Große Gefahr für einige Tierarten

Der Naturschutzbund Nabu kritisiert die geplanten Windräder an der deutsch-französischen Grenze bei Biringen und Silwingen. Er sieht in den umstrittenen Anlagen ein hohes Konfliktpotenzial für den Artenschutz.

Naturschutzfachliche Realitäten auf deutscher Seite würden grob missachtet und in der Planung nicht berücksichtigt, heißt es in einer Pressemitteilung des Landesverbands der Nabu zu Plänen, Windräder an der deutsch-französischen Grenze auf dem Gau zu bauen. So nachhaltig Windenergieanlagen sein mögen, so gefährlich seien sie für verschiedene Vogel- und Fledermausarten. Besonders gefährdet sei der Rotmilan, aber auch für Fledermäuse seien Windenergieanlagen sehr gefährlich. "Dabei ist es nicht erforderlich, dass die Tiere von den Rotorblättern erfasst werden. Es genügt schon, dass sie in den Strömungsbereich gelangen. Dort erleiden sie aufgrund der massiven Druckunterschiede ein Barotrauma, demzufolge sie an inneren Blutungen sterben", so der Nabu.

Die Planung dieses Windparks berücksichtige weder die im Saarland bekannten Vorkommen von Rot- und Schwarzmilan noch die Auswirkungen auf das benachbarte EU-Vogelschutzgebiet "Saar-Niedgau", das laut Nabu "eine herausragende landesweite beziehungsweise sogar eine überregionale Bedeutung für durchziehende Vogelarten" habe. Das Gebiet ist nicht nur eines der wichtigsten Rastgebiete für Weihen (Rohr-, Korn- und Wiesenweihe) und Kraniche im Saarland, sondern zudem das wichtigste Rastgebiet für den Kiebitz und den Goldregenpfeifer im gesamten Land. Diese Arten würden in ihrem Zugverhalten beeinträchtigt.

Der Nabu-Landesverband protestierte jüngst in einem Schreiben an die Prefecture de la Moselle in Thionville gegen das geplante Windpark-Vorhaben. Er kritisiert besonders die französischen Gutachten, die überaus fehlerhaft seien und aufgrund mangelhafter Recherchen bedrohte Arten insbesondere auf saarländischer Seite nicht berücksichtigten. In einer gemeinsamen Sitzung im Siersburger Rathaus haben die Ortsräte von Biringen und Oberesch sowie der Umweltausschuss des Gemeinderats Rehlingen-Siersburg über den geplanten Windpark Launstroff-Waldwisse beraten. Diese "seltene Konstellation" mit gleich drei Gremien sah Bürgermeister Martin Silvanus der Dringlichkeit des Themas geschuldet. Der Verwaltungschef fasste noch einmal seine Meinung zu dem Thema grenznaher Windpark zusammen, die er in einer Stellungsnahme für die Gemeinde bereits an die zuständige Präfektur in Thionville kundgetan hatte (die SZ berichtete).

Natur nicht zerschlagen

Die Gemeinde gebe "ein bedingtes Ja zur Windenergie", sagte Silvanus, "aber die Natur als positives Strukturmerkmal darf man nicht zerschlagen." Da die Verwaltung unter zeitlichem Druck stand, weil die Anhörungsfristen in den französischen Nachbargemeinden abliefen, hinterlegte Silvanus bereits in Thionville eine Stellungsnahme der Gemeinde ohne Beauftragung des Rates. Diese sei aber argumentativ erweiterbar, betonte er. Den Verwaltungsauftrag erteilten die Gremien in der Sitzung nun nachträglich mit drei einstimmigen Beschlüssen.