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Bücherschrank in Niedaltdorf wird zum Dorfmittelpunkt

Niedaltdorf : Ein Kühlschrank mit Kultpotenzial

Der Bücherschrank in Niedaltdorf hat den Ort deutlich belebt. Die Idee hatte Alexander Schütz.

Ein Bücherschrank mitten im Dorf sorgt seit geraumer Zeit für Furore. Wo – in Niedaltdorf. Und das Modell „Kühlschrank“ ist dabei nicht ganz alltäglich, fällt dafür auf, aber eine ursprünglich anvisierte, neu aufbereitete alte Telefonzelle war einfach zu teuer. Und der Platz „Off de Spetz“ in der „Iweschtgass“ drum herum mausert sich immer mehr zu einem beliebten Treffpunkt für das ganze Dorf.

Die Idee dazu hatte Alexander Schütz (36), ein aus Niedaltdorf stammender Buchhändler aus Saarlouis. Seine Eltern Monika und Klaus übernahmen die Pflege, während der Sohnemann an den Wochenenden nach dem Rechten schaut, wenn er zu Besuch kommt.

Das war aber nur die Initialzündung. Inzwischen macht das halbe Dorf mit. Viele haben mitgewirkt, den früheren Abstellplatz eines Bauern im Dorf zu einem stimmungsvollen, vor allem lebendigen Treff ausgestaltet. Wilbert Hilt spannte den CDU-Ortsverein und seine Verwandtschaft ein. Simon Caretta steuerte ein großes Wappen bei, sein Vater Bernhard, ein Maurer, baute eigens dafür die Nachbildung einer keltischen Schutzmauer. Das dazu notwendige Holz wurde von einem örtlichen Schreiner zugeschnitten, und auch andere Handwerker im Dorf halfen mit. Maria Putze sorgt für eine saisonal wechselnde Dekoration, und die rüstige Rentnerin Sibera Mellinger lockte als engagierte Probeleserin immer wieder neue Interessenten an.

Das nahe „Bistro Bagatelle“ und ihre Betreiber vom einheimischen Gartenbaubetrieb „Floratec“ spendierten einen passenden Baum – keine Linde, dafür aber eine stattliche Zierkirsche.

Die Funktionsweise des „Bücherkühlschranks“ ist denkbar einfach. Wer will, der greift zu und bedient sich. Die Bücher müssen noch nicht einmal zurückgebracht werden, können aber auch nach beliebiger Zeitspanne gegen andere eingetauscht werden.

Das Bücherangebot ist weit gefasst, reicht vom Atlas über das Kochbuch bis hin zum Roman. Wer will, darf den Schrank auch mit eigenen Büchern füttern, wie es auch Initiator Alexander Schütz weiterhin regelmäßig tut. Auch der eine oder andere Lothringer nutzt inzwischen den Niedaltdorfer Bücherschrank „en passant“, wenn er mit dem Auto vorbeikommt. So gehört auch das eine oder andere Buch in französischer Sprache schon zum Angebot.

Auch wenn Corona die Treffen vorübergehend einschränkte, soll der Niedaltdorfer Bücherschrank „off der Spelz“ sich nach dem so gelungenen Start auch zukünftig immer mehr zu einem Dorfmittelpunkt und Kommunikationstreff weiterentwickeln. Auch das eine oder andere kleinere Fest soll hier stattfinden, wenn der Covid-19-Virus endgültig zurückgedrängt ist.

„Jetzt fehlt uns eigentlich nur noch eine Bank,“ spielt Hilbert Hilt auf den Rückzug der Kreissparkasse an, meint dabei aber mehr eine Sitzbank. „Vielleicht findet sich auch dafür noch ein Spender“, hoffen zumindest die Akteure, die bislang den Niedaltdorfer Bücherschrank mit so viel Engagement zum Leben erweckt haben.