Gedenkstätte Gegen Vergessen in der Dunkelheit der Zeit

Siersburg · Von internationalem Jugendworkcamp errichtete Gedenkstätte für sechs jüdische Bürger aus Siersburg offiziell eingeweiht.

 Die Teilnehmer des internationalen Workcamp enthüllten symbolisch das Rosenbäumchen.

Die Teilnehmer des internationalen Workcamp enthüllten symbolisch das Rosenbäumchen.

Foto: Carolin Merkel

„Ich muss gestehen, selbst nach 26 Jahren Amtszeit als Bürgermeister bin ich heute ziemlich aufgeregt. Ich spüre Freude, Rührung und Ergriffenheit. Diese Vorhaben ist mir eine echte Herzensangelegenheit“, bekannte Martin Silvanus, Bürgermeister der Gemeinde Rehlingen-Siersburg am Freitagnachmittag anlässlich der offiziellen Einweihung der Gedenkstätte für sechs jüdische Mitbürger aus Siersburg.

Diese waren am 22. Oktober 1940 zusammen mit 6500 weiteren jüdischen Deutschen in das 1199 Kilometer entfernte Lager Gurs nach Frankreich gebracht worden. Ihr Schicksal kann dank der Zusammenarbeit der Gemeinde Rehlingen-Siersburg und den Teilnehmern des Internationalen Jugendworkcamp der IJGD (Internationale Jugendgemeinschaftsdienste), die in den vergangenen drei Wochen die Gedenkstätte errichtet haben (wir berichteten), neben der katholischen Pfarrkirche auf zwei Schautafeln nachgelesen werden.

Sechs Findlinge an Eisenbahnschienen, sechs amerikanische Eichen, ein verbindender Davidstern und in dessen Mitte ein Rosenbäumchen, gepflanzt in Erde aus Gurs, das sich aus Stacheldraht rankt, sie sind mit vereinten Kräften stille Zeugen der Vergangenheit.

„Wir wollen diesen Menschen einen Namen und ein Gesicht geben. Die Stätte soll zugleich Erinnerung sein, aber auch Wachsamkeit erzeugen“, erklärte Silvanus. Den jüdischen Mitbürgern einen Namen und ein Gesicht geben, diese Idee trug neben Martin Silvanus auch Reinhold Jost als Ortsvorsteher von Siersburg, seit gut 20 Jahren in sich. Und von Jost gab es zunächst einmal ein dickes Lob für den Bürgermeister, „der mit Überzeugung, Mut, innerem Antrieb und großer Ausdauer“ diese Idee einer Gedenkstätte in die Tat umgesetzt habe.

Es sei eine seiner ersten Herausforderungen im Amt gewesen, „die Erinnerung an etwas, was zu verblassen scheint, wachzuhalten“, sagte Jost. Und, auch das betonte er, sei er im Nachhinein froh, dass man so lange gebraucht habe, viele vorherige Ideen nicht zum Tragen gekommen seien. „Das Jugendcamp sehe ich als Signal, es zeigt, wie über Generationen und Grenzen hinweg nicht Nationalismus, sondern Völkerverständigung gelebt wird. Und das muss uns alle umtreiben“, betonte Reinhold Jost.

Als „geniale Fügung“ bezeichnete Werner Klemm, seit mehr als 20 Jahren auf Spurensuche nach der jüdischen Geschichte in Siersburg, den Arbeitseinsatz der elf Teilnehmer am Jugendworkcamp. Und die waren nicht weniger aufgeregt als Bürgermeister Silvanus, als sie ans Mikrofon traten. Jan Paul Busch, einer der Leiter des Camps, erklärte, dass bisher in seinem Leben Juden und Nazis keine Rolle gespielt hätten, er aber durchaus die großen Sicherheitsvorkehrungen an jüdischen Schulen und Synagogen in Berlin wahrnehme.

„Ich hoffe, dass das irgendwann nicht mehr notwendig sein wird. Dafür bin ich mit meiner Arbeit eingetreten“, erklärte er. Als gute Mannschaft, die viel Spaß, aber auch viel Arbeit gehabt hat“, wird Christina Vela aus Spanien die drei Wochen im Camp in Erinnerung behalten.

Leonardo Trentini aus Italien erklärte schließlich, dass es durchaus Höhen und Tiefen in der gemeinsamen Arbeit an dem Judenstern gab. Er wünschte sich, dass „das Monument als Erinnerung für die Tragödie steht und gegen das Vergessen in der Dunkelheit der Zeit“. Einen Dank gab es auch von Richard Bermann, Vorsitzender der Synagogengemeinde Saar für das Engagement in Siersburg. Auf lokaler Ebene, sagte er, widme man sich der Geschichte. „Doch auch 72 Jahre nach diesem planmäßigen und systematischen Völkermord, der uns fassungslos macht, hat sich das Saarland der Aufgabe der umfassenden Aufarbeitung noch nicht gewidmet“, sagte er.

„Erinnerung braucht Namen. Die heutige Generation ist frei von Schuld, aber sie trägt Verantwortung“, sagte Bermann. Die haben die elf Jugendlichen aus der ganzen Welt, aber auch die Mitarbeiter der Gemeinde bei diesem Projekt vorbildlich übernommen.