Fürweilerer gegen Einbrüche

„Bürgerversammlung Fürweiler“ stand auf dem Wurfzettel an alle Haushalte in dem Dorf auf dem Gau. Gut fünf Dutzend Frauen und Männer kamen. Sie alle sorgen sich wegen vieler Einbrüche.

Die Bürgerversammlung im Dorfgemeinschaftshaus Fürweiler beginnt mit zehn Minuten Verspätung. Es mussten noch Stühle aufgestellt werden. Über 60 Frauen und Männer wollen hören, wie das mit der "Bürgerwehr Gau" aussehen könnte. 450 Einwohner zählt das Dorf. Dass so viele gekommen sind, zeigt, dass das Thema Einbrüche - zehn sollen es in den vergangenen zwei Wochen gewesen sein - große Sorgen bereitet.

"Das Volk murrt", sieht deshalb Roman Kerber, Fürweilers Ortsvorsteher, seine alttestamentarischen Worte zum Einstieg bestätigt. Mit Holger Staab, dem Inhaber einer privaten Sicherheitsfirma, Einwohner Fürweilers und inzwischen selbst Einbruchsopfer, will Kerber erläutern, wie die Sicherheit im Dorf erhöht werden kann. Erstmal müssen aber Klarstellungen her.

"Bürgerwehr Gau" sollen die Zuhörer streichen, das sei in der Einladung unglücklich formuliert und so nicht gemeint gewesen. Wohl auch wegen dieses Fehlgriffs bittet Roman Kerber, gedanklich ebenfalls zu streichen, dass der Ortsrat Fürweiler "oder der Ortsvorsteher eingeladen hat, auch ich bin hier heute als Privatperson". Es gibt zwar Stimmen Einzelner, die sich sehr wohl vorstellen können, selbst durchs Dorf zu patrouillieren.

Staab verspricht Sponsoring

Staab überzeugt aber davon, dass es sinnvoller ist, ausgebildete Sicherheitskräfte Streife gehen zu lassen als Amateure. Die müssten dann natürlich bezahlt werden, worum sich weitere Gespräche drehten. Es könnte auf überschaubare Beiträge der Fürweilerer hinauslaufen, weil Staab sich bereit erklärt, eine hohen Anteil der Kosten zu übernehmen.

Wie wirksam sind Streifen?

Gegen Streifen durch privaten Sicherheitsdienst werden zwei Aspekte genannt: Zum einen sei es Sache der Polizei , für Sicherheit zu sorgen, das könne nicht an den Bürgern hängen bleiben. Zum anderen gibt es Zweifel, wie wirksam solche Streifen sind, weil die Anwesen nicht nur in diesem Gaudorf vor allem von den Hinterseiten aus allzu leicht zu erreichen und die Fluchtwege nach Frankreich allzu kurz sind.

Auf Kerbers Abstimmungsfrage: "Wer kann es sich nicht vorstellen?" gehen nur wenige Finger. Für den Ortsvorsteher eine "große Zustimmung" zum Einsatz eines privaten Sicherheitsdienstes, und er sagt: "Wir machen das." Das Wann und Wie bleiben abzuwarten.

Meinung:

Ganz einfach: Mehr Polizei !

Von SZ-Redakteur Mathias Winters

Fürweiler ist fast überall. Die so genannte Polizeireform im Saarland - unterm Strich schlicht ein Stellenabbau zum Zwecke der Entlastung des Landeshaushalts - hat große Löcher ins Sicherheitsnetz gerissen. Gut organisierte Einbrecherbanden sowohl aus der französischen Nachbarschaft einfallend als auch mit Wurzeln in Südosteuropa wissen das und schlagen nicht nur in den Gaudörfern zu.

Was dagegen hilft? Ganz einfach: Mehr Polizei . Mehr Polizisten, die Präsenz in den Wohngebieten zeigen, mehr zivile Ermittler, mehr Beamte in der Präventionsarbeit. Dafür müssen notfalls schwarze Nullen oder Schuldenbremsen aufgeschoben oder geopfert werden. Das Gewaltmonopol des Staates muss bleiben. Wir können nicht Polizeiarbeit flächendeckend in die Hände von Sicherheitsdiensten legen.