Die Urlaubsvertretung kommt aus Indien

Die Urlaubsvertretung kommt aus Indien

Rehlingen-Siersburg. Der indische Bischof Vincent Mar Paulos ist wieder zu Gast in Rehlingen, um dort am Wochenende Heilige Messen zu halten. Seit seinem ersten Besuch im Jahre 2001 kam er bis 2007 jedes Jahr für ein bis zwei Monate als Urlaubsvertretung nach Rehlingen. Der Kontakt kam über Ursula Graff, Mitbegründerin der Indienhilfe, zustande, wo er sich schon fast wie zu Hause fühlt

Rehlingen-Siersburg. Der indische Bischof Vincent Mar Paulos ist wieder zu Gast in Rehlingen, um dort am Wochenende Heilige Messen zu halten. Seit seinem ersten Besuch im Jahre 2001 kam er bis 2007 jedes Jahr für ein bis zwei Monate als Urlaubsvertretung nach Rehlingen.Der Kontakt kam über Ursula Graff, Mitbegründerin der Indienhilfe, zustande, wo er sich schon fast wie zu Hause fühlt. Auf die Frage, zum wievielten Male er schon in Rehlingen sei, können beide nur lachen und abwinken. Das sei schon nicht mehr zu zählen. In gutem Deutsch und mithilfe eines Indienbuches erklärt er, wo seine Diözese zu finden ist. Der indische Bundesstaat Tamil Nadu befindet sich an der Südspitze Indiens. "Am Kap Comorin kommen drei Weltmeere zusammen", betont der Bischof. Und es sei der einzige Ort der Welt, wo man morgens die Sonne auf- und abends wieder untergehen sehen könne, wirft Ursula Graff ein.

Jedoch ist der Bischof von Marthandam nicht gekommen, um Indien als Urlaubsziel anzupreisen. Er möchte vor allem die Menschen für die Probleme in seiner Heimat sensibilisieren. "Manche Leuten sagen, Indien werde in hundert Jahren wie Amerika sein. Das ist aber unmöglich. Denn Indien ist nur in den Großstädten bereits weiterentwickelt, aber die meisten Menschen wohnen immer noch auf dem Land in Armut", erklärt er.

Keine staatlichen Hilfen

Anders als in Deutschland gibt es dort keine staatlichen Finanzhilfen für arme Familien. Deshalb engagiert sich die Kirche, die auf nationale und internationale Spenden angewiesen ist, für einen besseren Lebensstandard der Armen. Wie der Bischof stolz berichtet, gäbe es in seiner Diözese mittlerweile 20 Schulen, wo 100 Kinder in einer Ganztagsschule umsonst unterrichtet werden, ein Hospiz, neue Brunnen für frisches Trinkwasser und ein Gesundheitsprogramm, das die Menschen mit Naturmedizin versorgt.

Darüber hinaus fanden sich 553 Gruppen mit jeweils 20 Frauen zusammen, die gemeinsam ihren Alltag meistern. Seit 2008 gibt es auch das Ziegenprojekt. Durch eine Spende von 70 Euro erhält eine bedürftige Familie eine Ziege, die durch Grundnahrungsmittel wie Milch, Butter und Käse ihr Überleben sichert. Dann gibt es die Möglichkeit einer Patenschaft, bei der eine monatliche Spende von 15 Euro einem Kind die Chance auf Bildung und ein besseres Leben gewährt. Drei Mal im Jahr schreiben die indischen Kinder Briefe an ihre deutschen Paten. Natürlich in Englisch, das sie in der Schule gelernt haben.

Ursula Graff kommt im Rahmen der Indienhilfe jedes Jahr für Porto- und Überweisungskosten aus privater Tasche selbst auf. "Damit will ich garantieren, dass die Summe, die gespendet wird, auch zu 100 Prozent dort ankommt, wo sie benötigt wird", erklärt sie ihre Vorgehensweise. Die Indienhilfe hatte sie vor 44 Jahren mit ihrer Schwester Anita Gasper gegründet, die vor acht Jahren starb. Ein Engagement, das sich ausgezahlt hat, wie Bischof Vincent zusammenfasst: "Die Region Tamil Nadu ist zwar noch ein Entwicklungsgebiet, aber der Fortschritt kommt und wird langsam sichtbar."

Messen am Wochenende

Vincent Mar Paulos fühlt sich in Rehlingen wie zu Hause. Foto: Roi.

Der Bischof wird am Wochenende Heilige Messen halten. Am Samstag, 9. April, um 18 Uhr in Fremersdorf, am Sonntag, 10. April, um 8.45 Uhr in Eimersdorf und um 10.15 Uhr in Rehlingen. Die Indienhilfe sucht weiterhin Spenden-Paten für die Familien- und Kinderhilfe. Wer eine solche Patenschaft übernehmen oder spenden möchte, kann sich bei der Indienhilfe-Koordinatorin Ursula Graff unter Telefon (0 68 35) 35 43 melden.

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