Bücher waren seine Leidenschaft

Da er sich schon früh gegen den Nationalsozialismus erhob, landete Pfarrer Johann Peter Schmitt im Konzentrationslager. Nach seiner Rettung widmete er sich dem Wiederaufbau seiner Pfarrkirche „St. Rufus“.

Am 2. November wäre er 125 Jahre alt geworden: der frühere Niedaltdorfer Pfarrer Johann Peter Schmitt. Vor 49 Jahren starb der in Sotzweiler bei Tholey als Sohn eines Bergmanns geborene außergewöhnliche Seelsorger. Am Tag seines goldenen Priesterjubiläums erhielt er die Urkunde als Ehrenbürger der Gemeinde Niedaltdorf .

Johann Peter Schmitt war einer der bekanntesten Priester des Bistums Trier, der schon sehr früh, noch vor der Saarabstimmung 1935, seine Stimme gegen den Nationalsozialismus erhob. Schon als lesefreudiger Kaplan galt sein besonderes Interesse dem Buch und dem Aufbau des Borromäusvereins. Bereits 1924 wurde er Leiter der neuen Buchberatungsstelle Saarbrücken. Fast zehn Jahre lang war er Strafanstaltspfarrer in Saarbrücken.

Mit 19 anderen katholischen Geistlichen richtete er wegen der Diffamierung der katholischen Bevölkerung und der damaligen Zentrumspartei einen Beschwerdebrief an Adolf Hitler. Dies blieb nicht folgenlos. Nach der Saarabstimmung am 13. Januar 1935 wurde er als Gefängnispfarrer entlassen. Als Leiter der Buchberatungsstelle Saarbrücken setzte sich Pfarrer Schmitt bei der Evakuierung der "Roten Zone" am 1. September 1939 mit Hilfe ranghoher deutscher Militärs dafür ein, die Buchbestände der Pfarrbüchereien aus den geräumten Orten zu retten, um sie teilweise auch den Wehrmachtssoldaten zur Verfügung zu stellen. Dies erregte mehr als nur den Unwillen der Gestapo (Geheime Staatspolizei) in Tholey. Er wurde festgenommen, nach Berlin gebracht und dort in das Alexandergefängnis eingeliefert. Wegen "Wehrkraftzersetzung" wurde ein Verfahren eingeleitet. Nach einer "Schutzhaft" kam Pfarrer Schmitt am 1. August 1940 zunächst in das Konzentrationslager Sachsenhausen.

Am 13. Dezember 1940 erfolgte die Überführung in das KZ Dachau. Mit der Häftlingsnummer 22 540 war er im so genannten "Pfaffenblock 26". Im April 1945 wurden etwa 7000 Dachauhäftlinge, unter ihnen auch Pfarrer Schmitt, auf "Todesmarsch" in Richtung Alpen in Bewegung gesetzt. Nach drei Tagen wurde die zu Tode erschöpfte Kolonne von amerikanischen Soldaten am Tegernsee befreit.

Nach Niedaltdorf zurückgekehrt widmete sich Pfarrer Johann Peter Schmitt dem Wiederaufbau seiner Pfarrkirche "St. Rufus", der Borromäusbücherei-Zentrale Saarbrücken und der Zusammenarbeit mit seinen lothringischen Freunden. Er wünschte es nicht, dass gegen Niedaltdorfer NSDAP-Mitglieder Anzeige erstattet werden sollten.

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