Große Hufeisennase beharrlich gesucht

Große Hufeisennase beharrlich gesucht

Tag und Nacht zieht die Studentin Katharina Backes mit einer Antenne durch Rehlingen-Siersburg und die angrenzenden Gemeinden. Damit spürt sie der Großen Hufeisennase, einer sehr seltenen Fledermausart, nach.

Rehlingen-Siersburg. Sie liebt es warm, hängt im Winter kopfüber in Stollen und fliegt in Sommernächten gaukelnd nach Maikäfern und großen Nachtfaltern aus. Aber will man sie sehen, braucht man - anders als bei ihren kleineren Fledermauskollegen - mehr als nur ein bisschen Glück. Die Große Hufeisennase ist mit bis zu 40 Zentimeter Flügelspannweite zwar die größte aber gleichzeitig auch die seltenste Fledermausart in Deutschland. Das Säugetier ist hier vom Aussterben bedroht, bis vor ein paar Jahren dachte man, dass die Art mit 70 Tieren nur noch in Oberbayern ein festes Verbreitungsgebiet hat.Doch 40 Tiere leben auch westlich der Saar von Merzig bis Wallerfangen. Ihnen auf der Spur ist Katharina Backes. Immer mit Antenne, zu Fuß und im Auto, bei Tag und bei Nacht. "Ich will herausfinden, ob die Tiere hier eine Wochenstube und weitere Sommerquartiere haben", sagt die Studentin, die über die Fledermausart eine Masterarbeit an der Universität Trier schreibt.

"Als ich die Große Hufeisennase zum ersten Mal gesehen habe, fand ich sie sofort sehr süß. Ihr Maul ist wie ein kleiner Kussmund", erinnert sich Backes an eine Exkursion in Portugal.

Die Tiere, die hier ab einer halben Stunde nach Sonnenuntergang fliegen, sind Ausläufer der lothringischen Population, die auf 2500 Tiere geschätzt wird. Wochenstuben, in denen die Weibchen ihr Jungtier gebären und säugen, gibt es zwei im Umkreis von Luxemburg-Stadt und Thionville. Winterquartiere hat die Große Hufeisennase in drei Stollen an der französisch-luxemburgischen Grenze und in der Gegend um Rehlingen-Siersburg. Backes versucht, die Weibchen zu fangen und zu besendern. Mit der Antenne ortet sie dann ihre Richtung und verfolgt so nachts das Jagdgebiet der Tiere, tagsüber sucht sie noch unbekannte Sommerquartiere und Wochenstuben.

"Die Große Hufeisennase ist so selten, weil sie ortsgebunden ist und bei mindestens sieben Grad überwintert", erklärt Christina Habusch, die Backes wissenschaftlich betreut. Die Fledermausexpertin gehört zum grenzüberschreitenden Verein Fledermausschutz, der als Träger des Life-Projektes "Grenzüberschreitendes Programm zum Schutz der Fledermäuse im westlichen Mitteleuropa" zwischen 1996 und 1998 Winterquartiere seltener Fledermausarten in Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Belgien und der Niederlande unter Schutz gestellt hat. "Die Große Hufeisennase braucht große Öffnungen, in die sie direkt hineinfliegen kann, weil sie nicht wie andere Arten in ihre Quartiere krabbeln kann", erklärt Habusch.

In Lothringen ist die Population groß, weil die Landschaft viele geeignete Quartiere bietet. Die lothringischen Bauernhäuser, Stollen und die alten Befestigungen der Maginot-Linie eignen sich für das Säugetier hervorragend. "Wir haben die Stollen geschützt und Gitter mit horizontalen Stäben davor befestigt", erklärt Habusch das Projekt aus den 90ern, von dem heute auch Backes profitiert.

Die Große Hufeisennase ist sehr selten. Foto: K. Backes.

In den Mainächten hat sie die ausfliegenden Tiere vor den Stollen gezählt und einige gefangen. Und durch eines ihrer besenderten Weibchen hat Backes ein weiteres Sommerquartier gefunden. "Das war ein riesiges Erfolgserlebnis, das Quartier ist in einem älteren bewohnten Haus, die Leute wussten es selbst gar nicht", erzählt die Studentin der Bio-Geo-Analyse, die dem Signal mit der Antenne über die Dörfer gefolgt ist. Die Informationen, die Backes über Quartier, Jagdgebiet und Flugstrecken sammelt, werden viele Hinweise geben, um die seltene Art weiter zu schützen.