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Der Zufall führte zu einem süßen Hobby

Der Zufall führte zu einem süßen Hobby

Hemmersdorf. "Bienen sind Wildtiere, aber sind sie ruhig, machen sie dieses besondere flirrende Geräusch. Dann gehe ich ohne Netz zu ihnen." Die Begeisterung ist hörbar, als Hans Winter, Vorsitzender des Imkervereins Fremersdorf, über seine Bienen spricht

Hemmersdorf. "Bienen sind Wildtiere, aber sind sie ruhig, machen sie dieses besondere flirrende Geräusch. Dann gehe ich ohne Netz zu ihnen." Die Begeisterung ist hörbar, als Hans Winter, Vorsitzender des Imkervereins Fremersdorf, über seine Bienen spricht. "Honig kann man kaufen, aber die Bestäubungsleistung nicht", macht sein Kollege Berthold Forse, Vorsitzender vom Siersburger Imkerverein, klar. Bei regelmäßigen Treffen der beiden Vereine tauschen sich über 20 Imker aus.Den Hobbyimkern liegt besonders die Verbesserung der Bienenweide am Herzen. Dazu werden Stecklinge einer mutierten, besonders blühfreudigen Weidenart verteilt. "Diese immerblühende Mandelweide blüht von Anfang April bis Oktober", erklärt Forse. Beste Voraussetzungen für die Bienen und alle, die von ihr abhängen. Der Deutsche Imkerbund hat errechnet, dass Bienen die Erträge der Obstbauern um bis zu 80 Prozent steigern. Kein Wunder, soll doch ein Bienenvolk für 500 Gramm Honig dreimal um die Erde fliegen.

Damit aber Bienenstock und Honigernte funktionieren, braucht ein Imker drei Bienenvölker. Mindestens zwei Trachtvölker und ein Jungvolk, meint der Siersburger Imker Patrick Philippi. In einem guten Jahr können seine drei Völker etwa hundert Kilogramm Honig produzieren. Den erntet Philippi dreimal im Jahr, die Frühtracht Ende Mai, die Akazienblüte drei Wochen später und Anfang Juli die Sommertracht.

Dann beginne schon die Vorbereitung der Bienen auf den Winter: "Ich füttere eine Fertig-Süßmischung, denn wenn man etwas wegnimmt, muss man auch etwas geben", sagt Philippi. Bei der Überwinterung mache ein trockener und warmer Standort viel aus. Aber der erfahrene Hobbyimker erklärt, warum wiederum ein später Winterbeginn für die Bienen gar nicht gut ist. "Bleibt es im Winter noch lange sehr warm, bleiben die Bienen lange in der Brut, was sie sehr viel Kraft kostet". Das Imkerjahr beginnt jetzt mit der Kirschblüte, dann müssen die Honigräume aufgesetzt werden, ist der Honig reif, werden die Waben entnommen und entdeckelt, geschleudert und der Honig gesiebt und gerührt. "Mittlerweile schmecke ich heraus, ob ein Honig reif geerntet wurde oder nicht", sagt Neuimkerin Viktoria Kasper. Die 30-Jährige erklärt den süßen Unterschied: Honig hat einen wässrigen Geschmack, wenn er geerntet wurde, ohne dass die Bienen Zeit hatten, die Honigwaben mit Wachs zu deckeln. Denn das tun sie nur, wenn der Honig in den Waben reif ist und einen Wassergehalt von unter 18 Prozent hat. Kasper hat seit einem Jahr zwei Bienenvölker und lernte wie die anderen Imker von einem Imkerpaten das Handwerk. In der Saison von März bis Oktober haben sie regelmäßig gemeinsam nach ihren Völkern geschaut. Die Temperatur im Bienenstock kontrolliert oder geprüft, ob die Königin genug Eier legt, sonst wird sie durch eine Neue ersetzt. An ihr erstes eigenes Honigglas denkt Kasper gerne: "Der hat einfach unbeschreiblich geschmeckt." In der Saison ist sie jede Woche bei den Bienen, pro Volk braucht sie eine Stunde, bis sie nachgeprüft hat, ob mit den Bienen alles in Ordnung ist. Ein Bienenvolk, das sind etwa 30 000 bis 60 000 Bienen. "Als Neuimker ist das ein sehr zeitintensives Hobby", sagt sie.

Zu Imkern wurden die drei eher durch Zufall: Kaspers Schwägerin schwärmte ein Volk in den Garten zu, Kasper erklärte sich spontan bereit, die Tiere mitzunehmen. Hans Winter hat sein erstes Volk von einem Nachbarn geschenkt bekommen, der Imker war. Patrick Philippi hat seine ersten Bienen von Freunden zur Hochzeit geschenkt bekommen. Weil er zu ihrer Hochzeit aus Spaß ein Pony geschenkt hatte. Nun ist er seit 14 Jahren Imker.

Hans Winter am Standort seines Bienenvolkes. Foto: Heike Theobald.

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