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Burgfest startet mit Weltrekordversuch

Burgfest startet mit Weltrekordversuch

Die CAJ Siersburg steht in den Startlöchern für ihr großes Burgfest und den Weltrekordversuch im Schwenken einen Tag vorher. Die Christliche Arbeiterjugend schreibt sich allerdings bei ihren Veranstaltungen den Jugendschutz ganz oben auf ihre Fahne.

Siersburg. Seit 43 Jahren organisiert die CAJ Siersburg eine Riesenfete auf dem Burgplateau der Siersburg. Und auch in diesem Jahr steht am Samstag, 17. Juli, ab 19 Uhr mit den Bands "Two Without", "Project 54" und den "Revengers" jede Menge Partystimmung auf dem Programm. Bereits einen Tag vorher werden die Mitglieder der Christlichen Arbeiterjugend einen Weltrekordversuch starten. Der Plan: Mit 3000 Schwenkern, auf einem Megagrill gebraten, wollen sie sich einen Eintrag ins Guinness-Buch der Weltrekorde verschaffen.Während der Freitag ganz im Zeichen der Familie und Jugend steht, weist die CAJ darauf hin, dass am Samstag nur Besucher ab 16 Jahren zum Burgfest kommen dürfen, die so genannte Erziehungsbeauftragung wird nicht akzeptiert. Laut Jugendschutzgesetz erlaubt diese Bescheinigung Heranwachsenden unter 16 Jahren den Einlass zu Veranstaltungen und Diskotheken. Mit ihrer Unterschrift übertragen Eltern ihre Aufsichtspflicht des Jugendlichen auf eine dritte Person, die mindestens 21 Jahre alt sein muss. Sie sollte wiederum gewährleisten, den Jugendlichen während der gesamten Aufenthaltszeit zu beaufsichtigen und darauf zu achten, dass er keine Spirituosen konsumiert.

Ein Stück Papier, über das diskutiert werden darf. Waren es tatsächlich die Eltern, die diese Erziehungsbeauftragung ausfüllten? Ist die Aufsichtsperson auch in der Lage, ihrer Pflicht nachzukommen? Lässt sich diese Pflichterfüllung auf einer Großveranstaltung sicher umsetzen?

Die CAJ Siersburg sieht es eher kritisch. "Wir, als Jugendverband, sehen uns in der Verantwortung jungen Menschen gegenüber, und bei einer Großveranstaltung, wie dem Burgfest, lässt sich eine Kontrolle über die Einhaltung der Aufsichtspflicht nicht gewährleisten", sagt der CAJ-Vorsitzende Markus Reiter.

Im Übrigen müssen Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren das Burgfest um Mitternacht verlassen. Strenge Ausweiskontrollen, keinen puren Schnaps und durch Bändchen am Armgelenk eine relativ einfache Möglichkeit, zu sehen, wie alt der Besucher ist und was er altersgemäß auch an Alkohol trinken darf oder aber auch nicht. "Wir wollen mit dieser Aktion die Jugendlichen unter 16 Jahren sicherlich nicht vergraulen, hoffen aber auf Verständnis, dass wir nicht anders handeln können", sagt Reiter. Als Alternative böte die CAJ schließlich in diesem Jahr die Veranstaltung am Freitag an. Menschenkicker, Kletterwand, Springburg und Livemusik bis in den späten Abend hinein stehen unter anderem auf dem Programm. Außerdem dürfen die Besucher live dabei sein, wenn die CAJ ihren Weltrekordversuch startet.



Jugendschutzgesetz in aktueller Form ist unausgegoren

Welche positiven Aspekte sind im Jugendschutz enthalten, die problemlos umzusetzen sind?

Neuendorf: Jugendschutz ist eine Querschnittsaufgabe mit vielen Partnern. Dazu gehören eben auch Tankstellen, Supermärkte, aber insbesondere Eltern. Viele junge Menschen lernen Alkohol schon sehr früh kennen, weil er in Deutschland ein legales Genussmittel ist, nahezu überall und zu jeder Zeit verfügbar, vielseitig einsetzbar bei Stress, Einsamkeit, Frust, Angst, Hemmungen. Beim Jugendschutz den Begriff "problemlos" zu benutzen halte ich für nicht angebracht. Dafür erscheint die Welt der Erwachsenen zu sehr verlockend.

Welche Lücken sind im Jugendschutzgesetz ihrer Meinung nach zu schließen, und welches Problem sehen Sie hier besondern beim Aspekt der "Erziehungsbeauftragung"?

Neuendorf: Eigentlich gibt das Jugendschutzgesetz einen ordentlichen Rahmen vor, um mit den vom Gesetzgeber erkannten Gefährdungen umzugehen. Allerdings hat man das neue Jugendschutzgesetz 2002 etwas zu flott über die parlamentarischen Hürden getrieben. Heraus kam die Möglichkeit, dass mit der Mitnahme einer volljährigen Person (eben dem Erziehungsbeauftragten) sämtliche Zeitgrenzen außer Kraft gesetzt werden können. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was seither an den Eingangstüren von Discos und anderen Veranstaltungen los ist. Mit diesem Unsinn hat sich auch die Jugend- und Familienministerkonferenz 2008 in Berlin befasst. Problem erkannt, Gefahr nicht gebannt, muss man aber sagen, denn diese Konferenz schlägt lediglich vor, das Mindestalter für die Begleitperson von bisher 18 auf 21 Jahre heraufzusetzen. Bis heute ist es bei dieser Empfehlung geblieben. Ich begrüße es daher ausdrücklich, dass die CAJ Siersburg, die sich schon immer vorbildlich bei ihrem großen Event Burgfest dem Jugendschutz gewidmet hat, zum ersten Mal auf die Möglichkeit der Abgabe einer Erklärung zur Erziehungsbeauftragung verzichten wird. Einlass erst ab 16 Jahren und dies ohne Ausnahme!

Wie wird in der Gemeinde Rehlingen-Siersburg mit dem Thema Jugendschutz umgegangen?

Neuendorf: Die Gemeinde hat 2007 mit einem viel beachteten Aktionsprogramm auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen reagiert. Ein wichtiger Teil dieses Programms ist die Selbstverpflichtung "Jugendschutz", die Veranstalter erklären, wenn sie in der Gemeinde eine größere Jugendveranstaltung durchführen wollen. Die Alterskontrolle ist dabei mit das wichtigste Kriterium, das es zu bestehen gilt.

Hierbei hat sich bewährt, dass beim Einlass mittels manipulationssicherer Armkontrollbänder das jeweilige Alter der Besucher deutlich gemacht wird: rot für unter 16-jährige Jugendliche, gelb für 16- und 17-jährige Jugendliche und grün für volljährige junge Erwachsene. Veranstalter dürfen ferner keine Aktionen durchführen, die den Alkoholabsatz fördern, wie "happy hour" oder Saufspiele. Ebenso darf nicht mit Alkoholpreisen für die Veranstalter geworben werden. Dies gilt sowohl für Flyer und Plakate wie auch für Online-Communitys oder die Homepage des Veranstalters. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Verpflichtung, einen professionellen Sicherheitsdienst zu engagieren, wenn mehr als 400 Besucher erwartet werden.

Doch wir können noch so tolle Programme auflegen und das Jugendschutzgesetz rauf und runter novellieren: Ohne das Vorbild und die Mitwirkung der Eltern und anderer "Miterzieher" sowie einer Änderung des gesellschaftlichen Bewusstseins haben alle präventiven und repressiven Maßnahmen bei Jugendlichen nur eine begrenzte Wirkung.