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Einbrüche
„Schrotthändler“ spionieren Häuser aus

Hier ist es nur eine Demonstration. Aber genau vor solchen Einbrüchen haben viele Bürger Angst.
Hier ist es nur eine Demonstration. Aber genau vor solchen Einbrüchen haben viele Bürger Angst. FOTO: Frank Rumpenhorst / dpa
Fürweiler. Dillinger Polizei sieht keine Anzeichen für eine Einbruchsserie in Fürweiler. Zivile Streifen sind im Saargau unterwegs. Von Nicole Bastong

Bei Benedikt Schwartz in Fürweiler ist in diesem Oktober schon zum zweiten Mal binnen zwei Jahren eingebrochen worden. Dazwischen gab es noch einen Einbruchsversuch, der scheiterte, berichtet er. Der Unternehmer befürchtet eine neue Serie von Wohnungseinbrüchen auf dem Nordgau.



2015 gab es im Herbst eine große Einbruchserie, die auch Fürweiler betraf. Weil die Polizei aus Sicht der Bürger nicht genug dagegen tun konnte, wurden die Fürweiler selbst aktiv: Bei einer Bürgerversammlung wurden Haushalte gesucht, die gemeinsam einen privaten Sicherheitsdienst beauftragen wollten (die SZ berichtete). Auch Schwartz war damals dabei. Doch schon im vergangenen Winter gab es keinen Sicherheitsdienst mehr; die Firma, die ihn ausgeführt hatte, gibt es ebenfalls nicht mehr. Schwartz vermutet, dass das Angebot sich nicht gerechnet habe.

Von einer Serie an Einbrüchen kann Peter Groß, Leiter der Dillinger Polizeiinspektion (PI), zur Zeit nicht sprechen. „Es gibt immer Einbrüche, aber keine Serie und auch keinen Schwerpunkt in Fürweiler“, sagt er. Die Polizei rät den Bürgern, ihre Häuser so gut wie möglich zu sichern. „Aber man kommt sich ja schon vor wie im Gefängnis“, klagt Schwartz, „immer sperrt man alles ab, selbst wenn man nur kurz aus dem Haus geht. Und die Kosten für Alarmanlagen und andere Maßnahmen zahlt Ihnen keiner“, ärgert er sich. Dass auch ein einbruchssicheres Fenster Einbrecher nicht unbedingt aufhält, musste er schon selbst erfahren. „Man kriegt kein Haus komplett einbruchssicher. Außer man vergittert wirklich alles – und wer will das?“

Die Masche ist bekannt: Als Schrotthändler getarnte Lieferwagen fahren durch die Straßen und kundschaften die Häuser aus. Gegen diese Spione der organisierten Banden hat aber die Polizei keine Handhabe, denn sie lassen sich nichts zu Schulden kommen, bestätigt auch PI-Leiter Groß. Die Anwohner achten gegenseitig auf ihre Häuser, soweit das möglich ist, und melden auch auffällige Fahrzeuge, sagt Schwartz. Polizist Groß bestätigt: „Wir bekommen viele Hinweise von Bürgern, das ist auch gut so.“ Die Kollegen vom Dezernat Wohnungseinbruchsdiebstahl in Dillingen gingen allen Hinweisen nach. Zudem gebe es zivile Streifen auf dem Saargau. „Der Bürger kann sicher sein, dass trotz aller personellen Engpässe sehr viel auf hohem Niveau getan wird“, betont Groß. Auch der Bürgermeister von Rehlingen-Siersburg, Martin Silvanus, verweist auf die, nicht immer direkt sichtbare, Polizeipräsenz. Zudem bemühe sich die Gemeinde um Prävention: „Wir hatten schon viele Infoveranstaltungen, auch mit der Polizei, und wollen das noch intensiver betreiben“, sagt Silvanus.

Schwartz wünscht sich, dass man „nicht die Symptome bekämpft, sondern die Ursachen“. Die sieht er in einer verfehlten Europa-Politik. „Solange es zwischen europäischen Ländern ein großes soziales Gefälle gibt, wird sich daran nichts ändern“, meint Schwartz, „Man muss etwas gegen die miserablen Lebensumstände der Leute in Osteuropa unternehmen.“



Für seinen Heimatort wünscht er sich konkret höhere Polizeipräsenz: „Egal ob Zoll oder Bundespolizei, wenn da mehr Beamte zu sehen wären, wäre das Problem vermutlich kleiner.“ Der gebürtige Fürweiler erinnert sich, dass bis 1985 täglich Kontrollen des Zolls durchgeführt wurden. Den Medien hat er entnommen, das selbst zum Schutz der offiziellen Grenzübergänge im Saarland Hunderte Beamte fehlen, wie die Gewerkschaft der Polizei vor einigen Tagen Alarm schlug. „Wie soll man dann hier die Feldwege noch überwachen?“, fragt sich Schwartz. Ihn persönlich ärgert zudem, dass er von Politikern keine Antworten erhalten: Sowohl Innenminister Klaus Bouillon als auch Minister Reinhold Jost, der ebenfalls in der Gemeinde wohnt, habe er schon sein Anliegen geschildert – bisher ohne Rückmeldung.