruppe eingerichtet werden, um Wartezeiten auf einen Kindergartenplatz zu vermeiden.