„Das ist eine riesengroße Ehre“

Die Zweitstimme bei der Bundestagswahl entscheidet über die Stärke einer Partei im Bundestag. Mit der Erststimme wählt man einen Politiker direkt, der den Wahlkreis im Bundestag vertritt. Für die SPD tritt im Wahlkreis Saarlouis/Merzig-Wadern Reinhold Jost an.

Es ist sein ungefähr zwanzigster Wahlkampf, aber Reinhold Jost ist inzwischen Profi: Schüttelt Hände, grüßt, lächelt unablässig, Beleidigungen prallen an ihm ab. Volksnähe und Authentizität sind die Pfunde, mit denen der SPD-Kandidat wuchert. "Ich bin einfach nah dran an den Menschen", meint Jost - als Landespolitiker wie als Ortsvorsteher. Seit fast sechs Monaten ist für den 47-Jährigen permanent Wahlkampf. Das schlaucht: "Ich kann mich kaum an einen Wahlkampf erinnern, der ähnlich kräftezehrend war." Eine "ernorm hohe Schlagzahl an Terminen", Besuche in Schulen, Firmen und an Haustüren, am Wochenende Infostände: "Das macht Spaß, auch wenn es nicht immer einfach ist."

Als Nachfolger des verstorbenen Otmar Schreiner hat Jost ein schweres Erbe angetreten: "Es war sein ausdrücklicher Wunsch, dass ich sein Nachfolger werde, weil ich einen hohen Bekanntheitsgrad habe und dieselbe Linie fahre. Das ist eine riesengroße Ehre." Falls er in den Bundestag einzieht, hat Jost viel vor: "Ich werde die Interessen der Menschen hier vor Ort deutlicher wahrnehmen als Peter Altmaier." Arbeitsplätze in der Industrie, die Infrastruktur der Städte und Gemeinden, der Garnisonsstandort Saarlouis - die Wahlkampfthemen kommen wie aus der Pistole geschossen. Der Erhalt des Wasser- und Schifffahrtsamts ist ihm wichtig: "Das hat unmittelbare Auswirkungen auf den Industriehafen Saarlouis-Dillingen, und es ist eine der letzten Bundesbehörden, die wir im Saarland noch haben." Und Cattenom sofort vom Netz nehmen, fordert der SPD-Kandidat. "Dafür werde ich mich weiterhin wie im Landtag schon einsetzen."

Auf Grund seiner Biografie kennt er einen Querschnitt der Arbeitswelt: Die Bekämpfung der zunehmenden Zeitarbeit, die unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen, eine faire Rente und mehr Mitbestimmung in den Betrieben, dafür will Jost sich in Berlin stark machen.

Zieht er in den Bundestag, steht sein Nachrücker im Landtag schon fest: Stefan Krutten aus Beckingen. Ob er SPD-Generalsekretär bleibt, entscheide Maas. Aber, betont Jost nachdrücklich: "Ich bleibe Ortsvorsteher von Siersburg!"

Den spannenden Wahlabend am 22. September verbringt Jost wie üblich im Rehlinger Gasthaus Klotz.

Seine Prognose: "Wir werden eine Überraschung erleben, SPD wird mehr Stimmen erzielen als in den Umfragen, die FDP wird von der CDU Stimmen klauen und die Grünen und die SPD werden eine Koalition eingehen können." Und wie er sich die Regierungskonstellation vorstellt, sagt Jost nochmal deutlich: "Wer mich wählt, muss sich mit rot-grün abfinden."



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Zur PersonReinhold Jost, geboren 1966 in Saarlouis. 1981 machte der Siersburger den Hauptschulabschluss, dann eine Lehre zum Stahlbauschlosser. Mittlere Reife und Fachabitur holte er nach und wurde Finanzfachwirt. Bis 1999 arbeitete er beim Finanzamt Saarlouis.1983 trat Jost in die SPD ein. Seit 1994 sitzt er im Gemeinderat Rehlingen-Siersburg. Ortsvorsteher von Siersburg ist er seit 1995. Seit 1999 gehört er (mit Unterbrechung) dem Landtag an.Seit 2005 ist Jost Generalsekretär und seit 2009 Landesgeschäftsführer der SPD Saar, 2010 wurde Jost Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Saarlouis und 2012 Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Jost wohnt mit seiner Partnerin in Siersburg. nic