Flavex betreibt ein PPP-Projekt in Albanien

Naturprodukte : Der Duft der Adria kommt nach Rehlingen

Flavex in Rehlingen bleibt kreativ: Chemisch mit seiner Methode, Natur-Essenzen aus Pflanzen zu gewinnen. Und jetzt wirtschaftlich mit einem Dreiecks-Projekt.

Oregano. Bloß getrocknet und doch geht der Geruch zwei Tage lang nicht mehr aus der Nase. Säckeweise lagert die Gewürzpflanze in einer Halle von Flavex in Rehlingen. Flavex Naturextrakte GmbH, um genau zu sein. In der Halle stapeln sich 700 Tonnen getrocknete Kräuter: außer Oregano zum Beispiel Chili, Pfeffer, Salbei, Kamille, Melisse, Rosmarin, Ingwer, Lavendel, Ringelblumen.

Flavex zieht die Wertstoffe aus den getrockneten Kräutern heraus, ganz ohne Chemie, und gewinnt daraus Essenzen. Das Verfahren haben die Flavex-Gründer Dr. Karl-Werner Quirin, Dr. Dieter Gerard, beide Chemiker, 1986 aus ihrem Studium in Saarbrücken heraus entwickelt. Heute beschäftigt Flavex 66 Mitarbeiter.

Jetzt ist Flavex wieder einen kreativen Schritt gegangen. Ein Dreiecks-Projekt verhilft der saarländischen Extrakt-Küche zu hochwertigen Pflanzen in Bioqualität aus Albanien. Flavex arbeitet dabei mit der albanischen Firma Natural Alba zusammen und beide mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Das GIZ-Projekt heißt „develoPPP.de“. Die GIZ begleitet damit, wie sie beschreibt, „die Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung und entwickelt mit Unternehmen Strategien für nachhaltiges Wirtschaften“ in Ländern außerhalb der EU. Es sind sogenannte Private Public Partnerships. „Das Projekt liegt auf der Adria-Halbinsel Kap Rodon in Albanien. Die GIZ hat dort in die Infrastruktur investiert, in Straßen, Leitungen, Pumpen, die alle am Ort nutzen können“, erklärt Carsten Quirin, Leiter des Einkaufs in dem Rehlinger Unternehmen. „Und Flavex hat bei Natural Alba in Kap Rodon investiert, zum Beispiel in einen Bus für die Landarbeiterinnen, in einen Traktor, in eine Trocknungsanlage.“ Im Gegenzug verkauft Natural Alba getrocknete Pflanzen an Flavex

Die Voraussetzungen sind laut Quirin günstig, nicht bloß wegen des Klimas. Angebaut wird auf kleinen Flächen, die den Bauern nach dem Ende des Kommunismus in Albanien zurückgegeben wurden. Keine Industrie, noch nicht einmal Autoverkehr: ideal für Bioqualität.

Und so wird derzeit dort für Flavex Thymian angebaut, Melisse auf 1,7 Hektar, Salbei, Rosmarin, und auf 6,5 Hektar Oregano.

Beispiel Rosmarin: Über 80 Prozent des in Rehlingen verarbeiteten Rosmarins kommt derzeit aus Marokko. Der Anteil soll auf gut 50 Prozent sinken, sagt Quirin. Dafür solle der Anteil aus Albanien von einem auf zwölf Prozent steigen. Die Qualität sei besser, die Ernte in Marokko schwanke und werde zudem teurer. Auch auf diesem Markt mache sich starke chinesische Nachfrage bemerkbar.

Die Oregano-Essenzen aus Rehlingen gehen zu größten Teilen in die USA, wo sie für die Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden.

In Rehlingen warten diese Arznei- und Gewürzpflanzen darauf, in einem Hochdruckverfahren mit Kohlendioxid extrahiert zu werden. Das ist das Geschäftsmodell von Flavex. In der Produktionshalle kann man es sehen und riechen. Wie in einer Saline, bloß dass einem statt Salz der Extrakt der Pflanzen in die Nase steigt. Durch ein Gewirr von Röhren und Leitungen finden die getrockneten, geschnittenen Pflanzen und das Kohlendioxid zueinander: in großen Kartuschen. Die Anlagen sind selbst entwickelt, gekauft nur die Komponenten, und alles selbst zusammengebaut, wie Dieter Gerard in der Halle erläutert.

Das Kohlendioxid, das aus der Vulkaneifel kommt, wäscht die Wertstoffe in den Kartuschen aus („extrahiert“). Kartuschen sind Druckbehälter. Aus ihnen verschwindet das Kohlendioxid in einem geschlossenen Kreislauf wieder, ohne Spuren in den Essenzen zu hinterlassen. Was bei den Herstellern von Nahrungsergänzung und Kosmetik besonders geschätzt wird, wie Quirin erläutert.

1400 Tonnen getrockneter Arznei- und Gewürzpflanzen laufen jedes Jahr durch die Anlage und sorgen für rund 17 Millionen Euro Umsatz. Aus 300 Tonnen Ingwer zum Beispiel werden 15 Tonnen Extrakt, das entspricht etwa 15 000 Litern. „Da sind wir Marktführer in Europa“, sagt Gerard. Der Ingwer-Extrakt wird Nahrungsergänzung, Kosmetik oder Getränkezusatz. Andere Extrakte aus Rehlingen finden sich in Marken wie Linola, Weleda oder Lacalut-Zahncreme.

700 Tonnen getrockneter Pflanzen lagern in der Halle. Foto: Thomas Seeber
Salbei, Oregano und andere getrocknete Gewürzpflanzen liefert jetzt ein albanischer Betrieb an Flavex. Foto: Thomas Seeber
Thilo Krämer transportiert den Druckbehälter mit Ingwer. Foto: Thomas Seeber

Den Weg durch die Lagerhalle, durch die Rohre und Kartuschen werden auch die Pflanzen aus Albanien nehmen. Bioqualität, die sie haben, ist besonders gefragt: „Sie macht bereits über die Hälfte unserer Mengen aus“, sagt Quirin.

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