Früh aufstehen für den Weltmeister

Das Bungert-Stadion ist fein herausgeputzt. Am Montag steigt das 52. Pfingstsportfest. Fehlen nur noch die Stars. Um den Transport der Athleten kümmert sich das Shuttle-Team um Fahrdienstleiter Thorsten Ruf.

Olympiasieger und Weltmeister , deutsche Stars oder schrille Leichtathletik-Exoten - das Shuttle-Team des LC Rehlingen hat sie alle schon chauffiert. Der Transport der Athleten beim internationalen Pfingstsportfest ist die Aufgabe von Fahrdienstleiter Thorsten Ruf und seinen 30 Helfern. Bei der am Montag im Bungert-Stadion steigenden 52. Auflage des Meetings wird es nicht anders sein. "Da sind immer Kracher dabei. Früher Sprint-Weltmeister Donovan Bailey, diesmal Speerwurf-Weltmeister Julius Yego", schwärmt Ruf und stöbert in seiner Liste mit 220 Athleten aus 30 Ländern.

"Samstag, 6.10 Uhr, Landung in Frankfurt", steht da. "Unser Fahrer muss also früh aufstehen", bedauert der 27-Jährige den Kollegen. Yego ist einer der ersten Passagiere , die in fünf Kleinbussen und drei Autos nach Rehlingen kutschiert werden. Oder nach Wallerfangen ins Hotel Scheidberg, wo die meisten Sportler wohnen. Am Sonntag will der drittbeste Werfer der Geschichte (92,72 Meter) vorab den Stadion-Rasen testen. Bei "Kinder trainieren mit Stars" gibt der Kenianer dem Nachwuchs im Stadion ab 15 Uhr Tipps.

Anruf von der Bahnhofsmission

Peter Ney wird mit seinem Team bis dato alle Werbetafeln platziert, Hermann Kerber endlose Meter Stromkabel verlegt haben. Nur der Laufsteg für die Stabhochsprunganlage, auf der die deutsche Rekordhalterin Silke Spiegelburg und Vorjahressieger Carlo Paech (beide Bayer Leverkusen ) für sportliche Höhenflüge sorgen wollen, wird erst am Montagmorgen aufgebaut. "Apropos", grinst Ruf und erinnert an eine Anekdote. Einmal musste ein Fahrer in Frankfurt lange warten, weil ein Stabhochspringer Probleme mit dem Gepäck hatte. Der Athlet war gelandet, aber die Maschine mit seinen Stäben nach Warschau weitergeflogen. "Er musste sich alles ausleihen. Seine Stäbe kamen erst nach dem Sportfest bei uns an", erzählt Ruf schmunzelnd.

Unvergessen bleibt auch ein Anruf aus der Bahnhofsmission in Idar-Oberstein. Nach langer Zugfahrt war der 200-Meter-Sprinter Kyle Greaux dort ausgestiegen. Er wirke verwirrt, beschrieb der Bahnhofsvorsteher den Mann aus Trinidad und Tobago, der auf keiner Liste stand. "Er vergaß wohl, zuzusagen und ist auch noch versehentlich in Berlin gelandet. Er hat das Haus Scheidberg mit Scheidberg bei Potsdam verwechselt und wunderte sich, dass die zweistündige Zugfahrt schon sechs Stunden dauert. Wir haben ihn später am Dillinger Bahnhof eingesammelt", grinst Ruf.

"Ein geordnetes Chaos "

Viele Franzosen reisen mit dem TGV an und steigen in Metz oder Saarbrücken aus. Die Athleten aus Übersee und Afrika fliegen meist bis Frankfurt oder Frankfurt-Hahn. Der britische 400-Meter-Star Matthew Hudson-Smith landet an diesem Samstag um 13.45 Uhr in Luxemburg. Oft laufen die Ankunftszeiten erst sehr spät ein. Am Mittwoch lagen Ruf erst knapp 20 Prozent der Reisedaten vor. "Viele sagen kurzfristig zu. Erst einen Tag vorher stelle ich den genauen Abholplan auf. Es ist ein geordnetes Chaos ", lacht der Fahrdienstleiter, betont aber immer wieder: "Den Haupt-Job erledigen die Fahrer, die oft nachts unterwegs sind. Die schrubben 15 000 Kilometer, bevor sie die Fahrzeuge endlich parken dürfen. Respekt!"