Fast ein Rehlinger Bischof

Rehlingen. Seine sanfte Stimme kommt vielen Rehlingern bekannt vor, doch mancher erkennt ihn zurzeit nicht. "Am 25. Januar bin ich zum Bischof ernannt worden, seit dem 26. lasse ich den Vollbart wachsen", sagt der Inder in gepflegtem Deutsch, "bei uns wird das von einem Bischof erwartet, damit er ein väterliches Erscheinungsbild hat." Am 13

Rehlingen. Seine sanfte Stimme kommt vielen Rehlingern bekannt vor, doch mancher erkennt ihn zurzeit nicht. "Am 25. Januar bin ich zum Bischof ernannt worden, seit dem 26. lasse ich den Vollbart wachsen", sagt der Inder in gepflegtem Deutsch, "bei uns wird das von einem Bischof erwartet, damit er ein väterliches Erscheinungsbild hat." Am 13. März ist er mit drei anderen Priestern in Südindien zum Bischof geweiht worden - nach syro-malankarischem Ritus in einer fünfstündigen Zeremonie. Trotz 42 Grad Hitze wohnten über 20 000 Menschen der Bischofsweihe bei. Nach seinem Antrittsbesuch bei Papst Benedikt XVI. am 7. Juni ist er gleich von Rom nach Rehlingen weitergereist, um hier am Sonntag die Messe zu feiern.Denn hier ist der 47-Jährige eigentlich bekannt und hier lebt eine Frau, die für ihn, wie für viele indische Kinder fast eine Mutter ist. Ursula Graff koordiniert seit 43 Jahren die Indienhilfe, die sie mit ihrer Schwester Anita Gasper, bis zu deren Tod vor acht Jahren, gemeinsam aufgebaut hat. Mehr als 600 Kinder haben über sie derzeit Paten, die ihnen je 15 Euro im Monat spenden. "Das Geld geht ohne Abzüge nach Indien", betont Graff, die für die Verwaltungskosten selbst aufkommt und Portokosten von einer Firma gestiftet bekommt. "Dadurch hat das Kind eine Chance auf eine Schulausbildung", erläutert Graff, die von ihrer jüngsten Indienreise wieder gut 100 Anfragen mitgebracht hat: "Hinter jedem Kind steckt ein Schicksal, oft ist der Vater krank, die Eltern sind meist Analphabeten. Nur mit Schulausbildung können die Kinder später für sich sorgen." Bischof Vincent kennt ihre Arbeit aus erster Hand. Er stammt aus dem Landkreis Kanya Kumari mit 1,8 Millionen Menschen an der Südspitze Indiens. "55 Prozent sind Christen, das ist wohl der einzige Landkreis in Indien mit christlicher Mehrheit", berichtet er. In seiner Diözese Marthandam unterstützen Graffs Sponsoren 55 Familien und 65 Kinder über die Integral Development Society, die Waisenhäuser, Krankenhäuser, Hospize und 20 Schulen für alle Konfessionen betreibt.Graff lernte ihn kennen, als sie einen seiner Studienkollegen in Rom besuchte. Seither kam der Priester bis 2007 jedes Jahr ein, zwei Monate zur Urlaubsvertretung nach Rehlingen. Separat von der Indienhilfe sorgte Graff für finanzielle Unterstützung seines Studiums. Auch wenn er jetzt Bischof ist, kommt er noch regelmäßig zur Visitation nach Deutschland, weil viele Ordensschwestern, die in seiner Diözese ausgebildet werden, in deutschen Krankenhäusern und Pflegeheimen arbeiten.

Auf einen BlickBischof Vincent zelebriert an diesem Sonntag, 20. Juni, um 14 Uhr in der Rehlinger Pfarrkirche St. Nikolaus eine Heilige Messe, zu der die Sponsoren der Indienhilfe besonders eingeladen sind. Alle Interessierten sind ebenso willkommen und erhalten bei dem sich anschließenden Informationsnachmittag im Pfarrheim Auskunft über die Kinderpatenschaften. Koordinatorin ist Ursula Graff, erreichbar unter Tel. (0 68 35) 35 43. kni