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Golddorf Oberesch
Das Golddorf Oberesch feiert sich noch einmal

Die Dorfgemeinschaft Oberesch, Offizielle und viele Gäste: So lässt sich eine Goldmedaille für ein Zukunftsdorf angemessen feiern.
Die Dorfgemeinschaft Oberesch, Offizielle und viele Gäste: So lässt sich eine Goldmedaille für ein Zukunftsdorf angemessen feiern. FOTO: Johannes A. Bodwing
Oberesch. Am Erfolg waren viele beteiligt. Also wurde in Oberesch auch gemeinsam gefeiert – mit Gleichgesinnten aus dem ganzen Saarland. Von Johannes Bodwing

Selbst in kleinen Dörfern steckt verdammt viel Zukunft. Das bewies Oberesch mit seiner Teilnahme am 26. Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Am Donnerstagabend überreichte Umweltminister Reinhold Jost im Dorfgemeinschaftshaus Auszeichnungen für die erfolgreichsten Teilnehmer. Schon 2017, beim Wettbewerb auf Kreisebene, schaffte Oberesch den Spitzenplatz. 2018 folgten der Sieg und die Goldmedaille auf Landesebene.


Knapp war es diesmal. Nur Nuancen trennten den Ort von den beiden Silbergewinnern Wemmesweiler und Bliesmengen-Bolchen. Aber die 319 Einwohner zählende Dorfgemeinschaft überzeugte auch mit viel Enthusiasmus und tollen Ideen. Angetrieben werden die Aktivitäten von einem einfallsreichen Ortsvorsteher, quirligen Mitmachern und tatkräftigen Unterstützern. „So etwas hab‘ ich noch nie erlebt“, sagte Dr. Arnold Ludes, Vorsitzender der Bewertungsjury, über die Präsentation am 31. August dieses Jahres.

Thomas Groß vom Umweltministerium sprach die vielfältigen Eindrücke während der zweistündigen Bereisung an. Man habe gar nicht genug Zeit gehabt, um sich Notizen zu machen. Alle könnten stolz sein, sagte Umweltminister Reinhold Jost. „Das ist fantastisch, was ihr alles in euren Dörfern bewegt habt.“ Die Teilnehmer seien „Vorbilddörfer“, „die Crème de la Crème“. Das Erreichte gelte es nun weiter zu entwickeln. Auch dafür bot Jost den Orten Hilfe an. Den erstmals ausgelobten Ministerpreis „Miteinander leben im Dorf“ erhielten am Donnerstag vier von 36 Teilnehmern des Kreiswettbewerbes.



Die Auszeichnung für modellhafte Projekte der sozialen Dorfentwicklung nahmen die Ortsvorsteher von Biringen, Bietzen, Höchen und Überroth-Niederhofen entgegen. Unter ihnen wird das Preisgeld in Höhe von 2500 Euro aufgeteilt. Außerdem sei bei der Umsetzung weiterer Maßnahmen eine zehn Prozent höhere Förderung möglich. Das könne die Fördermittel bis zu 75 Prozent steigern und gelte für die Teilnehmer auf Kreisebene von 2014 und 2017.

Auf Landesebene erreichten die Orte Scheiden, Hoof und Wittersheim Bronze. Silber ging an Remmesweiler und Bliesmengen-Bolchen. Dafür waren Ortsvorsteher und Vertreter der Dörfer angereist. Zum Goldstatus für Oberesch erklärte Thomas Groß, dass alle Bewertungsbereiche „in idealer Weise abgearbeitet“ seien. Neben einer Urkunde und Medaille überreichte Reinhold Jost auch 2500 Euro Preisgeld. Für die weiteren Vorbereitungen auf den Bundeswettbewerb versprach er die Unterstützung des Ministeriums. Alle Dörfer, die teilgenommen haben, bekommen noch eine Expertise über ihre Schwächen und Stärken. Auch das ist ein Plus dieses Wettbewerbs. Die Verleihung betteten die Oberescher in ein Programm mit Theater, Gesang, Musik und Video. Draußen vor dem Dorfgemeinschaftshaus köchelte der erste Glühwein des Jahres. Gekommen waren unter anderen Ortsvorsteher, Bürgermeister Ralf Collmann, Landrat Patrik Lauer und die Landtagsabgeordnete Petra Berg.

Begonnen hatte die Erfolgsgeschichte von Oberesch vor „fast genau vier Jahren“, berichtete Michael Engel. Bei der Feier im früheren Golddorf Gerlfangen. Aber damals sei der Ort noch nicht bereit gewesen für eine solche Herausforderung. „Wir wollten erst ein paar Hausaufgaben machen“, fuhr Engel fort. „Man soll sich bewusst machen, wo sind die Herausforderungen, denen wir uns gemeinsam stellen.“ Das Motto dafür ist kurz und knapp: „All zesummen.“ Und die Aktivitäten seien zu „zehn Prozent für die Jury, 90 Prozent für das Dorf“. 98 neue Bürger in zehn Jahren, verkündete Engel.

In den vergangenen drei Jahren wurden 80 große und kleine Projekte umgesetzt, um die Lebensqualität zu erhalten und zu erhöhen. Dafür leisteten Oberescher Tausende von Arbeitsstunden. Über vier Jahre hinweg steckten Vereine um die 70 000 Euro in Infrastruktur, Technik und verschiedene Maßnahmen. Mobilität sei wichtig im ländlichen Raum und die digitale Infrastruktur. Mit Beharrlichkeit habe Oberesch inzwischen eine Bandbreite von 100 Mbit in jedem Haushalt. „Wir haben noch sechs Monate“, sagte Engel. Denn 2019 vertritt Oberesch das Saarland auf Bundesebene bei „Unser Dorf hat Zukunft“.